Stockholm – von Gesäßtaschen und Apfelgärten

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Was es mit Gesäßtaschen und Apfelgärten in Stockholm auf sich hat? Darüber möchte ich dir in diesem Beitrag über eine Reise nach Schweden erzählen. Schon länger lag mir ein Kollege mit der Idee in den Ohren, gemeinsam nach Stockholm zu reisen. Da wir schließlich für Ende August ein günstiges Flugangebot in die schwedische Hauptstadt per Austrian Newsletter erhielten, buchten wir kurzerhand 2 Tickets.

Segelschiff vor der Insel Skeppsholmen

Segelschiff vor der Insel Skeppsholmen

Hinkommen

Austrian Airlines fliegt aktuell 3 Mal täglich von Wien-Schwechat nach Stockholm-Arlanda. Um das meiste aus unserem verlängerten Wochenende rauszuholen, entschieden wir uns für den ersten Flieger, Freitag früh um 6.45 Uhr. Die Flugdauer nach Arlanda beträgt knapp 2,5 Stunden, so dass wir kurz nach 9 Uhr ankamen und erstmal Tickets für den Flughafenbus von Flygbussarna (von uns liebevoll „Flügsbus“ genannt) kauften. Laut unseren Recherchen, die günstigste Möglichkeit um ins knapp 40 Kilometer entfernte Stadtzentrum bzw. T-Centralen / Stockholm C Hauptbahnhof zu kommen. Die Einzelfahrt für einen „Erwachsenen“ (ab 26 Jahren) kostet 99 SEK, umgerechnet 11 Euro, und dauert knapp 45 Minuten. Da ich mit meinen 25 Jahren noch als Jugendlicher zähle, konnte ich hier 20 Kronen sparen 😀

Unterkommen

Der Hotelbuchung ging eine knapp zweistündige Recherche auf Booking.com und airbnb samt langer Diskussionen mit meinem Reisepartner voraus. Ursprünglich schien der Plan klar: Wir hörten von einem kleinen Hostel (Den Röda Båten), das sich auf 2 Booten in der Riddarfjärden Bucht vorm südlichen Stadtteil Södermalm befindet. 5 m2 in einer Kabine mit Stockbett + Gemeinschaftsbad erschienen uns dann doch etwas zu beengend. Im Endeffekt hatten wir alle 165 auf Booking.com gelisteten Unterkünfte mindestens einmal durchgeklickt, um schließlich drei Nächte im 2-Stern Hotel Bakfickan im Stadtteil Vasastan zu buchen. Dieses ist modern eingerichtet und gehört zur Freys-Hotelkette, die gleich nebenan ein weiteres Boutique-Hotel „Lilla Rådmannen“ betreibt. Dort war auch der Frühstücksraum für die Hotelgäste des Bakfickan. Im Hotelzimmer angekommen, wartete auch schon „Alexander the Bear“ auf uns, ein kleiner Stoffteddybär, am Bett sitzend. „Backfickan“ ist Schwedisch und heißt auf Deutsch übersetzt soviel wie „Gesäßtasche“, wie uns drei Schweden erklärten, die wir wir am Weg nach Hornstull, dem westlichen Teil von Södermalm, trafen. Diese waren extra für eine Tattoo-Messe in der Stadt und kommen eigentlich aus dem Norden des Landes. Als sie uns fragten, weshalb wir denn in Stockholm herum laufen, war es für sie scheinbar nur schwer vorstellbar, was man als Tourist hier machen wollen würde. Wir waren jedenfalls gerade spät Abends (nach 22 Uhr) auf der Suche nach einem Restaurant, was sich als gar nicht so einfach herausstellen sollte.

Essen

Doch zurück zu Freitag Mittag. Nachdem wir unsere Sachen ins Hotelzimmer gebracht (und kurz mit Alexander gekuschelt und Fotos gemacht) haben, machten wir uns zu Fuß auf ins benachbarte Östermalm, wo wir im Restaurang Vurma Mittagessen gingen (Birger Jarlsgatan 36). Das Lokal wurde uns auf Foursquare empfohlen und kann ich definitiv weiterempfehlen. Köttbular sind eine typisch schwedische Hauptspeise und hierzulande wohl vor allem durch die IKEA Restaurants bekannt. Jedoch von der Qualität nicht zu vergleichen: Die schwedischen Fleischbällchen mit Preiselbeeren und Kartoffellpüree in würziger Oberssauce im Vurma waren die besten, die ich in Schweden gegessen hatte. Jene vom Imbissstand waren zwar vom Preis-Leistungs-Verhältnis auch OK, mehr aber auch nicht bzw. auf IKEA-Niveau. Saft, Salat und Kekse, soviel man wollte, gab es zur Hauptspeise übrigens vom Buffet kostenlos dazu. Auch der Kellner war besonders freundlich und unterhielt sich mit uns sogar auf Deutsch, als er hörte, dass wir aus Österreich kommen.

