Unterwegs in Kroatiens Nationalparks: Plitvicer Seen und Kletterparadies Paklencia

Unkomplizierter Strandurlaub in einfachen Appartements, Cevapcici und Bier aus großen Flaschen. Soviel zu den typischen Klischees, die ich bislang mit Kroatien verbunden habe. Gut, Cevapcici und Bier gab es auch bei unserem Spätsommer-Roadtrip Anfang September so einige. Statt aber einen Strandurlaub auf einer der über 1.000 kroatischen Inseln zu machen, blieben wir dieses Mal auf dem Festland. Wandernd und kletternd begaben wir uns auf Winnetous Spuren in Kroatiens Gebirgs- und Seenlandschaft!

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In diesem Beitrag nehmen wir dich daher mit in zwei der schönsten Nationalparks Kroatiens: zu den Plitvicer Seen im kroatischen Hinterland, nahe der Grenze zu Bosnien, und in den Paklenica Nationalpark an der Adriaküste bei Zadar.

Plitvicer Seen: Anreise mit dem Auto & Tipps für den Aufenthalt

Die Plitvicer Seen und der gleichnamige Nationalpark sind in etwa 3,5-4 Autostunden von der südlichen Steiermark zu erreichen und somit leider etwas zu weit weg für einen reinen Tagesausflug. Je nachdem, welche Fahrtstrecken du gewohnt bist. Allerdings liegen sie ideal, wenn du ohnehin vor hast, den mittleren oder südlicheren Teil der Adriaküste zu bereisen, z.B. die Region rund um Zadar. So kannst du bereits bei Karlovac die mautpflichtige Autobahn verlassen und fährst die letzten 80 Kilometer in etwas mehr als einer Stunde über die Nationalstraße D1 (vergleichbar mit unserer Bundesstraße) Richtung Süden.

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Im Norden (Eingang bzw. Ulaz Nr. 1) und Süden (Ulaz Nr. 2) der Plitvicer Seen gibt es zwei große Parkplätze, die beide 7 Kuna pro Stunde kosten (ca. 1 Euro). Welchen du nutzen solltest, hängt davon ab, ob du dir im Vorfeld schon Gedanken machst, wie viel Zeit du im Park verbringen möchtest. Das Nationalparkzentrum hat dazu ca. zehn Besichtigungsprogramme mit Routenvorschlägen erstellt und mit Buchstaben benannt. Für A bis C parkst du besser auf dem Parkplatz beim Nord-Eingang, für E bis H am Süd-Eingang. Zwischen den Parkplätzen und anderen Orten im Nationalpark fahren jedoch Shuttlebusse, zudem gibt es ein Elektroboot, dass dich über den größten der Seen (Kozjak) bringt. Details zu den Besichtigungsprogrammen und den Fahrzeiten findest du hier. Wir haben uns für Route C entschieden und ziemlich genau 5 Stunden dafür gebraucht (angegeben sind 4-6 Stunden).

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Die Eintrittspreise zu den Plitvicer Seen selbst sind je nach Saison stark unterschiedlich. Während du im Spätherbst und Winter nur 55 Kuna pro Erwachsenem zahlst, kostet es in der Hochsaison im Juli und August mehr als das dreifache (180 Kuna). Anfang September haben wir 110 Kuna bezahlt, die Fahrten mit Shuttlebussen und dem Boot sind bereits inkludiert (lt. Preisliste 2016; aktuelle Preise auf der offiziellen Webseite). Für Kinder, Studenten und Gruppen gibt es Ermäßgigungen.

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Was macht die Plitvicer Seen so besonders?

Abgesehen davon, dass die Plitvicer Seen einfach nur fotogen sind und die Besucher mit ihrem klaren Wasser, der türkisen Farbe und den Wasserfällen begeistern, ist auch ihre Geologie sehr interessant, über die wir während unseres Parkbesuchs erfahren.

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Der Höhenunterschied zwischen den insgesamt 16 kaskadenartig angeordneten Seen beträgt nämlich mehr als 130 Meter, wobei die Seen selbst zwischen einem und knapp 50 Meter tief sind. Aufgestaut werden sie durch ein einzigartiges Naturphänomen im Karst, bei dem sich im mit Calciumcarbonat übersättigten Wasser Travertin bildet. Travertin ist eine „lebende“ poröse Kalkgesteinsart, die sich ihrerseits zu natürlichen Barrieren aufschichtet, an denen die Wasserfälle und Kaskaden entstehen. Die Travertin-Barrieren wachsen beständig weiter, so dass sich auch das Bild der Plitvicer Seen dauernd verändert, das Wasser seinen Lauf wechselt und manche Wasserfälle verschwinden, um an anderer Stelle neu zu entstehen. Einfach genial!

