… oder wie mache ich eine Reise schon vor der Reise zur besten Reise?

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Montag Morgen, der Wecker klingelt. Eigentlich viel zu früh, wie immer. Doch heute ist es anders, denn ich bin schon längst wach. Meine Gedanken rasen. Wer den ersten Termin um zehn Uhr vormittags hat und nur etwa zwanzig Minuten zur Arbeitsstelle fährt, der braucht sich um halb sechs normalerweise noch nicht mal zu überlegen, in welcher Reihenfolge er seine Gliedmaßen unter besonders niedrigem Energieverbrauch aus dem Bett wuchtet und dann ins Badezimmer trottet.

Was genau hat mich also heute um diese Uhrzeit aus dem Bett getrieben? Immerhin bin ich richtig aufgeregt, geradezu nervös. Nur noch vier Tage. VIER Tage! Dann steige ich in ein Flugzeug, das mich in eine komplett andere Welt bringen wird. Das Abenteuer Madagaskar ruft und ich werde dem Ruf für fast ein ganzes Monat folgen. Ich fühle mich wie ein Kind vor Weihnachten. Und ja, ich liebe dieses Gefühl!

Warum ich so aufgeregt bin? Wo es doch weder meine am längsten dauernde Reise, noch das am weitesten entfernte Land und schon gar nicht das „gefährlichste“ ist? Aber: Es ist mein Traumreiseziel, das die persönliche Wunschliste schon lange anführt. Um ehrlich zu sein, das alleine ist nicht der Grund, warum mein Puls um sechs Uhr morgens ähnlich schnell geht wie nach dem Training gestern Abend.

Ich will es dir so erklären: Stell dir vor, du wünscht dir etwas. Ein bisschen nur, der Wunsch ist irgendwo da draußen im Ozean der Möglichkeiten und taucht wie die Fontäne eines Wals auf, um sich bemerkbar zu machen. Zuerst schenkst du der ganzen Aufführung wenig Aufmerksamkeit, aber langsam willst du doch wissen, was sich unter der Oberfläche verbirgt und du beginnst der Fontäne zu folgen. Denn du hast dir ein Ziel gesetzt. Du musst einfach wissen, was das ist.

Das ist doch immer das Wichtigste, etwas zu haben, dessen „Verfolgung“ sich lohnt. Und seien wir uns ehrlich: Je schwieriger das Ziel zu erreichen ist, desto schöner die Freude wenn man es endlich geschafft hat. Und desto größer die Vorfreude darauf. Eigentlich müsste ich fast sagen: Zum Glück war es mit Madagaskar bisher nicht einfach! Immerhin musste ich Flo erstmals überzeugen, gemeinsam dorthin zu reisen oder zumindest mich fahren zu lassen. Und er brachte jede Menge Zweifel an. Davon waren sicher einige berechtigt, wahrscheinlich sogar viele und möglicherweise fast alle. Danke Flo! Vielleicht hat mich das nur noch mehr davon überzeugt, also überlege es dir das nächste Mal, wenn du mich von etwas abbringen willst 😉

Nun gut, unser Wal schwimmt nun vor mir auf das offene Meer hinaus. Aber nachdem ich mich nun entschieden habe, ihn zu verfolgen, muss mein Boot nun einfach einen Gang zulegen. Aber langsam ändert sich etwas, ich kann den Schatten unter mir besser erkennen. Das liegt nicht zuletzt daran, dass ich mich jetzt besser auf ihn konzentriere und etwas mehr Ahnung von Walen habe. Nehmen wir dafür einfach an, das zufällig an Bord vorhandene Wallexikon war eine große Stütze.

Das Wallexikon, also übersetzt meine Madagaskar-Reiseführer und Internetrecherche, geben mir einen etwas genaueren Eindruck, was auf mich zukommen könnte. Ich weiß zumindest aus Erzählungen, wie die fremde Kultur ist, was für Bräuche es gibt und dass die Lemuren sicher nicht „I like to move it“ singen werden. Wahrscheinlich also schwimmt unter mir ein Buckelwal, ein ziemlich großer sogar. Und der singt tatsächlich. Er kommuniziert, wie mir der Bootsführer erzählt, als er mir die Walgesänge mit einem Unterwassermikrofon hörbar macht. Was für ein gut ausgestattetes Whale-Watching-Boot!

