Surfcamp auf Fuerteventura: Auf der Suche nach der perfekten Welle

Surfen. Einmal elegant eine Welle reiten. Trotz mangelnder Erfolgserlebnisse auf Hawaii und einem Schnellkurs auf Bali – zumindest ansatzweise erfolgreich – definitiv eine der Highlight-Aktivitäten unserer Weltreise. Denn: Sobald du einmal richtig auf dem Brett stehst und eine Welle surfst, kannst du einfach nicht mehr genug kriegen – wie auch Andreas Berndt in „Boarderliners“ beschreibt (Buchtipp)!

Deshalb haben wir uns umso mehr über die Einladung von Planet Surf Camps nach Corralejo gefreut: Eine ganze Woche Surfkurs auf Fuerteventura!

Erstes gemeinsames Surferlebnis auf Bali

Erstes gemeinsames Surferlebnis auf Bali

Vorweg: Uns beiden wurden wohl keine Surfergene vererbt. Naja, vielleicht sind die als Österreicher auch schwierig zu bekommen. Nichtsdestotrotz, Spaß ist garantiert und Fortschritte machen sich in einer Woche auch nicht nur dadurch bemerkbar, dass du jeden Tag weniger Meerwasser unfreiwillig durch die Nase trinkst. Wie es uns (fast) blutigen Anfängern während den fünf Kurstagen ergangen ist, liest du in diesem Beitrag. Außerdem kannst du am Ende des Artikels die besten Tipps für deinen Aufenthalt nachlesen. Samstag und Sonntag sind nämlich kursfrei und standen uns somit ganztags für andere Aktivitäten auf der Insel zur Verfügung.

<h2>Tag 1 im Surfcamp</h2>

Marco ist rein optisch gesehen ein Fleisch gewordenes Klischee. Man kann ihn wohl aus hundert Meter Entfernung als Surflehrer erkennen. Sportliche Figur, braun gebrannt und lange Haare, die mit der Länge immer blonder werden. Und sympatisch. Als er uns von unserer Appartement-Unterkunft abholt, quetschen wir uns in die vorderste Reihe des Vans. Die hintere Tür ist zugebunden, da sie nicht schließt. „Don’t worry – be happy“ dröhnt laut aus dem Radio.

Im Surfhaus bekommen wir unsere Neoprenanzüge (ganz schön klein) und unsere Surfbretter (ganz schön groß). Selbst werden wir der Anfängergruppe mit Gala als Surflehrerin zugeteilt. Erfüllt das Klischee optisch ebenso und ist auch sehr sympatisch. Mit einem zweiten Van geht es schließlich los. „Love Generation“ in voller Lautstärke von Gala und aus dem Radio. Und dann auch von uns. Surfstimmung ist da.

Angekommen in El Cotillo

Angekommen in El Cotillo

Über eine Schotterpiste geht es bis El Cotillo an der Nordwestküste Fuerteventuras. Dort gibt es einen langen Sandstrand, der perfekt für Anfänger geeignet sein soll. Neoprenanzüge und Planet Surf Camp Shirts an, das Board und die Leash (Leine, die du ans Board und an dein Bein hängst) geschnappt und den Sandhügel bis zum Strand marschiert. Das Boardschleppen ist jedenfalls ganz schön anstrengend bei dem (permanenten) Wind.

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Nach einer kurzen Aufwärmrunde und ersten Erklärungen von Gala geht es auch schon ab ins Wasser. Das Meer ist mit knapp 20°C recht kühl, aber immer noch angenehmen, wenn du dich darin mit einem dünnen Neoprenanzug mit langen Ärmeln und Hosenbeinen bewegst.

Erste Übung: Auf dem Bauch liegend beide Arme seitlich wegstrecken und idealerweise auf dem Board liegen bleiben. Erst danach versuchen wir, auch am Board zu stehen.

Und? Frustierend. Echt frustrierend. Nachdem wir beide in Bali recht schnell den Dreh raushatten, scheinen in den wenigen Monaten alles vergessen zu haben. Unser Problem ist, dass die Wellen heute sehr kurz sind und nahe am Strand brechen. Heißt, dass wir gefühlsmäßig mit den Händen schon im Sand paddeln bis uns die Welle erreicht und leider ziemlich oft auf die Nase wirft. Inklusive ziemlich unsanfter Boardstupser und Meerwasser-Nasenspülung. Na toll. Beruhigend ist nur, dass auch andere, mit mehr Surferfahrung, Probleme haben und Gala betont, dass die Wellen heute mies sind. Ok, die Hoffnung lebt.

<h2>Tag 2 im Surfcamp</h2>

Heute ist der Van voll mit acht Surfschülern plus Gala. „Love Generation“ in voller Lautstärke im Radio. Gala in voller Lautstärke, Surfschüler in voller Lautstärke. Gala dreht das Radio noch lauter.

Es geht wieder nach El Cotillo und diesmal haben wir etwas mehr Glück mit den Wellen. Wir müssen nur aufpassen, da der Strand auch bei anderen Surfschulen sehr beliebt ist und dementsprechend viele Leute im Wasser sind. Aber wir stehen deutlich öfter am Board und können zumindest ein kleines Stück darauf reiten. Juhu!

<h2>Tag 3 im Surfcamp</h2>

„Love Generation“ lassen wir diesmal aus. Ansonsten geht es wieder nach El Cotillo, wo wir leider ähnliches Wetter wie am ersten Tag haben. Zumindest haben wir schon soviel Übung, dass wir uns nicht den halben Atlantik durch die Nase spülen. Nach einer Zeit werden die Wellen noch etwas stärker, bleiben aber kurz, sodass die Surfanfänger aller Schulen reihenweise an den Strand gespült werden.

