Eigentlich ist mein Magen nur noch schwer zu beeindrucken: Süßes und Pikantes wild durcheinander, Deftiges zum Frühstück – alles egal. Aber in Madagaskar, tja, da war die Umstellung auf die fremde Küche doch groß. Soll heißen, das Essen war geschmacklich zwar meistens toll, aber die Folgen nicht immer ganz absehbar.

In diesem Beitrag erzähle ich vom Essen und Trinken in Madagaskar und worauf du dich geschmacklich einstellen musst, wenn du dieses wunderbare Land im Indischen Ozean bereist.

Was ich noch vorher sagen muss – ich kenne natürlich trotz der langen Reise von fast vier Wochen nur einen kleinen Teil der riesigen Insel kulinarisch: von der Westküste, Antananarivo und Andasibe im Zentrum und die Gegend um Antsiranana im Norden.

Brauner Zucker ziegel madagaskar
Auch eine Möglichkeit, Zucker zu kaufen – als Ziegel

Madagaskar und der Reis

Reis, Reis und nochmal Reis. Das ist die ungeschlagene Hauptspeise, alles andere gilt allerhöchstens als Beilage. Stell dir vor, du würdest einen Suppenteller randvoll mit Reis füllen und danach auf einen anderen Teller umstülpen. Das ist in etwa eine normale Portion.

Essen im hotely Madagaskar
Viel Reis für gibt es für jeden, alles andere ist Beilage

Die meisten Madagassen können sich überhaupt nicht vorstellen, dass man ohne Reis überleben kann, oder ein Kilo Reis die gängige Größe in einem Supermarkt sein soll. Reis kauft man in Säcken ab mindestens 20 Kilogramm, so das Credo. Nach unserem Reiskauf hätte ich jedenfalls schwören können, dass das Auto tiefer liegt! Auf meine Frage, wie lange die unglaubliche Menge wohl für die sechsköpfige Familie reiche, bekomme ich als Antwort nur „so zwei bis drei Wochen“ zu hören. Gut, immerhin fressen auch die fünf Hunde und sieben Katzen davon. „Essen ohne Reis zählt nicht als Essen“, erklärt mir meine Freundin Olivia.

Reis madagaskar
Reisfelder sind allgegenwärtig

Soll heißen, egal wie viel frittierte Bananen und Teigtaschen man in sich hineinstopft, der Magen darf erst mit einer riesigen Portion Reis voll werden. Generell waren die Portionen bei den Speisen immer deutlich größer als für mich gewohnt, aber seltsamerweise gewöhne ich mich sehr schnell daran. Mein Magen muss wohl recht dehnbar sein. Übrigens finden auch die Madagassen selbst ihre Portionen sehr groß, vor allem wenn sie eine Zeit lang in Europa gelebt haben!

Madagaskar Essen Zebufleisch
Reis mit Zebufleisch als Beilage

Am Tisch gibt es oft eine Art Kräutersuppe dazu – also in kaltem Wasser eingelegte Kräuter, die man über trockenen Reis geben kann. Die Kräuter verursachen ein sehr seltsames Kribbeln auf der Zunge, doch die Madagassen meinen, das wäre normal. Mmmh, ganz überzeugt war ich davon nicht …

Markt Antsiranana Essen
Der Beweis: Es gibt auch Speisen ohne Reis!

Bereits das Frühstück beginnt meist mit einer Riesenportion Reis und sieht auch ansonsten kaum anders aus als das Mittag- und Abenessen. Woran kann man erkennen, dass es Frühstück ist? Der Reis ist etwas feuchter und patziger.

Frühstück Hotely Madagaskar
Saure Mangostreifen, Reis, Fisch und Huhn zum Frühstück

Als Alternative gibt es manchmal Baguette, das meist mit Butter und Marmelade gegessen wird. In Hotels mit ausländischen Gästen kann das Frühstück mit süßem Gebäck und Joghurt zusätzlich sehr reichhaltig werden. Sehr beliebt ist auch Kondensmilch, die gerne auch mit heißem Wasser als „Tee“ getrunken wird oder wie bei der ersten Familie, bei der ich wohnte, circa 1:1 mit Kaffee gemischt wird.

großes frühstück miandrivazo

Ansonsten gibt es wie zu Mittag oder zu Abend meist Fleisch als Beilage dazu, hauptsächlich Huhn, Zebu oder Schwein. In den Küstenregionen aber auch gerne mal Fisch oder Krabbe.

