Als Kind des Sommers konnte ich mit dem herannahenden Herbst lange Zeit nicht viel anfangen: die Tage werden kürzer, draußen wird es spürbar kälter, und der Nebel legt sich übers Land. Das alles fand ich gar nicht super. Als Weitgereister lernt man jedoch dazu und vor allem zu schätzen, dass wir in Mitteleuropa noch ausgeprägte Jahreszeiten haben. Und mittlerweile bin ich sogar froh, dass nun ein weiterer Hitzesommer vorbei ist und es allmählich wieder zu herbstln beginnt. Denn für gemütliche Wanderungen ist mir der Herbst einfach die liebste Jahreszeit.

Daher haben Cori und ich uns auch sehr über die Einladung zum Hüttenkult-Auftakt gefreut, der Kulinarik und Wandern im Herzen Kärntens geschmackvoll verbindet.

Cori und Flo im Naturel Hoteldorf Schönleitn in Kärnten

Hüttenkult rund um Villach

Zum Hüttenkult laden insgesamt elf Almhütten aus der Region Villach – Faaker See – Ossiacher See und dem Alpen-Adria-Raum, um im September und Oktober noch die ein oder andere „köstliche“ Wanderung im Frühherbst zu unternehmen. Jede Hütte stellt dabei ihr eigenes Kulinarik-Thema in den Mittelpunkt, bei dem natürlich auch typische Kärntner Spezialitäten wie Kasnudeln und Reindling nicht fehlen dürfen. Wir waren zum Hüttenkult-Auftakt bei der Neugarten Almseehütte auf der Gerlitzen Alpe zu Gast, alle weiteren Hütten, Wandergebiete und -routen findest du hier.

Neugarten Almseehütte Wirt Hans mit seiner Berta
Hüttenwirt Hans mit seiner Berta

Tipp: Wenn du für einen Wanderurlaub nach Kärnten reist oder ohnehin in der Region wohnst und gerne wanderst, hol dir am besten gleich zu Beginn den Hüttenkult-Sammelpass. Ab vier Stempel bzw. Hüttenbesuche gibts Sachpreise zu gewinnen.

Außerdem kommt man so mit den Hüttenwirten ins Gespräch und erfährt, was es zum Beispiel mit dem Wandbild in der Neugarten Almseehütte auf sich hat. Vor 12 Jahren kam Hüttenwirt Hans Maier beim Aufstellen eines neuen Weidezauns die Idee der „lebenden Speisekarte“: Es sind nämlich die Kühe, die Wanderer zuerst sehen, wenn sie sich seiner Almhütte auf der Gerlitzen Alpen, knapp 300 Meter unterhalb des Gipfels, nähern. Etwas Lebensmittelfarbe war schnell zur Hand, und so malte er den Kühen mit einer selbstgebastelten Schablone Spezialitäten wie „Brettljause“, „Most“ oder „Schnaps“ aufs Fell. Klingt verrückt? Nun, dabei hat der Wirt die Rechnung ohne seine „Models“ gemacht, denn die leckten sich die Lebensmittelfarbe gegenseitig gleich wieder ab. Ein befreundeter Friseur empfahl ihm stattdessen Henna-Farbe, die je nach Wetter bis zu mehrere Wochen lesbar bleibt. Und den Tieren nicht schadet, wie uns Hans versichert, während er die 16 Jahre alte Berta streichelt, die bereits ein Dutzend Kälber auf die Welt gebracht hat und heuer für den Hüttenkult „wirbt“.

Hüttenkult in Kärnten

Kurz nach der Model-Show beginnt es wieder erneut zu regnen und so flüchten die anwesenden Gäste schnell in die warme Hütte, wo nach der Bergmesse mit Alphornbläsern aus dem Kanaltal später Udo Wenders und Doktor Südbahn aufspielen. Schlager trifft Austro Pop!

Wir suchen uns im Stüberl daneben einen freien Platz und studieren einstweilen die eigentliche Speisekarte. Als Süßspeise ist uns Steirern der Kärntner Reindling ja durchaus bekannt, aber dass man den Kuchen samt Rosinen auch zu einer sauren Suppe dazu essen kann, ist uns neu. „Gern auch als Einlage, alles ist erlaubt“, wie uns die Einheimischen versichern. Na dann … Mahlzeit, liebe Cori! Ich probiere dann doch lieber etwas deftiges und bestelle ein Ritschert, quasi einen Kärntner Eintopf mit Rollgerste, geräuchertem Fleisch und Gemüse. Als Nachspeise gibts altbewährtes, das man in ganz Österreich kennt und genießt: Kaiserschmarrn!

