Mitte Mai reisten wir zum ersten Mal in eine Region, mit der ich bis jetzt einen kleinen Jungen namens Niklaas, dann vielleicht noch Tim und Struppi und natürlich belgisches Bier und Schokolade verbunden habe. Doch was ist dran an den Flandern Klischees und vor allem: gelingt es uns, Brügge zu sehen … ohne wie Colin Farrell fast mehrmals – vor Langeweile und Auftragskillern – zu sterben?

Häuser am Marktplatz in Brügge

In diesem Beitrag nehmen wir dich mit auf eine Aktiv- und Genussreise durch Flandern, dem kulinarischen Eck und zugleich Radsportparadies Belgiens. Von Niklaas, Colin, Tim und Struppi haben wir dabei zwar nichts gesehen, dafür aber umso mehr von Judith, Marc, Dominique und Bruno.

So, jetzt aber genug Namen genannt – los geht es nach „Vlaanderen“!

Zu Gast am Bauernhof bei Judith und Marc

Wir beginnen unsere Flandern-Reise in Damme, etwa eineinhalb Autostunden westlich von Brüssel. Dort befindet sich, ein wenig außerhalb gelegen, der Bauernhof von Judith und Marc Nyssen. Schafe, Kühe und einen riesigen Berner Sennenhund gibt es hier. Letzterer hört auf den Namen Urs. Wie passend, denke ich mir, könnte er doch glatt ein Bär sein, so groß wie er ist.

Hofstede De Stamper nennt sich das schmucke Anwesen, samt Wirtschaftsgebäude, Gästehaus und Stall. Der Bauernhof aus dem 17. Jahrhundert ist bereits seit 100 Jahren im Besitz der Familie Nyssen, seit rund 20 Jahren führt es Marc auch als Bed & Breakfast. Während wir den Hof auskundschaften, bereitet uns Judith ein leichtes Mittagessen mit köstlicher Quiche und frischem Salat zu.

Adresse: Zuiddijk 12, 8340 Damme

Radtour nach Brügge

Am Nachmittag geht es mit Leihrädern ins nur 10 Kilometer entfernte Brügge. Der Weg dorthin ist ein Highlight für sich: Scheinbar endlos lange Alleen ziehen sich durch die flache Landschaft und säumen die überwiegend künstlich angelegten Kanäle. Gleich daneben der Radweg, der oftmals wie mit dem Lineal gezogen verläuft. Und ja, auch Windmühlen gibt es hier und nicht bloß im nur wenige Kilometer entfernten Holland.

Flandern Radtour am Weg nach Brügge
Mit dem Rad durch Flandern unterwegs nach Brügge

Windmühle in Damme

Das Wetter zeigt sich bei unserem Besuch von seiner wechselhaften Seite: Während wir bei strahlendem Sonnenschein losgefahren sind, kommen wir in Brügge in einen kurzen, aber heftigen Regen. Auch die nächsten Tage wechseln sich Sonne und Wolken immer wieder ab und machen die Regenjacke zum ständigen Begleiter im Rucksack.

The Chocolate Line

Erster Stopp in Brügges Altstadt ist das kleine Schokoladengeschäft von Dominique Persoone, der etwas außerhalb eine Schokoladenfabrik betreibt und seine ausgefallenen Kreationen wie Choco-Lipsticks und Bacon-Pralinen unter dem Namen „The Chocolate Line“ verkauft. Was Schokolade betrifft, bin ich sehr wählerisch. Hauptberuflich arbeite ich nämlich ebenfalls in einer Schokoladenmanufaktur und habe Dominique einige Kostproben aus Österreich mitgebracht, da er meinen Chef bereits persönlich kennt.

The Chocolate Line Brügge
Dominique Persoone

Dominique weiß sich jedenfalls gut zu verkaufen, ansonsten hätte er wohl nicht von den Rolling Stones eine Anfrage bekommen, für sie eine Schokolade zu kreieren. Seine Idee? Als Pendant zum Schnupftabak seines Großvaters hat er einen „Chocolate Shooter“ entwickelt, mit dem man sich eine Ingwer-Kakao-Pulvermischung durch die Nase reinziehen bzw. „-schießen“ kann. Verrückt!