Krabben Madagaskar
Krabbe

Reis gibt es nicht nur als Hauptspeise, sondern auch als Getränk. Allerdings nicht als Reismilch, sondern als „rano napango“ – Wasser mit angebranntem Reis. Mir wurde es so erklärt, dass die letzten Reisreste am Boden des Topfes nochmal mit Wasser aufgegossen und so zu einem Getränk mit Reisflocken am Boden werden. Das gibt es in unterschiedlichen Braunschattierungen – je nach „Angebranntheitsgrad“. Getrunken wird es sowohl warm als auch kalt. Es schmeckt genauso wie es klingt: wie angebrannter Reis mit Wasser, aber ich fand es nicht schlecht.

rano napango madagaskar

Gekocht wurde meist auf einem Holzkohleofen im Freien. Deshalb sind die meisten Speisen entweder gekocht oder frittiert – das funktioniert auf diese Art am Besten. Das Problem dabei ist, dass irrsinnige Mengen an Holzkohle benötigt werden, was wiederum zu vielen Brandrodungen führt. Gasherde gibt es zwar, sie sind jedoch im Alltagsleben der Madagassen eher selten anzutreffen.

Essen von Kleinbauern

„Dein Essen in Madagaskar musst du dir verdienen!“, das dachte ich sehr oft, vor allem beim mühseligen Auseinanderklauben von Huhn und Krabbenstücken. Keine Spur von hochgezüchteten Tieren, deren dicke Fleischstücke fast freiwillig vom Knochen springen. So kann man auch eine ganze madagassische Familie herrlich unterhalten, wenn man mit seinen Fischgräten kämpft und ein Schlachtfeld auf seinem Teller zurücklässt, während selbst vierjährige Kinder es scheinbar mühelos schaffen, jedes Fitzelchen Fisch abzunagen. Meist kommt die Ware am Markt und bei den Ständen an der Straße direkt vom Bauern oder aus unmittelbarer Nähe. Schon allein deshalb, weil der weite Transport ohne Kühlung nicht praktikabel wäre.

Frühstück in Madagaskar

Abenteuerlich war auch das Einkaufen der Lebensmittel, zumindest für europäische Maßstäbe. Überall gibt es wilde Märkte und selbst auf Überlandstraßen in scheinbar verlassenen Gegenden taucht immer wieder jemand auf, der seine Ware verkaufen möchte. Supermärkte gibt es selten und werden von den meisten Einwohnern nicht besucht, da die Lebensmittel oft um ein vielfaches teurer sind und qualitativ meist sogar schlechter als am Straßenmarkt. Olivia meinte zu mir: „Ich dachte immer, dass ein Supermarkt generell „fancy“ ist und nicht die Norm, bis ich eine Reise außerhalb von Madagaskar machte.“

An der Küste im Norden besuchten wir einen wild wuselnden Fischmarkt mit Unmengen an unterschiedlichen Meerestieren, vom getigerten Rochen bis zu Krabben.

rochen markt antsiranana

Die Kühlkette fehlt einem als Europäer allerdings schon. Nicht, dass es keine Kühlschränke gäbe. Aber auf den Märkten wird grundsätzlich kaum etwas gekühlt, nicht mal Fleisch oder Milch. Tatsächlich gibt es in Madagaskar auch noch einige Eisverkäufer, die mit einer Art Machete Eisblöcke abschlagen und diese dann weiterverkaufen.

Fischmarkt Antsiranana

Früchteliebhaber kommen in Madagaskar aber voll auf ihre Kosten. Ich war hauptsächlich im August dort – leider außerhalb der Haupternte und trotzdem gab es jede Menge Auswahl an Früchten, die ich zuvor noch nie gesehen hatte. Wunderbar! Nur die sehr beliebten, unreifen Mangostreifen fand ich gewöhnungsbedürftig, da sie extrem sauer waren. Die gab es in beinahe jedem hotely gasy zum Essen dazu, abgefüllt in eine leere Wasserflasche. Dafür waren die frittierten Bananen einfach nur himmlisch gut!

