Warum ich ausgerechnet Madagassisch lerne

„Warum machst du das?“ Das war wohl die erste Reaktion von vielen aus meinem Umfeld. Oder: „Diese Sprache kannst du ja überhaupt nicht brauchen!“ Ja, gute Frage eigentlich: Warum lerne ich ausgerechnet Madagassisch?

Cori beim Madagassisch lernen

Abgesehen davon, dass es einige verwandte austronesische Sprachen im südostasiatischen Raum gibt, spricht man Madagassisch, oder Malagasy, eben nur auf Madagaskar. Und selbst innerhalb Madagaskars gibt es starke Dialekte, sodass einige Madagassen aus dem Norden meinen „wir verstehen die Leute aus dem Süden überhaupt nicht“. Und umgekehrt natürlich. Wenn ich daran denke, dass wir im gut vernetzten, winzig kleinen Österreich teils unsere Dialekte kaum verstehen, dann ist das in einem Land, welches die viertgrößte Insel der Welt und somit auch größer als Frankreich ist, kein Wunder.

Apropos Frankreich …

Ein guter Grund für Madagaskar: Lemuren! photo credit: Aleksander Naug via unsplash

Warum nicht lieber Französisch lernen?

Französisch ist ebenfalls Amtssprache in Madagaskar und „dank“ der Kolonialherren die ehemalige einzige Unterrichtssprache, die im ganzen Land gesprochen wird, jedoch mehr in höheren Bildungsschichten.

Ich gebe es zu, ich habe es mit Französisch versucht. Mehr oder weniger ernsthaft. OK, um ehrlich zu sein, ich konnte mich nicht einmal bei den Zahlen motivieren, sie zu lernen. Es war einfach schrecklich ermüdend, wahnsinnig anstrengend und bei mir klang es mehr so als würde ich einzelne Wörter erbrechen. „Un, deux, trois – Ööö, dööö, troaaargh“, oder so ähnlich kannst du dir das vorstellen. Von wegen Sprache der Liebe und Erotik.

photo credit: Ange Colonna via unsplash

Außerdem wollte ich keine romanische Sprache neben Spanisch mehr lernen, sondern eine für mich ganz neue. Wenn man ein Land besucht und die Landessprache kann, selbst wenn es nur ein paar Brocken sind, erhält man so viele positive Reaktionen. So ging es uns in Kenia und Tansania, die Begeisterung über ein paar einzelne Worte Swahili war unglaublich.

Und der wichtigste aller Gründe: Madagaskar ist meine ultimative Nummer 1 auf der Reisewunschliste. Dieses Jahr geht der Traum endlich in Erfüllung und ich werde im Sommer etwa einen Monat lang durch das Land reisen, mit einem kurzen Zwischenstopp auf den Seychellen.

Ein ebenfalls nicht zu verachtender Grund: da ich mich ja nicht für Französisch begeistern konnte und Madagaskar nicht zu den touristisch erschlossensten Gebieten gehört (selbst der Kleinstaat San Marino hatte laut meiner Quelle etwa 10x soviele Besucher im Jahr), wird Englisch kaum gesprochen. Deshalb kann es gerade auf den Strecken, die ich alleine bereisen werde, sehr hilfreich sein.

Madagassische Grammatik: Ein paar Fun Facts

Wie erwähnt, ist Madagassisch eine austronesische Sprache und hat bis auf ein paar Wortentlehnungen aus dem Französischen keine Ähnlichkeit mit romanischen Sprachen. Es ist eine Verb-Objekt-Subjekt Sprache, das heißt die Satzstellung ist im Vergleich zum Deutschen ganz anders. „Ich besitze ein Haus“ würde auf Madagassisch also wortwörtlich übersetzt „besitzen-Haus-ich“ heißen. Das ist zwar gewöhnungsbedürftig, aber noch nicht wirklich schwer.