Bevor es nun zu krass wird, lassen wir den Wal mal kurz Wal sein. Denn Madagassisch zu lernen hat herzlich wenig mir „Walisch“ zu tun. Ganz zu schweigen von der madagassischen Kultur. Doch wer hart an seinem Ziel arbeitet, wird am Ende sehr wahrscheinlich eine größere Belohnung erfahren. Wissen kann man das leider, oder vielleicht doch zum Glück, nie. Vielleicht ist es gar nicht so toll, vielleicht aber sogar noch viel besser, als man es sich vorgestellt hat.

Madagassisch zu lernen ist mir anfangs sehr leicht gefallen, mittlerweile doch ganz schön schwer. Aber ich bin mir sicher, dass sich die Mühe lohnen wird. Genauso wie das Schmökern durch die Reise- und Kulturführer. Um ehrlich zu sein, es hat sich jetzt schon gelohnt. Vielleicht kennst du das, wenn du wirklich etwas willst, dann ist plötzlich deine Wahrnehmung exakt auf dieses Ziel ausgerichtet und Dinge passieren, die man zuvor nie für möglich gehalten hätte. Ich hatte das bisher vor allem mit den Themen Chile und Physiotherapie. In welchen Kontexten ich bisher überall Assoziationen zu Chile hatte oder tatsächliche Chilenen kennengelernt habe, glauben mir wahrscheinlich auch nur diejenigen, die live dabei waren. Und selbst in den kleinsten Kaffs in der Pampa entdecke ich jedes noch so kleine Schild, das auf eine Physiotherapie-Praxis hindeutet.

Und Madagaskar? Durch Zufall habe ich am Flug von Wien nach Brüssel eine Madagassin kennengelernt. Und durch Zufall hat mich mein Onkel, ohne von meinen Reiseplänen zu ahnen, mit einer madagassischen Studentin bekannt gemacht. Zufälle über Zufälle? Wer es glaubt 😉

Der Punkt ist: Habe kleine und große Träume, nahe und ferne Ziele. Nichts ist so schön wie ein Traum, der Wirklichkeit wird. Genieße jedoch auch die Vorfreude, die du dir auf dem Weg dahin erarbeitet hast. Erfreue dich an den kleinen aufgeregten Schmetterlingen im Bauch, die vielleicht auch den einen oder anderen Zweifel aufkommen lassen. Das gehört doch dazu. Und bitte, lass jeden Reisetraum besonders bleiben!

Übrigens: Vor Madagaskar kann man tatsächlich viele Buckelwale beobachten, zumindest von Juni bis Oktober 😉

Wie geht es dir vor deinen Reisen? Ich bin gespannt!

Corinna Donnerer

Cori, 26, und hauptberuflich als Physiotherapeutin selbstständig. Schon während der Schulzeit und des Studiums habe ich viele Gelegenheiten zum Reisen genutzt und war so als Austauschschülerin und Aupairmädchen in Chile. Praktika habe ich in Deutschland und der Schweiz gemacht. Gemeinsam mit Flo ging es nach meiner Ausbildung auf Weltreise und seitdem hat mich das Reisefieber fest im Griff.

4 Kommentare

  1. Hey Corinna,
    ich weiß genau, was du meinst. Ich habe auch solche Reiseziele, die schon lange auf meiner bucketlist sind und zu denen ich mich auf irgendeine Art und Weise besonders hingezogen fühle. Eines werde ich Anfang August in Angriff nehmen. Schon ewig wollte ich durch Slowenien reisen. Mich haben die Fotos von der Natur dort einfach in ihren Bann gezogen. Und jeden Tag werde ich jetzt aufgeregter, dass das lange Warten bald ein Ende hat! Ich wünsche euch ganz viel Spaß auf Madagaskar – wird bestimmt traumhaft schön!
    Liebe Grüße
    Ria

    • Hallo Ria!
      Manchmal macht es doch das Ganze nur schöner, je länger das Ziel auf der Reiseliste steht! Ich wünsche dir eine wunderschöne Slowenienreise, genieße die Natur 🙂
      Liebe Grüße
      Cori

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