Weltreise als Paar

Wir, das sind Cori, 22, und Flo, 26, momentan hauptberuflich Weltenbummler und Reiseblogger. Seit 15. Juli 2014 sind wir gemeinsam auf Weltreise. Und verbringen jeden Tag gemeinsam.

Montevideo, Uruguay

Montevideo, Uruguay

Wir beide reisen gerne und viel. Ob Europa oder über dem Ozean, in unseren Köpfen sind tausende Ziele, tausende Dinge, die wir gerne sehen möchten. Nach unserer 6-monatigen Weltreise werden wir über ¼ der Zeit, die wir zusammen sind, gemeinsam auf Reisen verbracht haben. Und uns hoffentlich noch nicht gegenseitig die Köpfe eingeschlagen haben. Dies ist keine Anleitung, wie du mit deinem Partner reisen sollst, es ist, wie wir unsere Reisen als Paar erlebt haben. Und warum wir beide unsere Köpfe noch dran haben.

Ich bin viel alleine gereist, habe insgesamt 1,5 Jahre in Chile bei Gastfamilien gelebt. Aber wenn ich so nachdenke – wann war ich wirklich alleine unterwegs? Beinahe immer wenn ich eine Reise unternommen habe, war ich mit Freunden, Bekannten oder Familienmitgliedern unterwegs. Der Unterschied zu jetzt ist, dass diese Reisen sehr kurz waren. Selbst, wenn ich mich mit meinen Reisepartnern überworfen hätte, wäre ich sie spätestens nach einer Woche wieder losgewesen.

Salar de Uyuni, Bolivien

Salar de Uyuni, Bolivien

Nun, jetzt nach Monaten, in denen Flo und ich uns beinahe 24/7 in Seh- oder zumindest Hörweite zum anderen befinden, gibt es zum Glück mehr Dinge über die ich froh bin, als Dinge, die ich lieber ändern würde.

Was mir am Reisen als Paar gefällt?

Adieu Einsamkeit! Ich bin nie alleine, nie einsam. Das ist zum Glück etwas, das mir selten passiert ist. Aber ich finde, es gibt nichts Schrecklicheres, als sich an einem fremden Ort zu befinden, ohne zu wissen, was man tun soll oder mit wem man reden soll. Dinge, die mir auf dem Herzen liegen, lassen sich nun mal schlecht über das Telefon klären. Und auch nicht alles lässt sich mit zufälligen Reisebekanntschaften besprechen. Abgesehen davon verhindern die Qualität der Internetverbindung, hohe Anrufkosten und die Zeitverschiebung auch oft Gespräche mit Freunden und Familie zuhause.

Und Fernbeziehung? Jeder, der schon mal eine hatte, weiß, wie schwierig und belastend das sein kann. Seinen Partner nicht vermissen zu müssen, das ist schon ziemlich toll.

Außerdem: es ist schön, nicht alleine im Bett zu liegen. Abgesehen davon, dass ich meine Eisfüße nicht alleine warmkriegen muss (zum Glück für Flo reisen wir hauptsächlich durch wärmere Gebiete), gehören mir ca. ¾ des Bettes, was mehr ist, als ein Einzelbett im Hostelzimmer. Scherz beiseite, ich habe natürlich keine Eisfüße, und bleibe brav auf meiner Seite – naja – zumindest respektiere ich eingehende Beschwerden.

Wikinger - Reyjkavík, Island

Wikinger – Reyjkavík, Island

Gegenseitige Unterstützung. Es gibt Dinge, die sich auf einer Reise als Paar super aufteilen lassen. Vielleicht nicht unbedingt das Bett, aber die Planung der Route, die Recherche von Reisezielen, die wir beide gerne sehen möchten, das Suchen von Unterkünften, etc.
Motivation ist übertragbar, und das ist gut. Jeder hat mal einen Gammeltag und das ist okay. Aber bevor das Ganze zu weit geht, ist es gut, wenn jemand da ist, der dir einen psychologischen Tritt in den Hintern verpasst.

