Schnauf, schnauf, schnauf – „Schalte doch den Turbo ein!“ – „Wow!“

Was für ein Gefühl der Erleichterung, auf der steilen Forststraße den E-Motor des Mountainbikes verwenden zu können, nachdem wir damit so gespart haben. Ein Teil der 1000 Höhenmeter lässt sich so deutlich angenehmer überwinden. So einfach, dass wir unsere Aufmerksamkeit viel mehr auf die wunderschöne Natur um uns lenken können. Mmmm … Wald- und Almluft! Unser erstes Mal im Nationalpark Kalkalpen wird bestimmt nicht das letzte gewesen sein.

Los geht’s!

Das Besondere der Kalkalpen

Rund 1500 Schmetterlingsarten, seltene Spechte, Insekten, Luchse usw. – der Nationalpark oberösterreichische Kalkalpen ist als größtes Waldschutzgebiet Österreichs ein wahrer Segen für Arten, die anderswo schon längst ausgestorben oder gefährdet sind. Gerade Arten, die einen naturbelassenen und nicht bewirtschafteten Wald brauchen, haben hier ein wichtiges Rückzugsgebiet. Er erstreckt sich über das Sengsengebirge und Reichraminger Hintergebirge.

„Die Entstehung und der Schutz des Parks war allerdings keine leichte Aufgabe“, wie uns unser Führer Franz erklärt. Dass wir den Park heute in diesem Zustand genießen können, ist engagierten Naturschützern wie ihm zu verdanken. „Teilweise war das Gelände so unzugänglich, dass es für die Forstwirtschaft nicht genutzt werden konnte und so Waldteile im ursprünglichen Zustand erhalten werden konnten.“

Franz erzählt vom Urwald der Kalkalpen

Es mag vielleicht wenige Superlativen in Zahlen geben, denn mit etwa 20 000 Hektar Fläche und einer maximalen Höhe von knapp unter 2000 Metern ist er weder der größte Nationalpark, noch der mit den spektakulärsten Gipfeln. Das wahre Highlight ist hier die Naturschönheit. Ob zu Fuß, mit dem Rad oder gar hoch zu Ross, ein Erlebnis ist es allemal. Wir hatten nach zwei Tagen Mountainbiken, Wandern und Klettersteig gehen nur einen kleinen Teil gesehen und wären gerne noch geblieben. Am Mountainbike schwitzt es sich definitiv schöner als am Sofa in der Dachgeschoss-Sauna zuhause 😉

E-Mountainbiken im Reichraminger Hintergebirge

Zahlreiche Forststraßen ziehen sich durch das Nationalparkgebiet und werden vor allem von Radfahrern und Wanderern genutzt. Denn Forstarbeiten werden hier nur in sehr eingeschränkem Maße betrieben. Wer von unserem Ausflug mit den Downhill-Mountainbikes in Saalbach gelesen hat – so krass war es nicht! Selbst für gemächlichere Radfahrer sind die Wege gut geeignet. Aber irgendwie muss man vor dem Runterfahren das Rad ja auch auf den Berg bringen und da kommt uns die E-Mobility Verleihstation in Reichraming gerade recht. Wer glaubt, 1000 Höhenmeter auf 50 Kilometer dank elektrischer Unterstützung komplett ohne Anstrengung schaffen zu können, liegt zwar falsch, aber ein bisschen was muss man ja auch tun für eine gute Jause, oder?

Gipfelgaudi am Trämpl

Wir haben zwei Touren gemacht, beide im Reichraminger Hintergebirge, und dabei insgesamt 100 Kilometer und 1800 Höhenmeter zurückgelegt, wobei ich bei der ersten Tour recht sparsam mit dem Akku umging und hauptsächlich in der ersten von vier Stufen gefahren bin. Nachdem mir danach nur 20% des Akkus fehlten, nutzte ich bei der zweiten Tour die Turbofunktion öfters aus und hatte trotzdem am Ende noch 40% übrig. Für mich unbestreitbare Vorteile der E-Mountainbikes sind, dass unterschiedliche Fitnesslevels in einer Gruppe so gut ausgeglichen werden, sowie größere Distanzen und mehr Höhenmeter auch von Nicht-Triathleten zurückgelegt und auch bergauf die Natur als solche wahrgenommen werden kann. Übrigens – selbst das Surren des E-Motors ist nur dezent zu hören.