Dominique Persoone mit Chocolate Shooter
Dominique Persoone mit seinem „Chocolate Shooter“
Pralinen mit Speck
Pralinen mit Speck

In der Auslage seines Geschäfts hängt ein Plakat, das Dominique in einem Bienenkostüm zeigt. „Ich bin nicht nur Chocolatier, sondern auch Bienenzüchter“, erklärt Dominique. „Auf dem Dach meiner Fabrik hab ich einen Flughafen für Bienen eingerichtet, samt Landebahnen, die in den jeweiligen Bienenstock führen.“

Was zunächst wie ein Scherz klingt, hat einen ernsten bzw. wissenschaftlichen Hintergrund: Der belgische Schokolademacher forscht nämlich an Honig als Zuckeralternative für die Schokoproduktion. Was simpel klingt, ist bei der Herstellung von Schokolade aber nicht so einfach, nicht zuletzt aufgrund des starken Eigengeschmacks von Honig.

Neben Schokolade und Bienen hat Dominique außerdem noch ein Faible für Fahrzeuge der Marke Land Rover, für die er als Markenbotschafter sogar kleine Pralinen im Spielzeugautoformat kreiert hat. An der Seitenwand seines „halben“ Land Rovers im Schokogeschäft hat er zudem seine bisherigen Kakaoreisen festgehalten.

Adresse: Simon Stevinplein 19, 8000 Brugge

Belgisches Bier & Sightseeing in Brügge

Nach der Radfahrt und Schokoverkostung durstet es uns – und zwar nach Bier! Wie praktisch, dass Belgien und speziell Flandern nicht nur für seine vielen Chocolatiers, sondern auch für seine Vielfalt an ausgezeichneten Biersorten berühmt ist. Ja, sogar ein Biermuseum gibt es am zentralen Marktplatz in Brügge! Wir machen es uns auf der überdachten Terrasse des Huis Craenenburg gegenüber gemütlich bzw. flüchten uns vor dem erneut einsetzenden Regen und bestellen eine Runde. Ich entscheide mich für ein hellblondes „Brugse Zot“, einerseits weil es eine lokale Biersorte ist, andererseits weil ich bereits weiß, dass „zot“ auf niederländisch „verrückt“ heißt. Wenn das nicht vielversprechend klingt 😉 Cori bestellt sich übrigens ein Kirschbier, welches recht süß ist. Nicht zu vergleichen mit dem, was wir unter einem Radler verstehen.

Adresse: Markt 16, 8000 Brugge

Ebenfalls gegenüber, gleich neben dem Biermuseum, befindet sich der Provinciaal Hof, der ursprünglich als Gouverneursresidenz geplant war. Im Mittelalter reichte die Nordsee bis an den heutigen Marktplatz Brügges, der daher sogar mit dem Schiff erreichbar war. Anstelle des Provinzialpalasts befand sich hier früher ein Warenumschlags- und Stapelplatz („Waterhalle“) für feine Tücher.

Provinciaal Hof

Das berühmteste Bauwerk am Marktplatz ist aber sicherlich der 83 Meter hohe Belfort oder auch Belfried genannte Wachturm. Wenn du so wie einer der Hauptdarsteller im Film „Brügge sehen … und sterben“ die 366 Stufen bis zu seiner Spitze hinaufsteigen, solltest du ein wenig Kondition mitbringen. Und schwindelfrei sein, zwecks der Wendeltreppe, die nach oben hin immer schmäler wird. Angeblich bzw. laut Fotos hat man von oben einen tollen Blick über Brügge, den wir aus Zeitgründen leider nicht selbst genießen können. Der Belfort steht übrigens, wie die gesamte Innenstadt Brügges, unter dem Schutz des UNESCO-Weltkulturerbes.

Belfried Brügge

Wenn du nicht ohnehin mit dem Fahrrad mobil bist, kannst du danach in eine der Kutschen am Marktplatz steigen und zum Beginenhof fahren, dem Ruhepol im mittelalterlichen Brügge und Wohnort einer Frauenkommune. Heute wird er von Schwestern des Benediktinerordens bewohnt. Er steht Besuchern aber ebenso offen und ist vor allem durch den schönen Innenhof interessant.

Adresse: Begijnhof 30, 8000 Brugge

Auf der Weiterfahrt entlang der Kanäle und in den schmalen Kopfsteinpflaster-Gassen der Altstadt kommen wir an der Privatbrauerei De Halve Maan vorbei, in der auch das Brugse Zot gebraut wird. Sie ist die einzige verbliebene Stadtbrauerei Brügge.