Was ich als Anfänger sehr an Madagassisch mag, ist, dass die Sprache sehr logisch ist, viel logischer als Deutsch zum Beispiel. So gibt es mit „ny“ nur einen einzigen Artikel und der Plural verändert Hauptwörter nicht, sondern wird durch das Folgewort gekennzeichnet, etwa mit „daholo“ (=alle). Viele Hauptwörter lassen sich ganz einfach aneinanderreihen, wie etwa „rano“ (Wasser) und „maso“ (Auge) zu „ranomaso“ (Träne). Ein Fenster wird zur „kleinen Tür“ (varavarankely), eine Henne wird zum „weiblichen Huhn“ (akoho vavy), ein Hahn zum „männlichen Huhn“ (akoho lahy) und ein Küken – richtig – wird zum „kleinen Huhn“ (akoho kely). Ich liebe diese Kombinationen! Oft muss ich richtig dabei schmunzeln 🙂

Hach, und die Zeiten! Ich liebe sie auch, alle drei! Fast alle madagassischen Verben beginnen mit einem „m“. Zählt man danach noch die Adjektive, die auch meistens mit einem „m“ beginnen hinzu, plus einige Nomen, dann besteht etwa ein Drittel madagassischer Wörterbucher aus Wörtern, die mit „m“ beginnen. Das macht das Suchen nicht einfacher. Will man ein Verb dann in die Zukunft setzen, ersetzt man das „m“ einfach durch ein „h“, bei der Vergangenheit durch ein „n“.

Wenn ich so darüber nachdenke, bin ich ganz froh, Deutsch nicht als Fremdsprache lernen zu müssen …

Madagassisch lernen über Sprachaustausch

Eine Sprache lernt man am schnellsten, wenn man sie aktiv verwendet, ganz eindeutig. Deshalb ist es immer gut, Sprachpartner zu haben. Und um die bei einer Sprache wie Madagassisch zu finden, ist ein bisschen Kreativität von Vorteil.

Man glaubt es kaum, aber es gibt wirklich viele Madagassen, die Deutsch lernen wollen. Auf sprachenlernen24.de habe ich Sprachpartner gefunden, mit denen ich mich austauschen kann. Leider kann man andere nur als Gold-Member anschreiben, aber manchmal verwenden sie auf Facebook den gleichen Profilnamen 😉

Eine weitere Sprachpartnerin habe ich gefunden, indem ich auf Facebook den Betreiber einer Madagaskar Seite (Malagasy ve ianao) nach Kontakten gefragt habe.

Und sonst? Mittlerweile bin ich der festen Überzeugung, dass wenn du etwas wirklich willst, das Schicksal dein Freund ist. Wie sonst lässt es sich erklären, dass mein Onkel, kurz bevor ich den Flug gebucht hatte, uns zufällig mit einer madagassischen Studentin bekannt machte, ohne von meinen Plänen zu wissen? Oder dass ich am Flughafen Wien im Bus zum Flieger nach Brüssel genau vor einer Madagassin stand, als Flo mich fragte, ob ich etwas auf Madagassisch sagen kann? Ich kann es selbst noch kaum glauben. Aber genau diese Zufälle werden mir den Aufenthalt noch unvergesslicher machen: In Antananarivo werden wir beispielsweise bei der Familie der madagassischen Studenten bleiben können. Ich bin mir sicher, das wird viel spannender und besser als in jedem Hotel!

Bücher und Apps, um Madagassisch zu lernen

Ganz offensichtlich neige ich dazu, mir nicht die einfachsten Hobbies auszusuchen. Madagassisch zu lernen ist leicht im Vergleich dazu, brauchbare Unterlagen zu finden. Nachdem die Madagassen auch die Angewohnheit haben, Wörter zusammenzuziehen und ungefähr doppelt so viel zu schreiben wie auszusprechen, ist ein Sprachtrainer nicht nur von großem Nutzen sondern absolut essenziell. Vielleicht haben sie ja zumindest das von den Franzosen übernommen, wer weiß?