Gleich nach dem Abholen der E-Mountainbikes in Reichraming geht es mit Franz auch schon los Richtung Ebenforstalm, zuerst noch auf Asphalt, aber bald wechseln wir schon auf die Fortststraße und es wird deutlich steiler.

730 Höhenmeter liegen damit vor uns. Dazwischen bleiben wir immer mal wieder stehen, nutzen die Verschnauf- und Trinkpausen, während Franz uns über die Geschichte des Nationalparks und über die Natur erzählt. „Die Mischwälder sind ganz typisch für hier. Denn außerhalb gibt es oft reine Fichtenwälder für die Holzgewinnung – diese haben dann auch viel mehr Probleme mit Schädlingen wie Borkenkäfern. Das ist ein Beweis dafür, dass das Gleichgewicht der Natur wichtig ist und durch das starke Eingreifen des Menschen Probleme entstehen, die vorher nie da waren“.

Wilde Orchideen, ein Bioindikator, der für die ursprüngliche Qualität des Bodens spricht

Als wir schließlich bei der Ebenforstalm ankommen, werden wir von Erich, dem Wirt empfangen, der gemeinsam mit seiner Frau die Hütte bewirtschaftet, einen super Schmäh führt, tolle Kaspressknödelsuppe macht und sich gerade um seinen Stier sorgt – der scheint sich nämlich nicht sonderlich für die Kuhdamen zu interessieren. Ist wohl noch ein bisschen schüchtern, der Gute!

Kurze Bergluftpause bevor es weiter zu Fuß auf den Trämpl und Alpstein geht

Nach der Kaspressknödelsuppe geht es weiter zu Fuß auf den Trämpl. Besonders auffällig für mich: ich habe noch nie zuvor so viele Schmetterlinge in den Bergen gesehen. Schön! Ebenso die Aussicht – ein Traum!

Deshalb, und weil das Wetter auch so schön ist und ich das Training am Vortag wohl doch nicht so wild hätte ausfallen lassen sollen, bleibe ich in der Wiese, während Flo und Franz auf den benachbarten Alpstein Gipfel weitergehen. Was soll ich sagen – herrliche Ruhe! Nichtstun ist immer noch draußen am besten 😉

Auf dem Abstieg zurück zur Alm führt uns Franz noch kurz in eines der ursprünglichsten Waldstücke mit vielen hunderte Jahre alten Bäumen, die für viele seltene Tierarten unglaublich wichtig sind.

Wir finden, dass wir uns eine Jause verdient haben unter anderem mit hausgemachter Butter von der Ebenforstalm, bevor wir wieder den Berg runterjagen, bzw. runterschleichen – so fühlt es sich zumindest an, wenn man Franz am Mountainbike vorbeizischen sieht.

Mmmmh!

Für uns geht es abends zurück zur Unterkunft im Kirchenwirt Ahrer in Großraming, wo wir dir die Spinatknödel und das Lamm ans Herz legen können. Gut schläft es sich, nach so einem Tag!

Am Sonntag geht es weiter mit Nationalpark Rangerin und Outdoor-Coach Elisabeth – Lisi – wieder mit dem E-Mountainbike. Diesmal sind es über 1000 Höhenmeter auf der geplanten Tour von Reichraming bis zur Blahberghütte und zurück über Brunnbach. „Die Blahberghütte ist ein Geheimtipp im Park – sie ist nämlich etwas abgelegen und wird somit nicht von so vielen Leuten besucht“, meint Lisi. Klingt gut, finden wir.

Der Luchs ist wieder heimisch – gesehen haben wir leider nur die weniger scheue Statue

Am Weg liegt auch der Triftsteig, ein schmaler Wanderpfad mit sehr kurzen und relativ einfachen Klettersteigpassagen entlang des „Großen Baches“, der früher von den Holzknechten für den Transport, also das „Triften“ des Holzes, benutzt wurde.

Wir lassen die Räder stehen und folgen dem Weg etwa eine Stunde. Perfekt für das heiße Wetter, denn durch die Schlucht und die Vegetation gehen wir doch viel im Schatten. Scheinbar hat es auch kürzlich geregnet, denn bei einigen Stellen können wir uns gleich eine Felsdusche gönnen. Übrigens: wir sind den Weg ohne Klettersteigset gegangen. Ich denke, wenn du trittsicher bist, wirst du es gut schaffen können.

