Als Austauschschülerin in Punta Arenas an der Südspitze Chiles hatte ich das Gefühl bereits am Ende der Welt zu sein. Doch es geht noch weiter, bewies mir meine chilenische Omi, als sie mich mit nach Porvenir nahm.

geo_mashup_map

Von Punta Arenas aus gibt es eine Schiffs- und eine Flugverbindung direkt nach Porvenir. Dort ist wirklich nicht viel los bei weniger als 5000 Einwohnern. Wahrscheinlich ist der Grund dafür, dass es Porvenir gibt, ein Goldrausch, der Ende des 19. Jahrhunderts viele Chilenen und auch Kroaten lockte. Die Landschaft ist relativ flach, Bäume gibt es kaum, und Porvenir selbst ist so ausgestorben, dass man auf der Straße campen könnte, wenn man wollte. Vor allem gibt es wenige junge Leute, da diese teilweise schon im Schulalter zumindest bis nach Punta Arenas gehen. Das Aufregenste an Sehenswürdigkeiten in Porvenir war für mich ein Müllbehälter in Fred-Feuerstein-Form. Und doch habe ich wunderschöne Erinnerungen an diesen Ausflug.

Natürlich kann man nicht alles gleich über einen Kamm scheren, denn gerade Orte, die auf den ersten Blick wirklich sterbenslangweilig wirken, haben irgendwo doch einen besonderen Reiz. Vielleicht ist es in Porvenir nicht die Stadt an sich. Denn wer in vier Minuten sämtliche Häuser und wahrscheinlich alle Autos Porvenirs sehen möchte, kann dies gerne tun und gleich einen guten Eindruck der Stadt bekommen:

Andererseits – es hat doch einen ganz eigenen Reiz, mal nicht auf monumentale Sehenswürdigkeiten zu prallen, sondern mehr auf die Details zu achten. Selbst wenn der Eiffelturm Porvenirs Fred Feuerstein ist. Seien wir uns mal ehrlich – typische Sehenswürdigkeiten kennt jeder. Aber wer hat sich beim Kurzbesuch einer Stadt richtig auf die Leute einlassen können und die Sehenswürdigkeitenjagd in den Hintergrund gedrängt?

Was für mich wirklich einen Ort ausmacht, ist nicht nur das Aussehen, sondern auch seine Bewohner. In Porvenir kennt und grüßt man sich. Man ist stolz auf jedes kleine Denkmal, Bauwerk, Museum und die Landschaft. Die meisten, die nach ihrer Ausbildung immer noch auf Feuerland leben, denken auch nicht daran, von hier wegzugehen. Und genau das macht diesen Reiz aus, ich fühlte mich unglaublich willkommen als Gast. Ein weiterer Unterschied zu beliebteren Reiseorten: Als Tourist bist du etwas Besonderes. Man könnte fast glauben, man ist selbst eine kleine Attraktion. Nicht, dass die Leute wegen jeder fremden Person eine Stadtversammlung machen würden, aber die Neugier im Gespräch mit einzelnen Personen ist geweckt. Zeigt man dann selbst Interesse, kann man jede Menge versteckter Details und absolute Geheimtipps entdecken. Und – wie in meinem Fall – superlecker bekocht werden.

Fazit: Ich denke oft ist es in einem kleineren, abgeschiedeneren Ort leichter einen Zugang zu den Einwohnern zu finden und nicht ständig von Sehenswürdigkeit zu Sehenswürdigkeit zu hetzen. Und genau das macht für mich diese Reise zu einer gelungenen, an die ich mich noch lange erinnern werde, ohne Fotos ansehen zu müssen.

Chilenischer Ötzi im Museum
Chilenischer Ötzi im Museum
Wofür die Stadt steht
Wofür die Stadt steht
am Hauptplatz
am Hauptplatz

Corinna Donnerer

Cori, 25, und hauptberuflich als Physiotherapeutin selbstständig. Schon während der Schulzeit und des Studiums habe ich viele Gelegenheiten zum Reisen genutzt und war so als Austauschschülerin und Aupairmädchen in Chile. Praktika habe ich in Deutschland und der Schweiz gemacht. Gemeinsam mit Flo ging es nach meiner Ausbildung auf Weltreise und seitdem hat mich das Reisefieber fest im Griff.

Kommentar verfassen