Brauerei De Halve Maan

Obwohl hier schon seit Jahrhunderten Bier gebraut wird, macht es die Lage im mittelalterliche Stadtkern in Kombination mit dem UNESCO-Welterbeschutz schwierig, noch weiter zu expandieren. Eine weitere Abfüllfabrik wurde daher in einem Industriegebiet außerhalb der Stadt gebaut. Damit nicht jeden Tag mehrere LKWs durch die verwinkelten und engen Gassen fahren müssen, konnte nun nach langjähriger Planung und einer Crowdfunding-Kampagne eine drei Kilometer lange Bierpipeline realisiert werden. „Anzapfen ist aber zwecklos“, wie uns Susanne von Visit Flanders, die uns auf dieser Bloggerreise begleitet, mit einem Augenzwinkern versichert. Dafür werden in der Brauerei auch Führungen und Verkostungen angeboten.

Adresse: Walplein 26, 8000 Brugge

Abendessen im Bistro Bruut

„Wusstet ihr, dass Flanderns Restaurants die höchste Anzahl an Michelin-Sterne haben, gerechnet auf die Einwohnerzahl?“, beeindruckt uns Susanne, während sie Küchenchef Bruno Timperman schon von weitem zuwinkt. Sein Bistro Bruut kommt zwar ganz gut ohne Michelin-Stern aus, zwei Gault-Millau-Hauben führt es aber dennoch. Mittlerweile sind wir von einem weiteren Platzregen auf gut österreichisch „waschelnass“. Eigentlich kein Zustand, in dem man in ein Haubenlokal gehen möchte. Doch im Bistro Bruut sind diese Gedanken fehl am Platz, da Bruno ohnehin kein rein „gehobenes Klientel“ ansprechen möchte. Noch sind wir am frühen Abend seine ersten Gäste, die an einem urigen Holztisch mit gemütlichen Ledersesseln Platz nehmen. Es wird jedoch schnell voll, so dass man unbedingt reservieren sollte.

Bistro Bruut

Was einem erwartet? Zunächst einmal Understatement bei der Beschreibung der Speisen auf dem Menü-Zettel: Spargel mit Ei, Molke und Petersilöl, Kabeljau mit Karfiol und Basilikum oder Ente mit Cumberlandsauce, um nur einige Gänge zu nennen. À la carte gibt es nicht. Zur Auswahl steht eine 4-, 5-, oder 6-Gänge-Variante (ab 59 Euro).

Wir entscheiden uns für das 6-Gänge-Menü (um 79 Euro) und bestellen erstmal Bier. Das besondere am Vedett „Extra Rebel“ sind die individuellen Etiketten, jedes sieht anders aus. Abgebildet sind Instagram-Fotos, die mit #vedettextra getaggt wurden.

Die ersten Gänge werden serviert und wir kommen aus dem Staunen nicht mehr heraus: Das Auge ist schließlich mit und genauso experimentell, wie die Speisen angerichtet wurden, schmecken sie auch. Ein überraschendes Geschmackserlebnis, das weit über das erwartete hinausgeht.

Als Verdauungsschnaps stellt uns Bruno eine Flasche seines eigenen Bruut Gins auf den Tisch, der mit einer speziellen Brügger Kräutermischung abgestimmt wird. Ebenfalls sehr zu empfehlen!

Adresse: Meestraat 9, 8000 Brügge

Nach insgesamt einigen Gläsern Alkohol geht es für uns selbstverständlich nicht mehr mit dem Fahrrad zurück nach Damme, sondern mit dem Taxi. Fast Schade, dass es uns überpünktlich abholt. Denn so sehen wir nur noch einen kleinen Teil des nächtlichen, beleuchteten Brügge. Allein das ist es schon Wert, noch einmal nach Brügge zu kommen.

Nachtaufnahme Brügge
Brügge bei Nacht

Food Truck Festival in Ostende

Eigentlich war diese Reise so geplant, dass wir Brügge rund um ein Food Truck Festival entdecken können. Seltsamerweise wurde der Termin des Festivals nach Buchung der Reise verschoben, so dass wir alternativ zu einem weiteren Tour-Stopp ins nahe Ostende reisen können. Die Hafenstadt an der belgischen Nordseeküste ist von Damme und Brügge aus gut mit dem Fahrrad zu erreichen. Aufgrund der erneut aufziehenden Wolken sind wir aber dankbar, dass Susanne ein weiteres Taxi organisiert.