Gepäck- und Kostenteilung, pragmatisch. Jeder von uns muss weniger tragen, da wir viele Dinge zusammen benutzen. Zimmer sind für uns auch meist billiger, da wir, wenn möglich, eines für zwei Personen nehmen. So müssen wir auch nicht lautstarke Schnarchwettbewerbe in zehn verschiedenen Tonlagen ertragen.

Neue Reiseziele. Neue Reisebekanntschaften. Die USA war bis vor kurzem ein Reiseziel, das mich nicht reizte. Vielleicht liegt es an den zahlreichen Klischees, die wir in Europa hören, vielleicht weil ich nie von einem Ort in den USA gelesen oder gehört habe, der mich wirklich faszinierte. Vielleicht, weil ich mir alleine auch niemals ein Mietauto genommen hätte. Für Flo hingegen war es beschlossene Sache, dass wir dort hin müssen. Und – es war toll, vor allem mit San Francisco habe ich eine große Liebe entdeckt. Auf der anderen Seite wäre Flo alleine wohl nicht nach Chile gefahren und hätte wenn, nicht so viele Locals kennengelernt. Erfahrungen, die wir beide nicht missen möchten. Zu zweit hat man außerdem mehr Bekanntschaften, mehr Kontakte in der Welt, die man besuchen kann!

"selbstoptimierte" Taucherbrille - Key West, Florida

„selbstoptimierte“ Taucherbrille – Key West, Florida

Wir sind so wie wir sind. Früher oder später kommt das sowieso heraus. Jeder hat Schattenseiten und kann diese nicht ewig vor dem Partner verbergen. Gut, dass wir es geschafft haben, uns zu akzeptieren und uns nicht mit sämtlichen Werkzeugen unserer Schweizer Taschenmesser für Fehltritte massakrieren. Sich nicht zu verstellen und die Schattenseiten von sich zu zeigen ist womöglich eines der schönsten und schwierigsten Dinge überhaupt. Aber es trägt maßgeblich dazu bei sich blind zu verstehen und ist bei uns verantwortlich für jede Menge nicht jugendfreier Insiderwitze.

Was, wenn es nicht funktioniert? Dieser Gedanke war auch etwas, was mich noch mehr zu dieser Reise als Paar motiviert hat. Ja, was ist, wenn es nicht funktioniert? Dann weiß man es, verdammt! Bevor man sich fragt, ob das auf lange Zeit gutgehen kann und solche Herausforderungen lieber vermeidet, sollte man das Risiko meiner Meinung nach eingehen. Denn was ist das Schlimmste, was passieren kann? Das die Beziehung aus ist. Aber vielleicht war sie dann doch nie so stark, wie du dachtest? Fakt ist, es gibt hier wahrscheinlich kein Richtig und kein Falsch, nur unterschiedliche Meinungen. Meine ist: Wenn die Beziehung funktioniert, dann funktionieren auch 6 Monate Weltreise als Paar. Und umgekehrt.

Natürlich gibt es auch negative Seiten am Reisen als Paar.

Was erzählen wir uns? Es ist nicht so einfach sich Dinge zu erzählen, die man erlebt hat, denn das hat der andere auch. Und detailreiche Geschichten über das Zähneputzen alleine oder Toilettenbesuche sind nun mal nur bedingt spannend.
Zum Glück gibt es natürlich noch jede Menge andere Themen, über die wir reden können.

Wir lernen weniger Leute kennen. Wir haben ja uns. Es ist so. Wir sprechen sicher weniger Locals oder andere Reisende an als Alleinreisende und werden sicher auch weniger oft angesprochen. Initiative zeigen, dann funktioniert auch das, aber wie gesagt, es ist wesentlich schwieriger, da wir keine Fremden ansprechen müssen, um in ein Gespräch zu kommen.

Kompromisse schließen. Ich muss sagen, ich sehe diesen Punkt zwar mehrheitlich als positiv an, da jeder von uns Dinge unternimmt, die er alleine niemals gemacht hätte. Und doch gibt es, wie auf jeder Reise, die man nicht alleine unternimmt, Dinge, die man lieber nicht, oder lieber doch gemacht hätte, auch wenn die sich zum Glück in Grenzen halten.