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Plitvicer Seen Route C: Vom großen Wasserfall, zum Silbersee, den unteren und oberen Seen

Genau genommen liegt der Veliki Slap („Großer Wasserfall“), an dem sich der Fluss Plitvica in den untersten See Novakovića brod stürzt, gar nicht zur Route C. Warum auch immer. Allerdings solltest du diese fünf Minuten „Umweg“ auf jeden Fall miteinplanen, um dem mit 80 Metern Höhe größten Wasserfall Kroatiens näher zu kommen, als bloß von der obersten Aussichtsplattform gleich nach dem Eingang.

Wieder zurück auf den Holzstegen der Route C befinden wir uns nun am Kaluđerovac, besser bekannt als „Silbersee“ aus dem berühmten 60er-Jahre Karl-May-Film „Der Schatz im Silbersee“ mit Pierre Brice als Winnetou und Lex Barker als Old Shatterhand (in seinen stets glatt gebügelten, sauberen Hemden!).

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Mehr als die Tatsache, an einer berühmten Filmlocation zu sein, beeindruckt uns aber die Farbe und Klarheit des Sees: Obwohl ich ihn sicherlich von zig Winkeln fotografiert habe, kommen sie auf den Bildern leider nur annähernd so gut rüber, wie sie in echt sind!

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Den Holzsteg Richtung Süden folgend überqueren wir den See schließlich erneut und können hier zu einem weiteren Aussichtspunkt bei einer Höhle aufsteigen. Vorsicht: Die Steinstufen sind sehr steil und rutschig! Noch dazu ist hier an den unteren Seen deutlich mehr los, als an den oberen und die Stufen erweisen sich als Nadelöhr für die Touristenmassen, die an diesem herrlichen Spätsommerwochenende den Nationalpark besuchen.

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Der Steg entlang der Ostseite der beiden Seen Gavanovac und Milanovac ist ebenfalls recht schmal und wir sind froh, als wir am größten See Kozjak auf einer breiten Wiese ankommen. Hier holen wir uns ein Eis und kalte Getränke (OK, ein kühles Bier!) und stellen uns in die Schlange für das Elektroboot, das uns in gut 15 Minuten ans andere Seeufer bringt. Die einzelnen Seen und Stationen des Bootes bzw. auch der Shuttlebusse sind übrigens exzellent beschildert, so dass wir uns trotz des weitläufigen und verzweigten Seengebiets im Kerngelände des Nationalparks gut orientieren können.

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An den oberen Seen Gradinsko und Galovac geht es deutlich entspannter zu. Hier kommen wir erneut an vielen Wasserfällen vorbei, bestaunen die vielfältige Natur mit vielen endemischen Pflanzenarten und Tieren.

Schließlich machen wir uns auf den Weg zur Station Nr. 3, wo wir mit dem Shuttlebus wieder zurück zum Eingang fahren und die Weiterfahrt Richtung Süden antreten …

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Paklenica: Kletterparadies an der Adriaküste

Zugegeben, erst eine Arbeitskollegin hat mich auf den Paklenica Nationalpark gebracht und mir davon als „das“ kroatische Kletterparadies mit perfektem Kalk, schön fest und rau, mit charakteristischen Wasserrillen, vorgeschwärmt. Routentechnisch gibt es hier fast alles, was das Kletterherz höher schlagen lässt: Eher kürzere Sportkletterrouten, für die auch ein 40-50 Meter Seil locker ausreicht, bis hin zu den 300 Meter hohen Wänden des Anika Kuk (712 m).

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Der Park befindet sich nur wenige Kilometer hinter der Adriaküste, an den südlichen Ausläufern des Velebit-Gebirges, ca. auf der Höhe von Zadar.

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Die Kosten für den Parkeintritt belaufen sich auf 50 Kuna / Person, wobei es speziell für Kletterer auch interessante Mehrtageseintritte gibt (3 Tage für 100 Kuna, 5 Tage für 150 Kuna, Stand September 2016). Dazu kommen noch einmal 10 Kuna für das Parken innerhalb des Nationalparks.

Im Paklenica Nationalpark gibt es nicht nur viele (Sport-)Kletterrouten, sondern auch viele Wandermöglichkeiten in der Velika Paklenica (Große Schlucht) und Mala Paklenica (Kleine Schlucht), auf deren Wegen du immer wieder auf „Winnetou“-Schilder treffen wirst. Denn auch hier wurden einige berühmte Karl-May-Filme gedreht, unter anderem auch „Der Schatz im Silbersee“.

Da wir hauptsächlich zum Klettern gekommen sind, wanderten wir nur ein kurzes Stück in die große Paklenica-Schlucht hinein (ca. 1 Stunde), vor allem um das Routenangebot zu sichten. Details zu den Wanderungen aus erster Hand können wir daher nicht liefern, die liest du zum Beispiel hier nach. Wenn du dich aber ohnehin auch mehr für’s Klettern interessiert, dann findest du am von mir sehr geschätzten Portal Bergsteigen.com viele allgemeine Infos zu Anfahrt, Routencharakter und Empfehlungen für brauchbare Topos.