Köttbullar im Restaurant Vurma

Köttbullar im Restaurant Vurma

Wer auf der Suche nach einer süßen Nachspeise ist, dem empfehle ich Albert & Jack’s (Skeppsbron 24), ein kleines Bobo-Café in Gamla Stan, der (wortwörtlichen) Altstadt von Stockholm. Laut Google Maps gibt es auch noch zwei weitere Standorte in Norrmalm und Östermalm. Dort bestellt man zum Cappuccino am besten eine Kanelbulle, eine Art schwedische Zimtschnecke. Optisch hatte sie allerdings mehr Ähnlichkeit mit einem Franzbrötchen, einer Hamburger Variante davon. Uns gefiel es hier so gut, dass wir am nächsten Tag gleich nochmal hier rein schaun sollten, als wir vom plötzlich einsetzenden Starkregen überrascht wurden.

Cappuccino und Kanelbulle bei Albert & Jack's

Cappuccino und Kanelbulle bei Albert & Jack’s

Abends ist es wohl empfehlenswert, sich rechtzeitig um ein Lokal umzusehen bzw. für dieses auch zu reservieren. Wie wir erfahren haben, ist es in Schweden generell üblich, Tischreservierungen vorzunehmen. So kam es, dass wir um 22 Uhr an einem Freitag Abend quer durch Södermalm liefen, ohne ein brauchbares Lokal zu finden. Zumindest keines, indem noch mehr als nur „Bar Food“ serviert wurde. Da es am letzten Augustwochende auch abends schon recht stark abkühlte, war auch ein Imbissstand keine wirkliche Option. Am Weg Richtung Hornstull Strand trafen wir dann besagte Schweden, die uns bis zur überdachten Imbiss-Bude am „Strand“ (für uns Wiener: eine Mischung aus Donaukanal und Alte Donau) begleiteten. Bei Burger & Pommes stärkten wir uns für den Ausgehabend in den angrenzenden Lokalen.

Um die Erkenntnis des Vorabends schlauer, reservierten wir online für Samstag Abend im B.A.R. (Blasieholmens Akvarium o Restaurang, Blasieholmsgatan 4A), einem Fischrestaurant, in dem man sich sein Essen vorher im „Akvarium“ ansehen kann. Auch wenn ich nicht der größte Fisch-Fan bin: Der Salat mit geräuchertem Lachs ist auf jeden Fall empfehlenswert. Mir hätte allerdings auch eine kleine Portion gereicht, um satt zu werden.

Als perfekter Ort, um im Sommer einen ganzen Sonntag Nachmittag zu verbringen, stellte sich Rosendals Trädgård auf der Stockholmer Insel Djurgården heraus. Dort kamen wir uns zunächst vor wie in einem Märchen: Neben einem Rosengarten gibt es auch einen Apfelgarten. Zu früheren Zeiten standen hier über 400 Apfelbäume. Heute wird das Areal für den biologische Anbau genutzt. Es gibt auch ein kleines Gartencafé, wo wir uns Kaffee und Karottenkuchen kauften und uns damit in den Garten setzten – Platz war dort trotz des schönen Wetters genug, was wohl auch andere einheimische Lebewesen genossen, die mir vor die Linse flatterten …

Ausgehen

In den Freitag Abend starteten wir auf der Terrasse des Clubs und gleichnamigen Hotels Berns, mit Blick auf den Berzelii Park. Dort nippten wir zu elektronischer Musik an unserem ersten schwedischen Bier um wohlfeile 62 Kronen (ca. 7 Euro). Ein Seiterl wohlgemerkt – die Schweiz lässt grüßen! Später ging es in Hornstull zuerst in die Brooklyn Bar, der bereits das Brooklyn Beer ausgegangen war (Carlsberg war auch OK), bis wir schließlich bemerkten, dass es auch einen Durchgang zum benachbarten Debaser Club gibt, wo zuvor eine lange Schlange anstand. Dort feierten wir noch bis 2 Uhr nachts zu ebenfalls (guter) elektronischer Musik, gemeinsam mit zahlreichen Schweden und Schwedinnen, die definitiv wissen, wie man Party macht 😀

