Nach einer kurzen Nacht in Amsterdam ging es für Kathi und mich am ersten Adventsonntag ans IJmeer. Ursprünglich sollte es auch nur ein kurzer Abstecher zum nahegelegenen Blijburg Strand werden, ehe wir zurück ins Zentrum fahren und noch ein wenig Shoppen gehen wollten. Da es in der Stadt mehr Fahrräder als Einwohner gibt, borgten wir uns zwei der vier Stück aus, die im Gartenhäuschen von Kathi’s Vermieterin standen. In Holland heißen die Drahtesel übrigens Fiets und wenn man die hohen Gebühren für öffentliche Verkehrsmittel und Parken der Autos kennt, versteht man auch, weshalb die Amsterdamer nach Möglichkeit fast das ganze Jahr über lieber im Sattel sitzen.

Nach nur 10 Minuten und einer kurzen Fahrt über die Brücke zur Hauptinsel von IJburg ging es an der Strandpromenade entlang bis zu einer kleinen Landzunge in Form einer Sanddüne. Gleich dahinter lag der Blijburg Strand, der über eine hippieske Bar mit (beleuchteten) Buddha-Statuen und einem Hollywood-Sign ähnlichem Mini-Schriftzug aufwartet. Daneben stand eine Holzbank, die mir quasi schon zuflüsterte „Komm‘, nimm Anlauf, spring von mir runter und mach‘ Fotos davon!“ 😀

Auch wenn der Himmel zwar recht bewölkt war, die Temperaturen waren mit ca. 10 Grad angenehm mild – und vor allem: es war so schön ruhig! Daher brauchte es gar nicht lange, um unsere Pläne, in die Stadt zur fahren, zu verwerfen und stattdessen lieber am Meer entlang in die nächste Ortschaft names Muiden zur radeln. Dort wartete eine nette kleine Altstadt und ein Mittelalterschloss auf uns. Laut Kathi, die den Weg zuletzt im Sommer gefahren ist, soll allein die Fahrt dorthin ein Erlebnis sein: Jede Menge Schafe und viel Natur auf und neben dem Radweg. Nur leider ist dieser Weg im Winter (von November bis März) gesperrt, und zwar so, dass man das Fahrrad über einen hüfthohen Zaun hätte heben müssen. Da wir nicht sicher waren, wie die Sperre am anderen Ende des 8 Kilometer langen Weges aussah, beschlossen wir ein weiteres Abenteuer auszulassen und stattdessen den offiziellen Winterradweg zu nehmen. Dieser führte zwar einige Kilometer parallel zu einer Autobahn, dafür freuten wir uns umso mehr, als wir die – für Autofahrer gesperrte – Ortseinfahrt von Muiden passierten. Immerhin gab es auch dort noch Schafe (in einiger Entfernung) zu sehen 😉 Nach einem kurzen Spaziergang entlang der Herengracht gelangten wir schließlich zum Muiderslot, welches im 13. Jahrhundert im Auftrag von Graf Floris V. erbaut wurde. Das Schloss ist für Besucher geöffnet, der Eintritt kostet 12,50 Euro.

Der Hunger trieb uns jedoch weiter und so suchten wir ein Gasthaus (Herengracht 72) auf, das ebenfalls nach dem Grafen benannt ist und in dem wir wenig später Mittagessen waren. Kroketten sind in Holland übrigens eine Spezialität und werden typischerweise mit Fleisch gefüllt, wohingegen man bei uns eher die Kartoffelvariante kennt.

Mein persönliches Highlight war jedoch, dass es in dem Lokal auch Rivella gab 🙂 Das Schweizer Nationalgetränk gehört nach meinen vielen Zürich-Besuchen heuer zu meinen Lieblingsgetränken, welches leider in Ostösterreich nicht zu bekommen ist. Dank Connections nach Vorarlberg ließ sich aber auch das lösen und ich wurde zufällig ein paar Tage später auch in der Heimat mit Rivella versorgt.

Nach knapp zwei Stunden in Muiden radelten wir auch schon wieder zurück nach Steigereiland. Abermals entlang der Autobahn und bei verschärftem Gegenwind. Daheim in Kathi’s Haus machten sich die kurze Nacht und die insgesamt 16 Kilometer am Rad allmählich bemerkbar, so dass wir uns erstmal auf die Couch setzen und kurz durchatmen mussten. Ehe ich mich endgültig auf den Heimweg machte, verabschiedete sich eine völlig erschöpfte Kathi noch mit den Worten: „Flo, es war schön, dass du da warst, aber du hast mich gebrochen.“ 😀

Florian Figl

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