Reise-Fotografie und den Moment genießen: Vom Auslöser zum veröffentlichten Bild in mehr als 10 Sekunden

Dieser Beitrag erscheint im Rahmen der Blogparade Fotografie auf Reisen, zu der Thomas und Melanie aufgerufen haben. Statt auf unsere Fotoausrüstung einzugehen, möchte ich einen anderen Aspekt aufgreifen, der meiner Meinung nach auch viel mit der Art zu tun hat, wie du und ich dank Digital-Technik fotografieren: Den Moment am Reiseort als solchen wahrnehmen und genießen!

Reise-Fotografie 2.0

Dein Smartphone macht es dir heutzutage sehr einfach, deine Eindrücke über Fotos von unterwegs mitzuteilen: Mit wenigen Touch-Berührungen am Display ist das Bild geschossen, dann noch ein schöner Filter oder Effekt ausgewählt und auf Facebook oder Instagram veröffentlicht. Auf Reisen hältst du – Wifi sei dank! – so deine lieben daheimgebliebenen Freunde auf dem Laufenden, noch während du dich am Ort des Geschehens befindest. Praktisch, oder?

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Doch wie verändert das deine Wahrnehmung von jenem Ort, an den du extra gereist bist, um dir selbst „ein Bild davon zu machen“, mitunter viel Zeit und Geld investierst hast, um dahin zu gelangen? Und zwar, wenn du ihn hauptsächlich über das Display deiner Kamera oder deines Smartphones zu sehen bekommst?

Das Erinnerungsfoto betrachten vs. den Moment genießen

Falls du nicht gerade mit einem Weitwinkel-Objektiv bzw. einer GoPro fotografierst, dann kannst du, rein technisch betrachtet, nur einen Ausschnitt dessen festhalten, was dein Auge sieht. Wenn du also an das Ziel deiner Reise kommst, sofort deine Kamera zückst und wie wild drauf los fotografierst, wirst du die Sehenswürdigkeit, das Naturwunder, den besonderen Ort, die meiste Zeit nur über ein Display oder einen optischen Sucher betrachten. Nicht ungefiltert mit deinen eigenen Augen, sondern fokussiert auf den Bildausschnitt deiner Kamera. Was dir fehlt, ist Zeit, den Moment zu genießen und ihn mit allen (!) Sinnen wahrzunehmen, weil du dich so sehr darauf konzentrierst, das perfekte Foto zu machen oder umgekeht, zu posieren. Zumindest wenn du dem Muster von einem Großteil der Reisenden und Touristen an den typischen Foto-Spots (genannt „Sehenswürdigkeit“) folgst, deine Bilder machst – und weiterziehst. Denn die nächste Sehenswürdigkeit wartet ja schon.

Lange Schlange für ein kurzes Foto vor dem Southernmost Point der USA auf Key West

Schlange stehen für ein kurzes Foto vor dem Southernmost Point der USA auf Key West

Warum ich das behaupte? Weil ich es jedes Mal beobachten konnte, zumindest wenn ich nicht selbst wieder in dieses Muster gekippt bin – da nehme ich mich gar nicht aus. Schließlich will ich auch „mein“ Foto haben.

Was mir aber hilft, den Moment zu genießen, ist, die Kamera erstmal stecken zu lassen und 5 Minuten nur dazustehen und mich umzusehen: Was fällt mir auf? Aber auch: Was höre ich? Wie riecht es hier? Das alles hilft, um den Moment als solchen wahrzunehmen und in mein Gedächtnis einzubrennen, um mich Jahre später (hoffentlich) noch daran zu erinnern. Auch ein Foto kann eine solche Erinnerungshilfe sein, aber eben nur eine rein visuelle.

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Wenn ich dann schließlich auch meine Kamera zücke, versuche ich den Ort nicht nur aus den ewig gleichen Perspektiven zu fotografieren, sondern auch mal den Standort zu wechseln. Das hebt das eigene Reisefoto schließlich im besten Fall von den tausenden anderen ab, die bereits im Netz zu finden sind und allesamt austauschbar wären.

Welche Sehenswürdigkeit wohl hier "zu Tode fotografiert" wird?

Welche Sehenswürdigkeit wohl hier „zu Tode fotografiert“ wird?