Brooklyn Bar am Hornstull Strand

Brooklyn Bar am Hornstull Strand

Tags darauf machten wir uns abermals auf den Weg in den Süden Stockholms. Unser Ziel: Das Slakthuset. Leider hatten wir übersehen, dass der Club an diesem Abend gar nicht geöffnet hatte und so standen wir vor verschlossenen Toren, mitten in einem Industriegebiet. Ums Eck trafen wir jedoch drei Schwedinnen beim Vorglühen, die uns empfahlen, in eine der vielen Bars Östermalms zu gehen. Zuversichtlich gestimmt taten wir das auch, konnten diesen Ratschlag im Nachhinein allerdings nicht mehr ganz nachvollziehen. Im Endeffekt fanden wir dort nämlich, bei eher bescheidener Auswahl, keine Location, die uns zusagte. Immerhin war unser Hotel in der Nähe, so dass wir von dort nicht mehr weit hatten, um nach einem weiteren Tag mit langen Fußmärschen (laut meinem Fitbit müssten es an die 25 Kilometer gewesen sein?!) erschöpft ins Bett zu fallen.

Shoppen

Stockholm bietet sich für ausgedehnte Shopping-Trips geradezu an: Dank der liberalen Ladenöffnungszeiten (ähnlich wie in Kopenhagen) haben einige Shops auch Sonntags offen. Besonders zu empfehlen sind die Shops rund um die Biblioteksgatan in Östermalm, wie Urban Outfitters oder WeSC, sowie die Götgatan in Södermalm, wo man ein schwedisches Label neben dem anderen findet.

Sehenswürdigkeiten

Auch kulturell hat Stockholm einiges zu bieten, wie ein kurzer Blick auf die Übersichtskarte von Skeppsholmen, der Museumsinsel, beweist. Dort befindet sich neben dem Architekturmuseum unter anderem auch das angegliederte Moderna Museet, das Museum für Moderne Kunst, dem ich am Samstag Nachmittag ebenfalls einen Besuch abstattete. Im August lief dort eine sehenswürdige Pop-Art Ausstellung, die sich stark auf plastische Kunst konzentrierte. Am gegenüberliegenden Ufer von Skeppsholmen befindet sich das Vasamuseet, auf der Insel Djurgården. Dort erfuhren wir in einer Führung alles über das einzige heute noch erhaltene Kriegsschiff aus dem 17. Jahrhundert, welches sich in einem Gebäude befindet, welches um das Schiff herum gebaut wurde. Nach 20 Minuten Jungfernfahrt sank die Vasa aufgrund von Konstruktionsfehlern innerhalb von weiteren 15 Minuten. Genausolange wie auch die kurzweilige Führung dauerte.

Warst du ebenfalls bereits in Stockholm? Ich bin gespannt auf deine Tipps. Teile sie doch mit uns in den Kommentaren!

Florian Figl

Florian Figl

Flo, 29, leidenschaftlicher Outdoor-Fan und Wahl-Steirer. Früher kamen für mich nur Städtereisen in Frage, doch mittlerweile ist das anders. Auf unserer Weltreise habe ich vielfältige Naturlandschaften entdeckt und liebe es seitdem, mich in neue Abenteuer abseits des Großstadtdschungels zu stürzen. In den Bergen fühle ich mich dabei genauso zu Hause wie auf dem Wasser, egal ob beim Klettern, Mountainbiken, Surfen oder Canyoning.
Florian Figl

4 Kommentare zu “Stockholm – von Gesäßtaschen und Apfelgärten

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  3. Tanja

    Ich war mal vor 10 Jahren in Stockholm, mitten im Winter. 🙂 Den Flügsbus haben wir damals auch genutzt. 😉 Wenn ich deinen Bericht so lese, dann hätte ich glatt Lust, noch mal wieder nach Stockholm zu reisen. Wir haben damals in einem Hostel in der Innenstadt gewohnt, Kaffee & Nudeln standen den Gästen immer gratis zur Verfügung. Daran erinner ich mich noch… 😉 Wir waren auch im Museum (ich bin der Meinung es war das Vasa-Museum). Auch vor 10 Jahren mußte man abends rechtzeitig los, um einen Platz zum Essen zu bekommen. Die Läden waren alle gut besucht. Danke für den schönen Bericht, der ein paar Erinnerungen weckt. 😉

    1. Flo

      Hallo Tanja,

      Stockholm im Sommer kann ich nur empfehlen! Ich muss auch unbedingt nochmal hin, auch wenn es mich diesen Sommer wohl noch ein Stück weiter nördlich ziehen wird: Island steht im wahrsten Sinne „ganz oben“ auf dem Plan 🙂

      Liebe Grüße aus Wien,
      Flo

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