Frittierte Bananen Madagaskar

Hotely Gasy

Jedes noch so kleine Dorf hat mindestens ein hotely, ein Minigasthaus, teils mit, teils ohne Sitzgelegenheit. Dafür reicht ein Tisch mit einer Feuerstelle mit Überdachung und freundlicher Bedienung. Von frittierter Banane über Fleisch und Reis bis Kaffee ist dort alles Mögliche zu haben, aber immer nur in sehr beschränkter Auswahl.

Es gibt Essen aus dem jeweiligen Ort und den lokalen Tratsch gibt es quasi als Beilage dazu. Auf die sehr schmalen Holzbänke passen garantiert immer mehr Leute als gedacht. Bestellt wird oft direkt vom Tablett – wo man etwa mitzählt, wie viele kleine frittierte Fische man schon zum Frühstück gegessen hat. Dann wird nach Menge bezahlt. Manchmal gibt es die hotelys auch quasi als Drive In am Straßenrand.

Hotely Küche Madagaskar
Küche des hotely

Alles in allem gab es in Madagaskar für mich kein besonders erschreckendes kulinarisches Erlebnis, wie zum Beispiel Rindsaugen oder Spinnen. Es war wie eine ständige Reise zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Einmal isst man bei einer Feuerstelle und am nächsten Tag kocht man am Gasherd und benutzt die Mikrowelle. Schräg!

Zum Schluss noch ein Beweis, dass man als Österreicher kulinarisch immer etwas mibringen kann: Lova beim Eischneeschlagen für einen tollen Kaiserschmarrn. Äpfel gab es leider keine, deshalb musste die Sakoa-Frucht herhalten und es wurde ein Kaiserschmarrn auf madagassische Art – sehr zu empfehlen!

So schmeckt es anderswo

Dieser Beitrag entstand im Rahmen von 7ways2travel, einem monatlichen Blog-Projekt von 7 österreichischen Reisebloggern. Im Februar beschäftigen wir uns mit dem Thema Essen und Trinken auf Reisen. Wie es anderswo schmeckt erfährst du bei unseren Kollegen.

7ways2travel Reiseblogger

Gerhard von Andersreisen bestellt in China sein Essen oft auf „gut Glück“, denn hier fällt schon das Lesen der Speisekarte schwer.

Christina von CitySeaCountry.com hat bereits 6 Monate in der Karibik auf einem Katamaran gelebt und verrät uns ihre Lieblingsrezpte.

Maria von Kofferpacken war auf einer Food Tour in Málaga unterwegs.

Angelika von Wiederunterwegs.com erzählt von exotischen Gerichten und kulinarischen Erlebnissen in Vietnam. Und vom Nachkochen daheim.

Melanie und Juergen von Lifetravellerz schwärmen von der Vielfalt der Gerichte, die die Küche Südafrikas zu bieten hat.

Gudrun alias Reisebloggerin kostet sich zum Abschluss durch Usbekistan.

Corinna Donnerer

Cori, 26, und hauptberuflich als Physiotherapeutin selbstständig. Schon während der Schulzeit und des Studiums habe ich viele Gelegenheiten zum Reisen genutzt und war so als Austauschschülerin und Aupairmädchen in Chile. Praktika habe ich in Deutschland und der Schweiz gemacht. Gemeinsam mit Flo ging es nach meiner Ausbildung auf Weltreise und seitdem hat mich das Reisefieber fest im Griff.

4 Kommentare

  1. Reis als Hauptspeise und Fleisch als Beilage zu haben ist zu Beginn bestimmt etwas ungewohnt. Aber wahrscheinlich ist es sogar die gesündere Kombination. Mit dem monströsen Zuckerziegel lässt sich das dann gut wieder ausgleichen. 😉

  2. Klingt so ganz anders, als was ich bisher gegessen habe. Reis mag ich prinzipiell sehr, wobei er in anderen Ländern oftmals viel besser schmeckt als bei uns. Aber jeden Tag und dann noch im Wasser? Hmmm, da bin ich mir nicht ganz so sicher….

Kommentar verfassen (Eingaben werden zwecks Anti-Spam-Prüfung an den Dienst Akismet gesendet. Wir nutzen die eingegebene E-Mailadresse zum Bezug von Profilbildern bei dem Dienst Gravatar. Weitere Informationen und Hinweise zum Widerrufsrecht finden sich in der Datenschutzerklärung: https://www.travelpins.at/datenschutz/)