Glaubst du, dass es Zufall ist, wie viele spannende Tiere du bei einer Madagaskar-Reise entdecken und cool fotografieren kannst? Wir sagen definitiv NEIN! Mit ein bisschen Vorbereitung und Know-How kannst du dem Glück ordentlich auf die Sprünge helfen 😉 Hier verraten wir dir, was wir bei unserer 3,5-wöchigen Madagaskar-Reise gelernt haben.

Karin und Markus von Fotonomaden.com sind viel in der Welt unterwegs und geben u.a. in Workshops ihr Wissen zum Thema Naturfotografie weiter. Vor kurzem reisten die beiden so wie wir für mehrere Wochen durch Madagaskar und haben beeindruckende Bilder mitgebracht. In diesem Gastbeitrag erfährst du, worauf es bei der Natur- und Tierfotografie in Madagaskar ankommt.

Gute Planung ist der halbe Erfolg

Mach‘ deine Hausaufgaben!

  • Überleg‘ dir vorab, welche Tiere du sehen möchtest, denn davon hängen Reiseroute und Reisezeit ab.
  • Nimm‘ dir nur einen Teil der Insel vor und bleibe länger an einem Ort. So hast du bessere Chancen mehr Tiere zu sehen.
  • Je mehr du über das Verhalten der Tiere weißt, desto größer sind deine Chancen, sie zu finden: Sind sie tag- oder nachtaktiv? Wann bekommen sie Nachwuchs?
Madagaskar Blattschwanzgecko
Der Blattschwanzgecko ist ein Meister der Tarnung
  • Willst du super bunte Chamäleons sehen? Dann musst du in den Norden reisen. Nur dort findet man die spektakulärsten Exemplare, die zur Gattung der Pantherchamäleons gehören. Auch das kleinste Chamäleon der Welt – Brookesia micra – mit einer Körperlänge von 23-29 mm findet man nur im nördlichen Inselteil.
  • Die höchste Artenvielfalt findest du in den Regenwäldern an der Ostküste. Am Einfachsten zu erreichen sind davon die Nationalparks Ranomafana und Andasibe-Mantadia.
Kometfalter Madagaskar
Der Kometfalter ist der größte Nachtfalter Madagaskars

Trocken- oder Regenzeit?

  • In der Trockenzeit verkriechen sich die Tiere und man bekommt sie nur schwer zu Gesicht.
  • In der Regenzeit ist die Tierbeobachtung zwar am besten, aber die Mobilität kann aufgrund der schlechten Straßenverhältnisse sehr eingeschränkt sein. Zu dieser Zeit sind natürlich auch mehr Moskitos unterwegs und das Infektionsrisiko für Malaria & Co. ist höher.
  • Am besten eignen sich als Reisezeit für Tierbeobachtung daher Beginn und Ende der Regenzeit.

Übrigens: Wenn du die drolligen Kattas mit ihren schwarz-weißen Ringelschwänzen mit Nachwuchs sehen willst, dann ist November/Dezember eine gute Reisezeit, denn die Jungen kommen im Oktober zur Welt.

Katta Lemuren in Madagaskar

Wir waren auf Anraten unseres Führers deshalb im November in Madagaskar. Leider hat die Regenzeit bis zum Ende unserer Reise (20.11.) nicht wie erwartet eingesetzt. Umso wichtiger ist dann ein guter Guide damit man trotzdem Tiere findet! Laut unserem Fahrer verspätet sich die Regenzeit mit jedem Jahr etwas mehr. Vielleicht ist die ideale Zeit für den Süden daher mittlerweile eher Anfang Dezember.

Wie du möglichst viele Tiere entdeckst

Such‘ dir den besten Guide!

In Nationalparks, aber auch bei vielen anderen Parks musst du den Dienst eines Führers in Anspruch nehmen. So hast du aber auch die besten Chancen, viele Tiere zu sehen.

  • Sei gleich beim Öffnen des Parks vor Ort, so hast du die größte Auswahl an Guides.
    Falls du kein Französisch sprichst, stelle sicher, dass dein Guide gut Englisch spricht, davon gibt es nicht so viele!
  • Frage andere Touristen oder deinen persönlichen Fahrer/Guide nach Empfehlungen.
    Sage deinem Führer genau, was dich interessiert. Wir haben uns neben Lemuren auf Reptilien fokussiert.
  • Im Ranomafana Nationalpark bekommt man zum Preis vom Guide noch einen Animal Spotter dazu, der vorausgeht. Das funktioniert super und man sieht mehr!
Naturfotografie mit Guide in Madagaskar
Karin mit unseren Guides in Ranomafana