Aber wer nicht wagt, der nicht gewinnt und je größer das Ziel ist, das man sich gesetzt hat, umso größer ist die Freude, wenn man es schafft! So ging es mir unter anderem beim Studienabschluss, zu Beginn meiner bisherigen Langzeitreisen und immer wenn ich an einen Ort kam, den ich mir schon lange zuvor erträumt hatte. Meine Vorfreude auf Madagaskar ist etwa einen Monat vor der Abreise so groß, wie als Kind vor Weihnachten.

Wunderschöne Baobab Bäume in Madagaskar. photo credit: Arnaud Bouvard via unsplash

Mittlerweile lerne ich hauptsächlich mit dem Buch „Lehrbuch der madagassischen Sprache“, dem einzigen Sprachbuch mit Lektionen und Übungen auf Deutsch. Angefangen habe ich mit dem Kauderwelsch Mini-Sprachführer „Madagassisch Wort für Wort“ von Reise Know-How, der mich aufgrund der Handlichkeit sicher begleiten wird. Zum Kauderwelsch Sprachführer gibt es auch einen Aussprachetrainer, mit dem die Sätze wiederholt werden können, entweder online oder auf CD.

Für das Trainieren der Aussprache und Lernen von Vokabeln habe ich außerdem drei Android-Apps auf mein Smartphone geladen, nämlich „uTalk Malagasy“ (Englisch-Madagassisch), „Learn Malagasy“ (Englisch-Madagassisch) und „MitenyMalagasy“ (Deutsch-Madagassisch). Alle drei haben unterschiedliche Lernkategorien, wie etwa Essen, Zahlen oder Begriffe des Körpers.

Ich habe bisher kein vernünftiges Madagassisch Wörterbuch für Deutsch auftreiben können, allerdings gibt es welche für Englisch und auch Französisch. Die Buchausgaben, die ich auf Deutsch gefunden habe, sind leider recht teuer oder haben schlechte Kritiken. Will ich madagassische Sätze übersetzen lassen, dann verwende ich deshalb meist Google Translate. Oft kommt dabei nicht allzu viel Sinnvolles raus, aber eine Stütze ist es allemal. Damit ich auch offline auf ein Wörterbuch Zugriff habe, habe ich mir die App „Malagasy-English Dictionary“ ebenfalls runtergeladen.

Buchtipps zu Madagaskar

Hier findest du noch Links* zu den Büchern auf Amazon, die ich als Lernmaterial oder als Vorbereitung für Madagaskar verwende:

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So, ihr Lieben! Ich hoffe, ihr genießt den Sommer in vollen Zügen! Bald, BALD gibt es neue Nachrichten, Bilder und Beiträge von Madagaskar 🙂

Corinna Donnerer

Corinna Donnerer

Cori, 25, und hauptberuflich als Physiotherapeutin selbstständig. Schon während der Schulzeit und des Studiums habe ich viele Gelegenheiten zum Reisen genutzt und war so als Austauschschülerin und Aupairmädchen in Chile. Praktika habe ich in Deutschland und der Schweiz gemacht. Gemeinsam mit Flo ging es nach meiner Ausbildung auf Weltreise und seitdem hat mich das Reisefieber fest im Griff.
Corinna Donnerer

2 Kommentare zu “Warum ich ausgerechnet Madagassisch lerne

  1. Jasmin

    Was für ein gelungener Beitrag Cori! Ich finde es bewundernswert, dass du so eine interessante Sprache lernst und bin schon jetzt gespannt auf euren Bericht von eurer Madagaskar-Reise 🙂
    Schönen Sommer euch,
    Jasi

  2. Cori

    Danke liebe Jasi! Ich bin sicher, dass wir von der Reise viel zu berichten haben werden 🙂
    Dir auch einen wunderschönen Sommer!

    Cori

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