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Wir übernachten in einem einfachen Appartement in Starigrad, dem nächstgelegenen Küstenort und nur fünf Minuten vom Parkeingang entfernt. Nach unseren beiden Klettertagen in der Paklenica-Schlucht haben wir hier sogar die Möglichkeit, uns auf einem ultrakurzen Steinstrand im Meer abzukühlen und zu erfrischen.

Vom Appartement ins Velebit-Gebirge ist es nur ein Katzensprung ...

Vom Appartement ins Velebit-Gebirge ist es nur ein Katzensprung …

Der Strand von Starigrad

Der Strand von Starigrad

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Zum Ausklang des Tages gibt es dann in Gehweite zahlreiche Lokale, in dem wir Cevapcici und Bier bekommen 😉

Kurztrip nach Zadar

Am dritten Tag macht uns die Bora, ein starker Fallwind, der typisch für diese Region der Adriaküste ist, leider einen Strich durch die Rechnung, eine etwas längere Wanderung im Paklenica-Nationalpark gehen zu können. Zudem beginnt es auch noch zu regnen. Als Wind und Regen etwas nachlassen, beschließen wir einen Tagesausflug nach Zadar zu unternehmen.

Die Altstadt ist zwar ganz nett, vor allem aus kulturhistorischer und architektonischer Sicht, mit vielen gut erhaltenen Kirchen, römischen Bauten und Palästen, aber ansonsten hauptsächlich voll mit Touristen und für uns nicht groß der Rede Wert, da wir uns nur kurz dort aufgehalten haben. Außer vielleicht die Meeresorgel, ein experimentelles Musikprojekt direkt an der Promenade, dessen Töne durch Wellenbewegungen des Meeres unter großen Steinplatten entstehen.

Tipps zur Weiterreise

Am Rückweg von Kroatien plane gern etwas mehr Zeit ein, um die Küstenstraße bis Rijeka hochfahren. Das spart nicht nur Maut, sondern ermöglicht auch tolle Ausblicke auf’s Meer und die Möglichkeit, Pausen abseits von Autobahnraststationen einzulegen. Dafür dauert die Fahrt aber bis zu einer Stunde länger, je nachdem wohin man weiterfährt. Für uns war der Umweg nicht ganz so groß, da es über Opatja weiter in Richtung Slowenien ging, wo wir zwei weitere Tage am Bleder See verbrachten, die Vintgar Schlucht erkundeten und unseren ersten Canyoning-Trip machten.

Florian Figl

Florian Figl

Flo, 28, leidenschaftlicher Outdoor-Fan und Wahl-Steirer. Früher kamen für mich nur Städtereisen in Frage, doch mittlerweile ist das anders. Auf unserer Weltreise habe ich vielfältige Naturlandschaften entdeckt und liebe es seitdem, mich in neue Abenteuer abseits des Großstadtdschungels zu stürzen. In den Bergen fühle ich mich dabei genauso zu Hause wie auf dem Wasser, egal ob beim Klettern, Mountainbiken, Surfen oder Canyoning.
Florian Figl

7 Kommentare zu “Unterwegs in Kroatiens Nationalparks: Plitvicer Seen und Kletterparadies Paklencia

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  4. Gudrun

    Ich kenne bereits Bilder von den Seen, die sehen einerseits traumhaft, andererseits sehr unwirklich aus. So, als hätte jemand Farbe reingegossen! Dass die Dreharbeiten zu „Der Schatz im Silbersee“ hier gedreht wurde, habe ich nicht gewusst. Den Film kenne ich natürlich, die Hauptdarsteller trugen nicht nur bügelfreie Hemden, die waren auch immer rasiert….

  5. Nicole von PASSENGER X

    Hey Flo,
    ich bin super froh gerade auf deinen Artikel gestoßen zu sein, weil ich mitten in meiner Reiseplanung für Kroatien stecke und die Plitvicer Seen im Prinzip mein Hauptziel sind. Zadar habe ich auch eingeplant. Habt ihr da vielleicht auch Tipps für nette Cafés oder Märkte?

    Liebe Grüße
    Nicole vom Reiseblog PASSENGER X

    1. Flo

      Hallo Nicole,

      vielen Dank für deinen Kommentar, es freut mich sehr, dass mein Beitrag nützlich für deine eigene Reiseplanung ist. Leider kann ich dir zu Zadar aber keinen konkreten Tipp geben, da wir nur sehr kurz in der Stadt waren. Mehr als ein Eis haben wir dort auch nicht konsumiert. Eine Empfehlung habe ich aber doch, falls ihr ebenfalls mit dem Auto anreist: Haltet rund um den kleinen Bootshafen beim Veslački klub Jadran nach einem Parkplatz ausschau, die sind in der Innenstadt nämlich sehr rar und leider auch dort kostenpflichtig. Hier gibt es jedoch welche in angenehmer Gehweite zur Altstadt.

      Liebe Grüße aus der Steiermark,
      Flo

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