Zurück zu den Rädern geht es durch einige Tunnel am normalen Forstweg. Unglaublich, aber diese insgesamt 19 Tunnel wurden schon Anfang und Mitte des vorigen Jahrhunderts von den Holzknechten in schwerster Handarbeit in den Fels geschlagen, um mit der Waldbahn tief in das heutige Nationalparkgebiet vordringen zu können. Gut für uns, denn auch in diesen Tunneln können wir uns richtig gut abkühlen.

Auf der weiteren Strecke bin ich über den Turbo wirklich froh, denn es gibt einige sehr steile Passagen, bis wir endlich auf der Blahberghütte ankommen und unsere Jause genießen können.

Dort treffen wir auch unseren Führer Franz vom Vortag wieder, der für die Öffentlichkeitsarbeit im Nationalpark Kalkalpen verantwortlich ist: „Wir möchten, dass die 21 Almen hier bewirtschaftet werden, einige halten alte Nutztierrassen und es ist für alle Besucher schön, hier auf die Alm zu kommen und einzukehren. Würde man die Almen nicht bewirtschaften, würde sich die Natur die Wiesen innerhalb kürzester Zeit wieder zurückholen. Die Almen sind wie Oasen im Waldmeer.“

Nachdem wir uns mit einer weiteren Brettljause stärken, probieren wir zum ersten Mal gebackene Holunderblüten als Nachspeise – frisch gemacht von Bio-Landwirtin Burgi und ihrem Mann Konrad, die die Blahbergalm im Sommer bewirtschaften. Ein Augen- und Gaumenschmaus, wie wir einstimmig finden.

Am Rückweg lässt uns das schöne Wetter zwar etwas im Stich, aber das bisschen Regen war bei den sommerlichen Temperaturen gut auszuhalten und wir nehmen trotzdem einen kleinen Umweg. Es geht vorbei an einer Biwackstelle mit Lagerfeuerplatz und wieder bergauf Richtung Anlaufalm. Anstatt dann nochmal links hoch auf die Alm zu fahren, geht es für uns aber weiter geradeaus Richtung Brunnbach. Dort können wir nämlich noch eine ausrangierte Lok der alten Waldbahn besichtigen, deren Betrieb in den 70er Jahren wieder eingestellt wurde.

Zurück in Reichraming verabschieden und bedanken wir uns bei unseren Guides für die zwei tollen, lehrreichen Tage im Nationalpark!

Ob uns der Nationalpark Kalkalpen wieder sehen wird? Ich bin mir schon sehr, sehr sicher. Obwohl wir viel unterwegs waren, fühlte es sich letzten Endes doch unglaublich entspannend und erholsam an, so viel Zeit am Berg und in der Natur zu verbringen.

Noch mehr Informationen über über den Nationalpark Kalkalpen, sowie die anderen österreichischen Nationalparks findest du auf der Webseite von Nationalparks Austria. Anlässlich des „Europäischen Tages der Parke“ waren auch einige Blogger-Kollegen fast zeitgleich mit uns in allen sechs österreichischen Nationalparks unterwegs. Elena alias Creativelena berichtet aus dem nördlichsten und kleinsten davon, dem Nationalpark Thayatal. Die Reiseblitze Wolfgang und Jessica waren im steirischen Nationalpark Gesäuse auf Erkundungstour und somit quasi in Sichtweite von uns. Franziska und Manuel von 1000 Travelstories haben nun eine weitere spannende Geschichte zu erzählen, und zwar von ihrer Kanutour im Nationalpark Donau-Auen bei Wien. Für Lisa und Philipp von imprintmytravel geht es in den Nationalpark Neusiedlersee – Seewinkel.

Vielen Dank an Nationalparks Austria für die Einladung! Meine Meinung bleibt wie immer meine eigene.

Corinna Donnerer

Cori, 26, und hauptberuflich als Physiotherapeutin selbstständig. Schon während der Schulzeit und des Studiums habe ich viele Gelegenheiten zum Reisen genutzt und war so als Austauschschülerin und Aupairmädchen in Chile. Praktika habe ich in Deutschland und der Schweiz gemacht. Gemeinsam mit Flo ging es nach meiner Ausbildung auf Weltreise und seitdem hat mich das Reisefieber fest im Griff.

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