Bali: Auf den Spuren des teuersten Kaffees der Welt

Wie es manchmal so kommt, führt einen der Zufall zu manch interessanten Orten. In unserem Fall wurden wir direkt aus dem balinesischen Verkehr und zum teuersten Kaffee der Welt gezogen. Wie er nun wirklich hergestellt wird, und warum – ja warum ist er eigentlich so teuer?

Eigentlich wollten wir nur eine Rollertour nördlich von Ubud machen. Ich, komplett fertig mit den Nerven von Balis Verkehr, schaffe es mit all meinem Mut auf einer geraden langen Landstraße ausnahmsweise ohne unübersichtlichen Ausfahrten oder nennenswerten Schlaglöchern mit unserem pink glitzernden Flitzer endlich auf heiße 40km/h. Prompt werde ich aufgehalten.

Der heiße Flitzer

Der heiße Flitzer

Ein älterer Typ mit rudimentären Englischkenntnissen wedelt wie wild mit der Hand, bis ich am Rand stehen bleibe. „No money man, no money man“, versucht er mich zu beruhigen. Gut, er will also kein Geld. „Police control car before, now motorbike!“ Wie auch immer, irgendwann verstehen wir, dass er meint, dass wir unsere Mördergeschwindigkeit bitte drosseln sollen, weil die Polizei die Roller kontrolliert. Er lotst uns ein paar Meter weiter an der Straße. Und schon stehen wir auf dem Parkplatz von Alam Bali. Und schon sind wir mitten in einer Führung durch eine Plantage, wo neben Tee und Früchten auch der berühmte Kopi Luwak, der teuerste Kaffee der Welt, produziert wird.

Alam Bali

Dee, unser Guide, ist ein sympatischer Balinese mit einem unglaublichen Enthusiasmus. Und einem mitreißenden Lächeln, das jedes Mal noch größer wird, wenn er „Poop Coffee“ erwähnt. Er führt uns über einen engen Kiesweg vorbei an zahlreichen Pflanzen und erklärt uns, wie die Produkte von Alam Bali entstehen. Laut ihm sind sämtliche Erzeugnisse, die von Safran über Vanillezigaretten und Tees bis zum Kopi Luwak reichen, reine Bio-Produkte.

Alam Bali ist ein Ort für Touristen und ein Segen für Dee. Auf die Frage, was er von der Menge an Touristen in Bali hält, antwortet er, dass er sehr froh ist über sie, da er aufgrund einer Erkrankung keine anstrengende körperliche Arbeit verrichten kann und sonst keine Möglichkeit hätte, Geld zu verdienen. Im Gegensatz zu vielen anderen touristischen Attraktionen, fühlen wir uns hier individuell behandelt. Dee nimmt sich alle Zeit für alle unsere noch so dämlichen Fragen.

Gewürze

Gewürze

Poop Coffee

Nun kommen wir an Käfigen vorbei, in denen zwei Schleichkatzen – genannt Luwak – sitzen. Deren einzige Aufgabe ist es, Kaffebohnen zu fressen und dann, naja… „And then they poop!“, sagt Dee und grinst. Er zeigt uns eine Schale mit kleinen länglichen Würstchen, voll mit Kaffeebohnen. Ich darf riechen. Ich rieche nichts, nichts außer Kaffee. Zum Glück.

Im Gegensatz zu herkömmlicher Kaffeproduktion werden die Bohnen im Magen der Luwaks fermentiert, die nur das Fruchtfleisch daran verdauen können. So ist die Herstellung aufwendig und bedingt den hohen Preis. Die Würstchen werden im heißen Wasser aufgelöst, bis nur mehr die Kaffeebohnen übrigbleiben.

Kopi Luwak vor und nach dem Rösten

Kopi Luwak vor und nach dem Rösten

Eine weitere Mitarbeiterin röstet die Bohnen unter ständigem Wenden mit dem Schöpfer über dem Feuer. Danach werden sie mit einem Mörser zerstampft. Auch das darf ich probieren, fürs Foto.

Wie es geschmeckt hat?

Wir bekommen am Ende eine große Auswahl an Tees, Kaffees und Kakao serviert, alles gratis. Und so lecker, dass ich am liebsten den ganzen Shop leergekauft hätte!

Das Einzige, das wir nicht (gratis) serviert bekommen, ist Kopi Luwak. Verständlich, bei einem Kilopreis von über 40 Euro – bei Kauf an der Produktionsstätte.

Ja, jetzt konnten wir ihn endlich probieren. Für umgerechnet ca. 3,50 Euro für eine Tasse plus eine kleine Extratasse mit Milch. Er ist gut! Nicht so bitter, wie die meisten Kaffeesorten, eher süßlich und voll. Verantwortlich dafür sollen die Verdauungssekrete der Luwaks sein, die unter anderem in der Kaffeebohne gespeicherte Proteine abbauen und schlussendlich dafür sorgen, dass im fertigen Kaffee weniger Säure als in normal fermentiertem enthalten ist. Dee erklärt uns, dass man das Kaffeepulver einfach in heißem Wasser auflösen kann. Instant Poop Coffee also. Ich muss grinsen.

Luwak_Tasse

Am Ende bleibt uns noch der obligatorische Besuch im Shop. Alle Produkte von Alam Bali sind hier erhältlich und werden uns von Dee angepriesen. Keine Frage, billig ist keines, aber ihre Strategie mit den Gratis-Kostproben ist bei uns voll aufgegangen. Irgendwo bin ich ein bisschen froh darüber, dass ich als Backpackerin kaum zusätzliche Dinge einpacken kann. Aber ein kleines Päckchen Kopi Luwak hat es in den Rucksack geschafft. Nur wer in den Genuss dieses besonderen Kaffees kommen wird, weiß ich noch nicht 😉

Corinna Donnerer

Corinna Donnerer

Cori, 25, und hauptberuflich als Physiotherapeutin selbstständig. Schon während der Schulzeit und des Studiums habe ich viele Gelegenheiten zum Reisen genutzt und war so als Austauschschülerin und Aupairmädchen in Chile. Praktika habe ich in Deutschland und der Schweiz gemacht. Gemeinsam mit Flo ging es nach meiner Ausbildung auf Weltreise und seitdem hat mich das Reisefieber fest im Griff.
Corinna Donnerer

6 Kommentare zu “Bali: Auf den Spuren des teuersten Kaffees der Welt

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  3. Natalie

    Waren vor zwei Wochen vermutlich auf der gleichen Plantage und haben uns auch von den Gratisproben verführen lassen, allerdings keinen Kaffee, sondern zwei Sorten Tee und etwas Gewürz.
    Es war nett dort, aber auch sehr für Touristen gemacht.

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