Langzeitaufenthalte im Ausland – Teil 2: Aupair

Dieser Beitrag ist Teil 2 der Serie „Langzeitaufenthalte im Ausland“. Hier erzähle ich dir über die Möglichkeiten als Aupair ins Ausland zu gehen und gebe dir einen Überblick zu Vor- und Nachteilen, Kosten, hilfreiche Tipps aus eigener Erfahrung, Länder und Kontakte.

2010/11 verbrachte ich ein halbes Jahr als Aupairmädchen in Chile und habe dabei die Verantworung für 4 Kinder im Alter von unter 7 Jahren übernommen. Ein Aupairaufenthalt kann unterschiedlich lang sein und von ein paar Wochen bis zu über einem Jahr dauern. Diese Zeit wohnst du bei einer Gastfamilie.

Für wen?

Wenn du gerne mit Kindern zu tun hast, bereit bist auch im Haushalt aktiv zu helfen, jede Menge Energie und Geduld hast, verlässlich bist und Verantwortung übernehmen kannst, ist ein Aupairaufenthalt vielleicht das Richtige für dich. Bei vielen Vermittlungen musst du mindestens 18 Jahre alt sein, bei Selbstsuche muss die Familie entscheiden, ob sie dich aufnimmt.

Mein blonder (B)Engel im Pool

Mein blonder (B)Engel im Pool

Vorteil

Du wohnst bei einer einheimischen Gastfamilie und hast somit von Anfang an direkten Kontakt zu Locals. Du hast so immer Ansprechpartner bei Fragen und lernst die Kultur und das Alltagsleben in einem anderen Land kennen. Deine Gastfamilie kann dir außerdem viele nützliche Tipps für deinen Aufenthalt und Freizeitaktivitäten geben. Manche Gastfamilien nehmen dich auch mit auf Urlaub oder gemeinsamen Unternehmungen. Alles in allem eine sehr gute Möglichkeit, schnell und tief in eine andere Kultur einzutauchen und langlebige Kontakte zu knüpfen.

Meine persönliche Palme...

Meine persönliche Palme…

Nachteil

Auf der faulen Haut wirst du nicht liegen können. Du musst dich auch der Erziehungsvorstellung der Gastfamilie beugen – und das, kann ich dir aus Erfahrung sagen, ist nicht leicht. Überlege dir auch gut, wieviel an Stunden und an Kindern du dir zumuten möchtest und wieviel Freizeit dir wichtig ist. Außerdem musst du absolut zuverlässig sein, denn die Verantwortung ist ziemlich hoch.

Geschenke für meine Aupairkinder. Auf dem Foto sind noch nicht alle zu sehen!

Geschenke für meine Aupairkinder. Auf dem Foto sind noch nicht alle zu sehen!

Tipps

Frage die Gastfamilie, warum sie ein Aupair aufnehmen möchte und ob sie schon Aupairerfahrung hat. Wenn ja, hat die Familie sehr wahrscheinlich eine klare Vorstellung davon und kann dir diese auch besser schildern. Eventuell kannst du mit dem anderen Aupair Kontakt aufnehmen. Bespreche auf jeden Fall auch mit der Gastfamilie, wie eure Vorstellungen bezüglich Erziehung, Stunden, Gehalt und Aufgabenbereiche sind. Da kann es nämlich große Differenzen geben. Wenn du es doof findest, dass die Kinder beispielsweise alle möglichen Kurse vom Sport bis Sprachkurs belegen müssen oder kaum aus dem Haus dürfen, aber die Gastfamilie findet das wichtig, wirst du nicht glücklich werden.

Arbeiten im Haushalt fallen in deinen Aufgabenbereich, du bist aber eigentlich wegen den Kindern hier und nicht als Reinigungskraft angestellt. Kläre deinen Aufgabenbereich unbedingt im Vorfeld ab und lass dich nicht ausnutzen!

Mit einer meiner Kleinen

Mit einer meiner Kleinen 🙂

Wichtig ist auch der Wohnort. Wie kannst du Freizeiteinrichtungen, Freunde etc. erreichen? Lass dir auch die Freizeitaktivitäten der Familie, die Kinder und deren Lieblingsbeschäftigungen und Tagesablauf im Vorfeld beschreiben. Das kann dir sehr viel helfen abzuschätzen, wie gut du dich integrieren kannst. Gastfamilien verlangen unterschiedliche Voraussetzungen. Manche akzeptieren keine Raucher, nur Mädchen, nur Aupairs mit Führerschein etc. Gut wäre natürlich auch, Grundkenntnisse in der Küche mitzubringen, wenn du kochen musst 😉

Wenn du ohne Organisation ins Ausland gehst, dann lege dir auf jeden Fall einen Notfallplan zurecht, sollte es mit der Gastfamilie doch nicht passen. Hier musst du auch noch beachten, wie du dich im Ausland melden möchtest. Wenn du einen Arbeitsvertrag abschließt, musst du im jeweiligen Land natürlich die entsprechenden Abgaben zahlen.

Wenn du über eine Organisation ins Ausland gehst, hast du die Möglichkeit bei Aupairtreffen und –events dabei zu sein, die Gastfamilie zu wechseln, dir Tipps von anderen Aupairs zu holen und Erfahrungen auszutauschen. Externe Ansprechpartner können sehr nützlich sein. Auch bei vorzeitigem Abbruch des Aufenthalts kann dich deine Organisation unterstützen. Eine Organisation regelt ebenfalls deine Arbeitszeiten. Abhängig vom jeweiligen Land gibt es ein bestimmtes Maximalarbeitspensum, das üblicherweise einer Teilzeitbeschäftigung gleich kommt.