4 Augen sehen mehr als 2!

  • Verlass‘ dich nicht darauf, dass der Guide alles sieht, sondern schau‘ dich auch selbst um. Bleib immer wieder kurz stehen und suche dann einen kleinen Bereich nach Bewegung ab.
  • Bananenstauden sind immer einen Blick wert, besonders wenn es feucht ist.
Gecko in Madagaskar
In Baumritzen reinschauen lohnt sich
  • Die Augen vieler nachtaktiver (Raub-)Tiere reflektieren, wenn deine Taschenlampe drauf scheint.
  • Auf Eukalyptusbäumen findet man keine Tiere. Diese Bäume wurden aus Australien eingeführt und bieten madagassischen Tieren keinen Lebensraum. In Mantadia und Mitsinjo sind sie recht stark verbreitet, weshalb unser Guide vom Besuch abgeraten hat. Wir waren stattdessen im Nationalpark Andasibe und im benachbarten Reservat V.O.I.M.M.A. unterwegs.
  • Dann findet man Frösche, Geckos oder auch andere Echsen zwischen den Stielen.
  • Schau‘ auch die Unterseite von Blättern an, dort schlafen Frösche manchmal untertags.
  • Frösche mögen es gerne feucht und sitzen oft im Laub. Wir haben unserem Guide beim Suchen geholfen und einen Laubfrosch gefunden (einfach die Blätter bewegen, z.B. mit einem Stock).
Frosch in Madagaskar
Wo es feucht sind, sind auch Frösche

Auf das richtige Timing kommt es an!

  • Optimal für Tierbeobachtung und -Fotografie sind der frühe Morgen und der späte Nachmittag. Leider sind die Nationalparks meist nur von 8 bis 16 oder 17 Uhr geöffnet. Also gleich um 8 Uhr reingehen und bis 10-11 Uhr bleiben.
  • In der heißen Mittagszeit, in der auch die Tiere Siesta halten, auch Pause machen.
  • Lege eine 2. Parkrunde gegen 15 Uhr ein. Der Eintritt in den Park gilt den ganzen Tag, den Guide muss man am Nachmittag nochmal zahlen.
Bambuslemur in Madagaskar
Ein Bambuslemur im V.O.I.M.M.A Reservat
  • Nachtaktive Tiere kannst du suchen, sobald es dunkel ist. Das funktioniert auch außerhalb des Nationalparks. Beim Ranomafana Nationalpark kann man z.B. gut am Straßenrand an der Parkgrenze entlang gehen. Da haben wir viele Chamäleons und sogar eine Baum-Boa gesehen! Mit einem Guide siehst du mehr!
  • Über Nightwalk Möglichkeiten bei Andasibe hat Cori schon im Beitrag „Auf Kuschelkurs mit Madagaskars Lemuren“ berichtet.

Tipps für spannende Tierfotos

Bild-Aufbau Do’s & Don’ts

  • Gehe – wann immer möglich – auf Augenhöhe mit den Tieren.
  • Die Augen des Tieres sollten immer scharf sein. Setze dafür den Fokuspunkt auf’s Auge.
  • Ein Lichtpunkt im Auge des Tieres ist das Tüpfelchen auf dem i. Das wirkt lebendig! Wenn es dich dabei anschaut, ist es noch besser!
  • Wenn das Tier zur Seite schaut, lass Freiraum in die Blickrichtung! Das Hirn denkt sich die imaginäre Blicklinie weiter.
Heuschrecke in Madagaskar
Eine farbenfrohe Begegnung im Isalo Nationalpark
  • Pass auf, dass du beim Fotografieren nicht ein kleines Stückchen Pfote oder einen Teil vom Schwanz abschneidest. Wenn du Körperteile anschneidest, dann bewusst und ein größeres Stück.
  • Achte auf den Hintergrund, damit deinem Motiv nicht unabsichtlich was aus dem Kopf wächst, z.B. ein Zweig.
  • Nimm Schatten und Spiegelungen zur Gänze auf’s Bild.
Reiher in Madagaskar
Die Spiegelung hebt den Reiher besser hervor
  • Platziere dein Motiv nicht mittig, sondern im linken oder rechten Drittel.
  • Action-Fotos oder Bilder, die Emotionen vermitteln, sind immer interessanter als statische. Eine Mama mit Jungtier vermittelt Geborgenheit, ein Lemur beim Fressen sagt dem Betrachter etwas über die Ernährung des Tieres.

