Wie im Paradies: Zu Fuß durch Valparaiso

Wenn du mit einer über hundert Jahre alten elektrischen Standseilbahn durch enge Häuserschluchten hinauf fährst und auf einem Dach nebenan jemand anfängt vor Publikum Dudelsack zu spielen, dann weißt du, dass die Uhren hier etwas anders ticken. Willkommen in Valparaiso! 🙂

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Nach der Fahrt mit meinem ersten „Ascensor“, wie die gut ein Dutzend Aufzüge hier heißen, mit denen man von einem Stadtteil zum nächsten gelangt, stehe ich vor einem Meer aus bunt gestrichenen Häusern, die sich scheinbar beliebig an die Hügel schmiegen.

„Valparaiso war zunächst nur als der Hafen von Santiago de Chile geplant, die Leute haben begonnen wild ihre Häuser überall auf und zwischen einen der über 40 Hügel zu bauen. So entwickelte sich allmählich eine Stadt rundherum“, erklärt mir unser Free Walking Tour Guide Italo.

So (farben-)prächtig ist Valpo!

So (farben-)prächtig ist Valpo!

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Vor Eröffnung des Panama-Kanals 1920 war Valparaiso neben San Francisco die bedeutendste Hafenstadt an der Pazifik-Küste Amerikas. Heute befindet sich hier zwar nicht mal mehr der größte Hafen Chiles, trotzdem ist sie weiterhin ein großer Anziehungspunkt – vor allem für Schriftsteller, Musiker, Kunsthandwerker und sonstige (Straßen-)Künstler! Die vielbesungene und schwärmerisch beschriebene Stadt am Pazifik gilt nicht umsonst als die kulturelle Hauptstadt Chiles, nur knapp 120 Kilometer von Santiago entfernt.

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Über viele bunte Treppen geht es schließlich über den Cerro Concepción und weiter hinauf auf den Cerro Alegre ins touristische Viertel von Valparaiso. Hier finden wir auch die meisten Kunsthandwerker, kleine Empanada-Läden und ganz viel Straßenkunst an den Häuserwänden.

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Der Weg durch die engen Gassen ist aufregend. Man weiß nie, was einem hinter der nächsten Ecke erwartet, ob es bergauf oder bergab weitergeht. Ohne Stadtplan kann man sich hier leicht verlaufen.

Eine ehemalige "Waschweiber-Rampe" in Valparaiso

Eine ehemalige „Waschweiber-Rampe“ in Valparaiso


Auffällig sind dabei die vielen Ruinen, zerfallener oder abgebrannter Häuser. Erst vor wenigen Monaten hat ein Großbrand zahlreiche Gebäude zerstört und sogar Todesopfer gefordert. Durch drehende Winde und die schmalen Gassen breitete sich das Feuer rasch aus und konnte erst nach einer Woche unter Kontrolle gebracht werden. „Valparaiso zählt seit 2003 zum UNESCO-Weltkulturerbe, daher dürfen die Gebäude nicht einfach abgerissen werden. Für den Wiederaufbau fehlt aber das Geld, daher werden nur die Außenmauern so gut es geht erhalten“, erklärt Italo.

Ein besonders bekanntes Wohngebäude befindet sich in der Straße Ferrari 692 am Cerro Florida. Der berühmte chilenische Dichter (und Politiker) Pablo Neruda besaß hier das Haus „La Sebastiana“, welches heute als Museum besucht werden kann. Um den Ausblick aus Neruda’s Arbeitszimmer im obersten Stock ist er wahrlich zu beneiden!

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Folgt man der Querstraße Avenida Alemania hinter Neruda’s Haus Richtung Westen, gelangt man zum Plaza Bismarck. Von hier oben hast du einen tollen Blick auf die Stadt, allerdings würde ich hier abends nicht mehr alleine raufgehen, da es nicht gerade die sicherste Gegend Valparaisos ist.

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Gewohnt habe ich in Valparaiso übrigens im Hostal Po am Cerro Concepción, welches ich nur weiterempfehlen kann: Es ist günstig (8.000 Pesos im 6er-Schlafsaal), gut gelegen, das Personal freundlich und die Wände so bunt wie die draußen vor dem Fenster 😉

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Mein Fazit: Die Stadt hat Charme und weiß zu gefallen! Wer nach Santiago de Chile reist, sollte sich Valparaiso auf keinen Fall entgehen lassen und mindestens zwei Tage (besser drei) hier einplanen. Ich komme definitiv wieder hier her.

Florian Figl

Florian Figl

Flo, 28, leidenschaftlicher Outdoor-Fan und Wahl-Steirer. Früher kamen für mich nur Städtereisen in Frage, doch mittlerweile ist das anders. Auf unserer Weltreise habe ich vielfältige Naturlandschaften entdeckt und liebe es seitdem, mich in neue Abenteuer abseits des Großstadtdschungels zu stürzen. In den Bergen fühle ich mich dabei genauso zu Hause wie auf dem Wasser, egal ob beim Klettern, Mountainbiken, Surfen oder Canyoning.
Florian Figl

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