Was wäre anders?

Alles. Vielleicht würde Cori als Chaoskind wenige Länder oder sogar nur ein einziges Land in wildem Durcheinander unsicher machen und Einheimische in Angst und Schrecken versetzen, während Flo sauber Land für Land auf seiner zuvor erstellten Liste abhakt. Fakt ist: wir wissen es nicht, aber wir müssen es auch nicht wissen. Wir haben bereits jetzt so viele Dinge erlebt, die uns zusammenschweißen und es werden jeden Tag mehr. Es ist eine wunderschöne Zeit, die wir auf dieser Reise miteinander verbringen und mit allen Kompromissen, Hindernissen und Imperfektion ist sie trotzdem – perfekt. Denn sie ist unsere Reise, so wie wir sie als Paar machen wollten.

Corinna Donnerer

Corinna Donnerer

Cori, 25, und hauptberuflich als Physiotherapeutin selbstständig. Schon während der Schulzeit und des Studiums habe ich viele Gelegenheiten zum Reisen genutzt und war so als Austauschschülerin und Aupairmädchen in Chile. Praktika habe ich in Deutschland und der Schweiz gemacht. Gemeinsam mit Flo ging es nach meiner Ausbildung auf Weltreise und seitdem hat mich das Reisefieber fest im Griff.
Corinna Donnerer

11 Kommentare zu “Weltreise als Paar

  1. G. Figl

    Na, das ist ja mal eine Liebeserklärung „der anderen Art“! Wunderschön – ich freu mich für euch!!! Ganz, ganz liebe Grüße aus der Heimat ins ferne Hawaii.

  2. pixelschmitt

    Hallo Corinna.

    sehr schöner Artikel. 2008/2009 bin ich mit meiner damaligen Freundin ein Jahr durch die Welt gereist. Alles was Du schreibst, kann ich genauso bestätigen. Bis auf kleinere Unstimmigkeiten verlief das Jahr reibungslos 😉 … und inzwischen ist aus meiner Freundin meine Frau geworden.

    Viele Grüße
    Thomas

    1. Cori

      Danke Thomas!

      Klingt nach einem wunderschönen Happy End, ich freue mich für euch! In Hawaii haben wir gerade das Gefühl sowieso schon auf Flitterwochen zu sein, nachdem das alle Leute hier von jungen Pärchen glauben 😉

      Liebe Grüße zurück!

      Cori

  3. Pingback: Der Reiseblogger Wochenrückblick KW 43 - pixelschmitts Reiseblogpixelschmitts Reiseblog

  4. Selina

    Ich denke, wenn man diese „Beziehungsprobe“ als Paar geschafft hat, dann gehört man wirklich zusammen.
    Auf so einer Reise lernt man einander richtig kennen – eben auch mit allen Fehlern und Schattenseiten. Aber genau hier kann man eben auch erkennen, ob es wahre Liebe ist. Denn wenn man einander wirklich liebt, dann akzeptiert man den anderen mit all seinen Facetten – auch wenns manchmal anstrengend und zum Haare raufen ist. 😉
    Liebe Grüße, Selina

  5. Reni

    Hallo Ihr Zwei,
    Das ist ein schöner und ehrlicher Bericht. Sehr spannend zu lesen, wie es anderen auf der Reise zu Zweit ergeht.
    Wir finden es gibt doch nichts Schöneres als die Erlebnisse auf einer Reise oder das Leben im Ausland zu teilen. Es schweisst, wie ihr ja auch im Beitrag schreibt, zusammen und macht einem als Paar stark.
    Ich wünsche Euch weiterhin viele spannende gemeinsame Reisen.
    Liebe Grüsse,
    Reni

    1. Florian Figl

      Vielen Dank, Reni! 🙂 Da hast du absolut recht. Ich wünsche euch auch eine gute Zeit & schicke liebe Grüße aus Österreich,

      Flo

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