Tipp: Check am besten den Veranstaltungskalender! Neben der Auftaktveranstaltung auf der Gerlitzen finden im September und Oktober natürlich auch noch weitere Events im Rahmen des Hüttenkults statt. : www.region-villach.at/events

Wander- und Übernachtungstipps auf der Gerlitzen Alpe

Zur Neugarten Almseehütte kommt man übrigens auch mit dem Auto, über die mautpflichtige Gerlitzen Gipfelstraße, die fast durchgängig asphaltiert ist. An unbeständigen Tagen, mit starkem Regen wie heute, ein nicht zu unterschätzender Vorteil.

Dichte Wolken über der Gerlitzen und Mittelkärnten
Dichte Wolken über der Gerlitzen und Mittelkärnten. Ausblick vom Alpinhotel Pacheiner.

Bei prognostizierter Schönwetterlage empfehle ich jedoch die etwas sportlich-aktive Anreise: Mit der Gerlitzen Kanzelbahn geht es zunächst von Annenheim bis zur Mittelstation auf ca. 1500 Meter Seehöhe und von hier aus auf markierten Wanderwegen zu Fuß weiter bergauf zur Neugarten Almseehütte, die drei Kilometer und nur 100 Höhenmeter entfernt liegt. Alternativ fährst du ab der Mittelstation mit dem Lift noch weiter bis zum Gipfel auf 1911 Meter. Hier startet die Wanderung logischerweise bergab, vorbei am Gasthof Pacheiner und dem Gipfelrundwanderweg folgend bis zur Neugarten Almseehütte. Hüttenwirt Hans Maier ist übrigens auch Waldpädagoge und Wanderführer und als solcher nimmt er seine Gäste auf Voranmeldung auch gerne mit zu den kältischen Kraftplätzen und Kraftquellen der Natur, bei denen Wasser das bestimmende Element ist. Eine detaillierte Tourenbeschreibung zum Rundwanderweg auf der Gerlitzen findest du hier.

Auf der Gerlitzen übernachten wir im Alpinhotel Pacheiner, gleich neben der Bergstation und somit in idealer Lage, um schon frühmorgens bei Sonnenaufgang loszuwandern und das Panorama zu genießen. Zumindest wäre das unser Plan gewesen. Nur leider bleibt uns die Umsetzung verwehrt, da ein dichtes Wolkenband den Gipfel komplett einhüllt. Das kündigte sich schon am Vorabend an und sorgte für ein beeindruckendes Naturschauspiel, mit mächtigen Wolkenformationen, zwischen denen kurzzeitig doch noch die Sonne hervor blitzte. Auch vom Infinity-Pool, einen Stock unter unserem Hotelzimmer-Balkon, ein großartiger Anblick! Neben dem beheizten Becken im Außenbereich verfügt das Alpinhotel Pacheiner außerdem über eine Sauna und ein Dampfbad, in der wir uns vor dem Abendessen nach einmal aufwärmen können.

Infinity-Pool Alpinhotel Pacheiner
Blick vom Balkon in Richtung Infinity-Pool und „Wolkenmeer“

Eine echte Besonderheit im Alpinhotel Pacheiner ist die eigens errichtete Hotelsternwarte am Dach, die zu den modernsten in ganz Österreich zählt. Das Herzstück ist ein Spiegelteleskop mit 42,5 Zentimeter Durchmesser, mit dem man die Planeten und Monde unseres Sonnensystems enorm detailreich sehen kann – angeblich. Denn die Wolken bedecken den Nachthimmel während unseres Aufenthalts leider komplett. Trotzdem werfen wir einen Blick in die Sternwarte, unter der fachkundigen Begleitung von Hans Koechl, einem „Astronom aus Leidenschaft“. Zuvor hält er einen faszinierenden Multimedia-Vortrag, bei dem er auf jede noch so knifflige Zwischenfrage eine Antwort weiß: Von „Was befindet sich zwischen zwei Galaxien und wie können wir sie überhaupt von einander trennen?“ zu „Wie entstehen Polarlichter?“ reichen unsere Themen. Und so werden aus den geplanten 30 Minuten schnell 3 Stunden, in denen jedoch keine Sekunde Langeweile aufkommt. Hans Koechl liebt Astronomie. Er weiß seine Begeisterung dafür gekonnt zu vermitteln, und das gleich mehrmals pro Woche im Rahmen von Führungen auch für alle interessierten Hotelgäste.

Das Alpinhotel Pacheiner mit der hoteleigenen Sternwarte am Dach
Das Alpinhotel Pacheiner mit der hoteleigenen Sternwarte am Dach

Wander- und Übernachtungstipps am Faaker See

Nicht nur auf der Gerlitzen über dem Ossiacher See locken im Herbst gemütliche Wanderungen Aktiv- und Genussreisende, sondern auch rund um den nahe gelegenen Faaker See. Mit seiner Insel und Halbinsel lohnt sich besonders der Blick von oben hinab auf den See. Vergleichsweise einfach geht das vom Aussichtspunkt Taborhöhe bei der gleichnamigen Taborhütte auf 725 Meter Seehöhe.