Technik-Tricks

  • Im Regenwald ist es auch untertags dunkel. Nimm‘ eine Stirnlampe oder Taschenlampe mit, die man auch dimmen kann oder gönne dir eine LED-Videoleuchte. Wir hatten unsere LED-Videoleuchte ständig im Einsatz, um Nahaufnahmen von Raupen, Geckos oder Chamäleons zu beleuchten. Das hat auch super bei der Nachtfotografie funktioniert. Da das LED-Licht keinen harten gerichteten Strahl hat, haben sich die Tiere nicht gestört gefühlt.
Gottesanbeterin in Madagaskar
Die LED-Videoleuchte im Nachteinsatz bei einer Gottesanbeterin
  • Du hast eine Serienbildfunktion auf deiner Kamera? Dann nutze sie immer für Motive in Bewegung. So hast du wesentlich höhere Chancen ein tolles Bild zu machen.
  • Positioniere dich – wenn möglich – so, dass du einen ruhigen, gleichmäßigen Hintergrund hast, der nicht vom Tier ablenkt. Wenn du manuell fotografierst, wähle eine offene Blende (z.B. f/4). Damit wird der Hintergrund unscharf und der Blickpunkt des Betrachters liegt automatisch auf deinem Hauptmotiv. Mit Automatik kannst du das Makro-Bildprogramm dafür ausprobieren (Symbol ist meist eine Blume). Das mit der Unschärfe funktioniert nur, wenn du selbst nah am Motiv dran bist und Abstand zum Hintergrund ist.
Echse in Madagaskar
Der ruhige, unscharfe Hintergrund hebt die Echse hervor.
  • Versuche die Lemuren zu erwischen, wenn sie nah beim Boden sind. Fotografiere dann möglichst geradeaus, statt nach oben. So kannst du das grelle Gegenlicht vermeiden.
  • Die Lemuren sitzen oft hoch in den Bäumen und du mußt die Kamera lange hochhalten. Um deine Fotos nicht zu verwackeln, versuche deinen Körper zu stabilisieren. Lehne dich an einen Baumstamm. Noch stabiler bist du, wenn du die Ellbogen mit leichtem Druck seitlich an den Körper andrückst.
Vögel fotografieren in Madagaskar
Markus stabilisiert sich zum Vögel fotografieren (besser noch ohne Rucksack!)

Hast du jetzt Lust bekommen, auch eine Tierfoto-Safari in Madagaskar zu machen? In unserem Artikel zur Reiseplanung findest du viele Tipps von der Foto-Ausrüstung über Gesundheitsvorsorge bis zur Kleider-Packliste. Im nächsten Madagaskar-Blogpost verraten wir unsere Reiseroute mit den besten Foto-Location-Tipps.

Vielen Dank an Karin und Markus für die tollen Tipps und wunderschönen Aufnahmen aus unserem geliebten Madagaskar!

Florian Figl

Flo, 29, leidenschaftlicher Outdoor-Fan und Wahl-Steirer. Früher kamen für mich nur Städtereisen in Frage, doch mittlerweile ist das anders. Auf unserer Weltreise habe ich vielfältige Naturlandschaften entdeckt und liebe es seitdem, mich in neue Abenteuer abseits des Großstadtdschungels zu stürzen. In den Bergen fühle ich mich dabei genauso zu Hause wie auf dem Wasser, egal ob beim Klettern, Mountainbiken, Surfen oder Canyoning.

2 Kommentare

  1. toller Beitrag und super Tipps!
    Ich bin auf meiner Reise durch Brasilien auch immer wieder auf Tiere gestoßen, die ich versucht habe mit meiner Kamera richtig in Szene zu setzen. Leider hat das nicht immer so gut geklappt. Meistens hatte ich so große Erfurcht vor dem Tier, dass ich gar nicht erst die Kamera raus holen wollte. Aber ich denke als „Profi“ hat man die dann immer Griffbereit!
    Die Fotos hier sind auf jeden Fall wahnsinnig schön!
    So eine tolle Artenvielfalt bekommt man wohl so schnell in einem anderen Land nicht geboten!
    Alles Liebe,
    Mira

  2. Liebe Mira,
    freut uns riesig, dass dir unser Artikel und die Fotos so gut gefallen haben, herzlichen Dank! Brasilien klingt auch toll, das steht noch auf unserer Bucket-List 😉 Sag‘ uns gerne Bescheid, womit du bei der Umsetzung deiner Tierfotos Probleme hattest und wir schreiben dazu gerne einen Blogartikel mit Tipps.

    Bezüglich Artenvielfalt ist an Madagaskar schwer heranzukommen, allerdings kann auch Costa Rica mit einer sehr hohen Artenvielfalt auftrumpfen – wo wir übrigens letztes Jahr unterwegs waren und es auch sehr empfehlen können…

    Liebe Grüße,
    Karin von fotonomaden.com

Kommentar verfassen