Ostende Hafen

In Ostende schlendern wir zunächst den Hafen entlang in Richtung Strand und sehen schon von weitem einige überdimensionale Metallwürfel, die die Stadt 2012 hier aufstellen ließ. Die Kunstinstallation nennt sich Rock Strangers und stammt von Arne Quinze, der damit einige Fragen aufwerfen wollte.

Rock Strangers Kunstinstallation

Eine Frage die uns vor allem beschäftigt: Wie abgehärtet muss man sein, um bei den doch frischen Temperaturen in Badekleidung am Strand und im Meer zu spielen? Für Kinder ist jedoch das der größte Spaß, wie es scheint.

Ostende Strand

Beim Barrio Cantina Food Truck Festival im Leopoldpark ist zur Mittagszeit noch erstaunlich wenig los. Wir wollen unbedingt die berühmten flämischen Pommes Frites essen, leider sind die aber noch nicht fertig. Stattdessen besorge ich Cori und mir Bitterballen, also runde, gefüllte Kroketten, die ich bereits aus meinen Besuchen in Amsterdam kenne.

Bitterballen

Auch sehr zu empfehlen sind vegetarische Pappadom von einem indischen Food Truck: Frittierte Reischips mit Mango, Tamarinde, Koriander, Granatapfelkernen und einem Minz-Joghurt-Dip. Als Nachspeise hole ich mir eine belgische Waffel am Stiel, die ich mit Schokolade überziehen und verschiedenen Topping-Sorten bestreuseln lasse.

Die einzelnen Food Trucks sind zum Teil sehr kreativ gestaltet, auch wenn wir uns leider nicht überall durchprobieren können – dazu ist die Auswahl dann doch zu groß:

Food Truck Festival Ostende

Du möchtest Flandern ebenfalls auf einer individuellen Aktiv- und Genussreise erleben? Dann habe ich hier noch einige Tipps für dich:

Tipps für deinen Aufenthalt in Flandern

So einfach kommst du nach und in Flandern herum:

  • Hi Belgium Pass: Dank einer speziellen Aktion von Brussels Airlines kannst du aktuell und noch bis Jahresende für nur 149 Euro für ein verlängertes Wochenende nach Belgien fliegen, inklusive Zugtickets und Gutscheine für diverse Freizeitaktivitäten.
  • Fahrradverleih: In Brügge hast du eine große Auswahl an Fahrradverleihern. Möchtest du auch nach Antwerpen weiterreisen, so kannst du dort ganz einfach eine der vielen City bike Stationen nutzen.
  • Übernachtung: Wenn du es gerne ruhig & idyllisch hast, können wir das Bed & Breakfast am Bauernhof von Judith und Marc nur empfehlen. Wir hatte nicht nur ein köstliches Mittagessen und Frühstück, sondern auch eine sehr angenehme Nacht!
  • Food Truck Festival: Die nächsten Stationen des Barrio Cantina Food Truck Festivals sind in Gent (noch bis 28. Mai), Antwerpen (3. bis 5. Juni) und Brügge (9. bis 11. Juni)

Noch mehr Tipps speziell für Brügge findest du u.a. im Blog von Fee ist mein Name.

Begleitet wurden wir auf dieser Bloggerreise von Amina von Stellamina, Beate von Travel24.blog, Carmen von Chamy Travels und Susanne von Visit Flanders, die uns zu dieser Reise eingeladen hat. Vielen Dank auch dafür! Meine Meinung bleibt jedoch wie immer meine eigene.

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Florian Figl

Flo, 29, leidenschaftlicher Outdoor-Fan und Wahl-Steirer. Früher kamen für mich nur Städtereisen in Frage, doch mittlerweile ist das anders. Auf unserer Weltreise habe ich vielfältige Naturlandschaften entdeckt und liebe es seitdem, mich in neue Abenteuer abseits des Großstadtdschungels zu stürzen. In den Bergen fühle ich mich dabei genauso zu Hause wie auf dem Wasser, egal ob beim Klettern, Mountainbiken, Surfen oder Canyoning.

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