Faaker See Taborhöhe

Wir starten unsere 3,5 Kilometer kurze Rundwanderung beim Vitalhotel Sonnblick in Neuegg am Faaker See, wo wir den Schildern Richtung Tabor folgen. Anfangs geht es noch über eine asphaltierte Straße bergauf. Doch schon bald treffen wir auf eine Forstraße, der wir weiter in Richtung Spielwiese und an der Wegkreuzung rechts hinauf über einen Steig bis zum Parkplatz der Taborhöhe folge. Von hier sieht man auch schon einen Waldseilkletterpark, der von der Taborhütte aus betrieben wird. Oben an der Aussichtsterrasse angekommen hat man diesen herrlichen Blick auf den Faaker See und seine beiden (Halb-)Inseln. Mehr Infos und eine detaillierte Wegbeschreibung gibts im Kärntner Tourenportal.

Als Übernachtungstipp am Faaker See kann ich dir das sehr familiär geführte Naturel Hoteldorf Schönleitn empfehlen. Hier nächtigst du in einem der knapp zwei Dutzend traditionellen Bauernhäuser, die originalgetreu und mit teilweise 400 Jahre altem Holz neu aufgebaut wurden, eben zu einem Feriendorf für Familien.

Aber auch für einen Urlaub als Paar bietet das Naturel Hoteldorf Schönleitn viele Rückzugsmöglichkeiten, so dass auch Biker und -innen gerne in den Appartement-Bauernhäusern übernachten, während sie untertags rund um den Faaker See unterwegs sind. Speziell Anfang September zur European Bike Week, dem größten Harley-Davidson Treffen Europas.

Erdacht und erbaut wurde das Hoteldorf übrigens von Architekt Robert Rogner Ende der 70er Jahre, was für damalige Zeit eine mutige, touristische Besonderheit und nur mit einigen Hürden zu realisieren war. Die gesamte Anlage sollte das heimelige Flair des Landlebens verströmen und dabei märchenhaft und romantisch wirken. Die Bauernhäuser waren bzw. sind auch nachwievor mit Kachelöfen ausgestattet. Allerdings sind diese heute nur noch Deko, was unter anderem einem etwas „weltfremden“ Gast zu verdanken sein soll, der den Kachelofen in seinem Appartement-Bauernhaus mit einem Schuhschrank (!) verwechselte. Kein Wunder also, dass man die Ofentürl kurz darauf aus Sicherheitsgründen verschloss.

Ein anderer Ofen, der allerdings nachwievor noch in Betrieb ist, ist der Brotbackofen mitten am Dorfplatz. Hier bäckt Bäuerin Krista mit den Hotelgästen einmal die Woche Brot. Was mich wiederum ans Brot backen mit der Lanner-Oma im nahen Lesachtal erinnert.

Was es im Hoteldorf sonst noch gibt? Zum Beispiel einen Dorfladen, in dem die Bewohner regionale Spezialitäten nebst den typischen Alltagsdingen, die man gerne mal zu Hause vergisst, kaufen können, sowie natürlich den obligatorischen Dorfwirten (zwecks Frühstück und Halbpension, oder auch falls Selbstversorger mal à la Carte essen möchten). Oder „Bibi’s Kinderwelt“, einen Animationsbereich für Kinder und Jugendliche, ein „NaturalSpa“ für die Erwachsenen und einen kleinen Hochseilgarten für alle Abenteuerlustigen. Ganz nach dem Motto „Genau mein Naturel“ ist also für jeden etwas dabei!

Vielen Dank an Region Villach – Faaker See – Ossiacher See und die Agentur Feuer & Flamme für die Einladung zu dieser Bloggerreise. Meine Meinung bleibt wie immer meine eigene.

Florian Figl

Flo, 30, leidenschaftlicher Outdoor-Fan und Wahl-Steirer. Früher kamen für mich nur Städtereisen in Frage, doch mittlerweile ist das anders. Auf unserer Weltreise habe ich vielfältige Naturlandschaften entdeckt und liebe es seitdem, mich in neue Abenteuer abseits des Großstadtdschungels zu stürzen. In den Bergen fühle ich mich dabei genauso zu Hause wie auf dem Wasser, egal ob beim Klettern, Mountainbiken, Surfen oder Canyoning.

1 Kommentar

  1. Das sieht nach einem tollen Erlebnis aus! Und schöne Bilder 🙂 Da wächst meine Vorfreude auf den Aktivurlaub in Österreich nächsten Monat noch mehr 🙂 LG

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