Auch was das Veröffentlichen meiner Reisefotos angeht, habe ich mein Verhalten geändert: Statt sie noch vor Ort hochzuladen, poste ich die meisten meiner Bilder abends, wenn ich ihm Bett liege, oder morgens vor dem Frühstück. So kann ich „den Moment“ viel entspannter genießen und brauche mir keine Gedanken machen, was denn wohl ein guter Bildbegleittext für Facebook oder Instagram wäre. Das kommt dann später.

Zusammengefasst hier also meine Tipps an dich, für mehr Genuss und Ruhe bei der „Fotografie auf Reisen“:

  • Lass die Kamera stecken! Zumindest für 5 Minuten. Sieh dich um, beobachte das Treiben und saug soviele Eindrücke wie möglich mit deinen Sinnen auf.
  • Mach dir nicht den Druck, die scheinbar „perfekte“ Stelle für dein Foto erkämpfen zu müssen. Suche lieber nach ungewöhnlichen Perspektiven, z. B. fotografiere eine Sehenswürdigkeit durch eine spiegelnde Fläche (Wasser, Glasfassade, Sonnenbrille, etc.)
  • Lass dir Zeit mit dem Veröffentlichen in Social Media! Auch abends im Bett ist noch genug dafür da.

Mein liebster Reisemoment 2014

Als Teil der Blogparade gibt es außerdem einen Bilderwettbewerb unter allen teilnehmenden Bloggern. Eigentlich sollte dieser unter dem Titel „Mein liebstes Urlaubsbild“ stehen, aber ich hoffe Thomas und Melanie sehen mir das nach, dass ich 2014 fast nur gereist bin und weniger „Urlaub“ im ursprünglichen Sinn gemacht habe. Und da es zu meinem gewählten Thema passt, gibt es von mir also an dieser Stelle meinen liebsten Reisemoment des Jahres:

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Mondaufgang im Valle de la Luna, Chile
Reisehighlights gab es für mich gerade in Südamerika sehr viele, u.a. die Torres del Paine in Patagonien oder den Salar de Uyuni in Bolivien. Wenn ich aber an einen einzigen Moment zurück denke, dann ist das der Sonnenuntergang im Valle de la Luna, den ich von einem Aussichtspunkt der Cordillera de la Sal in der Atacama-Wüste im Norden Chiles beobachtete. Genau genommen konnte ich diesen zwei Mal genießen, beim ersten Mal sogar mit dem größten Vollmond, einer „Super Luna“, den ich je gesehen habe.

Moonrise im Valle de la Luna

Moonrise im Valle de la Luna

Sollte mein Bild tatsächlich bei der Abstimmung gewinnen, so geht meine gemeinnützige Spende, die Thomas und Melanie als Gewinn ausgeschrieben haben, an den Verein SOS Kinderdorf. Dort wird viel dafür getan, um Kindern, denen es im Leben noch nicht so gut erging, wieder eine Perspektive zu geben – und hoffentlich auch positive Momente zu schaffen, mit oder ohne Kamera!

Florian Figl

Florian Figl

Flo, 28, leidenschaftlicher Outdoor-Fan und Wahl-Steirer. Früher kamen für mich nur Städtereisen in Frage, doch mittlerweile ist das anders. Auf unserer Weltreise habe ich vielfältige Naturlandschaften entdeckt und liebe es seitdem, mich in neue Abenteuer abseits des Großstadtdschungels zu stürzen. In den Bergen fühle ich mich dabei genauso zu Hause wie auf dem Wasser, egal ob beim Klettern, Mountainbiken, Surfen oder Canyoning.
Florian Figl

4 Kommentare zu “Reise-Fotografie und den Moment genießen: Vom Auslöser zum veröffentlichten Bild in mehr als 10 Sekunden

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  2. tommimh

    Hallo Flo,

    Du hasst so Recht mit Deinen Worten. Natürlich neigt man immer dazu, auch das normale Touristen Foto von einer Sehenswürdigkeit zu machen. Ich selber gehe aber immer mehr dazu über, einfach mal durch die Gegend zu schauen, da gibt es andere Dinge oder Perspektiven die einfach schön sind und die nicht jeder fotografiert.

    Auch lohnt es sich oft, einfach mal zu anderen Zeiten unterwegs zu sein wie die Masse. So z.B. am Southern Point. Bei unserem Besuch da war es genau so voll wie auf Deinem Bild. Wir sind dann am nächsten Morgen noch mal da hin, um 7 Uhr – es war herrlich leer und das Licht war auch viel schöner.

    Danke noch mal für den Beitrag zu unserer Blogparade und das tolle Bild für den Wettbewerb,

    LG Thomas

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