...nach einem langen Tag das Wochenende genießen...

…nach einem langen Tag das Wochenende genießen…

Kosten

Da du selbst verdienen wirst, recht gering. Flug und Versicherung hast du im Normalfall selbst zu bezahlen, aber davon abgesehen kommen wenig Kosten auf dich zu. Reich wirst du in keinem Fall werden, aber das Taschengeld, das zu zusätzlich zu Kost und Logie bekommst, kann dir einen Teil deiner Flug- und Versicherungskosten und Freizeitgestaltungen gut abdecken. Auch Reisen mit deiner Gastfamilie werden üblicherweise mitfinanziert. Entscheidest du dich für einen Aupairaufenthalt ohne Organisation, musst du dein Gehalt mit der Gastfamilie vereinbaren. Bei Organisationen hingegen gibt es meist Listen, auf denen du das Gehalt für das jeweilige Land für eine bestimmte Stundenanzahl ablesen kannst.

So ein Wocheneinkauf für eine Großfamilie füllt eine Küche ganz gut aus (etwa 1/3 ist hier zu sehen)!

So ein Wocheneinkauf für eine Großfamilie füllt eine Küche ganz gut aus (etwa 1/3 ist hier zu sehen)!

Länder

Prinzipiell fast alle. Gut durch Organisationen abgedeckt sind USA, Kanada, Australien, Neuseeland, und Mittel- bis Westeuropa und Skandinavien. Möchtest du lieber in ein anderes Land reisen, ist es wahrscheinlich, dass du dir das auf eigene Faust organisieren musst. In vielen Ländern ist Aupair nicht gut bekannt, deshalb gibt es auch kaum Gastfamilien, die sich für ein Aupair interessieren. Außerdem sind heimische Hilfskräfte, die auf die Kinder aufpassen und den ganzen Haushalt schmeißen, oft sehr günstig. Deshalb suchen Familien in solchen Ländern oft Aupairs als Sprachlehrer/in. Manchmal kommen diese Familien auch ursprünglich aus anderen Ländern und suchen deshalb gezielt Aupairs mit der jeweiligen Muttersprache.

Das Abenteuer des Keksebackens mit den Kindern

Das Abenteuer des Keksebackens mit den Kindern

Mehr über mein Aupair in Südamerika liest du hier.

Kontakte

http://iapa.org/become-an-au-pair/
Eine Vermittlung an Mitgliedsorganisationen von IAPA (International Au Pair Association). Für sehr viele verschiedene Länder sind Organisationen aufgelistet. Es lohnt sich hier reinzuschauen, denn die Auswahl ist groß. Das Angebot ist natürlich je nach Organisation verschieden, du kannst aber gute Vergleiche anstellen. Manche Organisationen bieten neben der Platzvermittlung beispielsweise noch kostenlose Sprachkurse an. Am besten die jeweilige Organisationen direkt anschreiben.

http://www.aupairworld.net/
Selbstsuche! Weltweit haben zahlreiche Aupairs und Gastfamilien Profile erstellt. Die Profile der Gastfamilien beinhalten Kurzinfos zur Familie, eine Beschreibung der Aufgaben und Anforderungen des Aupairs, gewünschtes Startdatum und Aufenthaltsdauer. Gegen eine Gebühr von 39,90 Euro kann man eine 6 Wochen lange Premiummitgliedschaft erwerben und private Nachrichten schreiben. Es reicht allerdings, wenn einer der Gesprächspartner (entweder Gastfamilie oder Aupair) Premiummitglied ist, um in Kontakt zu treten.

Diese beiden Adressen haben den Vorteil, dass du auf einer Seite schon eine relativ große Auswahl an Ländern hast.

Bist du aus Österreich, kannst du dir auch http://www.aupairaustria.at/outgoing.aspx mal näher ansehen.

Eine Sammlung von Aupairagenturen für Deutschland findest du unter http://www.au-pair-agenturen.de/deutsche-au-pairs.html .

Für die Schweiz habe ich leider keine spezielle Seite gefunden.

Die angegebenen Links sind nur ein kleiner Auszug von möglichen Agenturen. Für beliebte Länder gibt es oft auch eigene Seiten, diese findest du aber auch recht gut über „Aupair+Land“ über die Suchfunktion von Google. Ich selbst habe meine Gastfamilie in Chile über aupairworld.net gefunden, aber für Selbstsucher tun sich im Netz schier unendliche Möglichkeiten auf. Entscheiden musst du selbst, ob du das Risiko einer Selbstsuche eingehen willst, oder doch lieber eine Absicherung in Form einer Aupair-Organisation haben möchtest.

Dich interessieren noch andere Alternativen, um für längere Zeit ins Ausland zu gehen? Dann lies hier auch Teil 1 über mein Erasmuspraktikum. Weitere Artikel folgen! Um keine zu verpassen, melde dich am besten für unseren Newsletter an:

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Corinna Donnerer

Corinna Donnerer

Cori, 25, und hauptberuflich als Physiotherapeutin selbstständig. Schon während der Schulzeit und des Studiums habe ich viele Gelegenheiten zum Reisen genutzt und war so als Austauschschülerin und Aupairmädchen in Chile. Praktika habe ich in Deutschland und der Schweiz gemacht. Gemeinsam mit Flo ging es nach meiner Ausbildung auf Weltreise und seitdem hat mich das Reisefieber fest im Griff.
Corinna Donnerer

3 Kommentare zu “Langzeitaufenthalte im Ausland – Teil 2: Aupair

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