<h2>Tag 4 im Surfcamp</h2>

Flo und ich sind heute getrennt unterwegs. Während er wieder mit Gala nach El Cotillo fährt, geht es für mich mit der Marcos Gruppe in den Norden nach Punta Blanca. Der Spot ist weniger von Surfern überlaufen und und die Wellen sind hier auch deutlich länger. Im Grunde viel besser, wenn du halbwegs mit deinem Board zurechtkommst. Aber für die Arme ist es unglaublich anstrengend, da wir viel länger paddeln müssen um zu den guten Wellen zu kommen.

Aber was für ein Wahnsinnsgefühl, eine Welle richtig lange zu reiten! Wenn mich bis jetzt die Surf-Sucht noch nicht ganz im Griff hatte, ist es heute definitiv so weit. Irgendwann ignoriere ich meine Arme, die eigentlich gar nicht mehr paddeln wollen. Marco gibt viele nützliche Tipps und ist unglaublich motivierend – „Come on Corinna, this wave has YOUR name on it!!!“ Wenn meine Arme noch länger mitgemacht hätten – ich wäre wohl nicht so schnell wieder aus dem Wasser gekommen.

<h2>Tag 5 im Surfcamp</h2>

Wieder geht es mit Gala nach El Cotillo. Nachdem Marco gestern seine Playlist aus zehn Liedern zum Glück nicht hundertmal hat durchlaufen lassen ist Gala umso motivierter am Lautstärkeregler, da es tatsächlich mal neue Lieder gibt. Flo hat ihre Playlist übrigens via Spotify „nachgebaut“, falls du ein Ohr riskieren möchtest.

El Cotillo will uns heute den Abschied richtig schwer machen. So schön waren die Wellen die ganze Woche über nicht. Wir stehen. Wir fahren. Wir steigen elegant ab oder plumpsen mit der Grazie eines betrunkenen Nilpferdes in den Sand. Egal! Der Tag geht zu schnell vorbei. Und von mir aus, hätte der Kurs auch noch eine Woche länger dauern können, jetzt, wo wir doch soviele Fortschritte gemacht haben und immer mit tollen Leuten unterwegs waren…

Nützliche Tipps für deinen Aufenthalt

Packe unbedingt ein …

  • Sonnencreme. Oh ja. Am besten Sonnenschutzfaktor 50 oder sogar mehr. Wenn nicht gerade ein bewölkter Tag ist, dann hast du sie dringend nötig. Vor allem, weil du durch das kühle Wasser nicht merkst, wie stark die Sonne ist. Zusätzlich kannst du dir auf Fuerteventura noch einen zinkhaltigen Sonnencremestift als Kriegsbemalung in unterschiedlichen Farben und als Extraschutz für dein Gesicht zulegen.
  • Wasser. Nimm dir am besten eine große Flasche bis zum Strand mit. Süßwasser ist als Abwechslung zum Salzwasser ganz gut zum Trinken. Wenn du magst, kannst du auch noch Essen für die Pause mitnehmen. Oder du nimmst etwas Geld mit, denn Tradition bei Planet Surf Camps und anderen Surfschulen scheint es zu sein, nach etwa zweieinhalb Stunden Surfen einen Halt bei einer Bäckerei zu machen.

Tageszeit und Inselerkundung

Wenn du die Möglichkeit hast, dann starte deinen Surftrip möglichst früh. Bei Planet Surf Camps gibt es manchmal mehrere Gruppen mit dem gleichen Können, die zu unterschiedlichen Zeiten starten. Tauschen ist dann meist auch möglich. In der Früh hast du natürlich weniger Hitze zu ertragen, aber vor allem hast du als Anfänger mehr Platz im Wasser und musst so nicht ständig Angst haben, andere Leute mit deinem Brett zu rammen oder „übersurft“ zu werden.

Schließlich bleibt dir so mehr Zeit, um die Insel zu erkunden – zu Fuß, mit den Öffis, Rädern oder Buggies, oder einem Mietauto – angepriesene Möglichkeiten gibt es in Corralejo genug. Wir selbst waren sehr froh über unser Mietauto, so konnten wir die ganze Insel erkunden. Bezahlt haben wir für drei Tage (72h) bei Hertz knapp 110 Euro. In den größeren Ortschaften gibt es auch viele lokale Anbieter. Wenn du jedoch mit dem Auto wieder zum Flughafen fahren willst und so die Kosten für einen Shuttle-Transfer sparst, ist es allerdings sinnvoll, bereits im Voraus zu buchen, um auch sicher eines bei einem Anbieter mit einer Flughafenzweigstelle zu bekommen.

Surftipps

Als Anfänger wirst du dein Board oft einfach ein Stück ins Wasser tragen bzw. schieben. Wenn die Wellen ein bisschen weiter draußen perfekt sind, dann ist Paddeln angesagt. Das geht gehörig auf die Arme. Wenn du also Zeit für Schwimmtraining vor dem Surfkurs hast, dann wirst du davon sicher profitieren 😉 Mit Planet Surf Camps bist du ca. zweieinhalb Stunden am Surfen und davon etwa zwei im Wasser. Klingt vielleicht nicht viel, reicht aber am Anfang definitiv.

Wellen sind stärker als du. Beobachte die Anderen, wie sie das Board am besten ins

Wasser tragen, oder wie sie am leichtesten über eine Welle paddeln, bzw. frag nochmal nach. So kannst du dein Surfleben viel einfacher gestalten.

Wenn dir das Aufstehen am Board einfach nicht gelingen will, oder du immer den gleichen Fehler machst, dann schnapp dir dein Board, lege es an den Strand und mach nochmal Trockentraining, das hat mir enorm geholfen. Klar, am Anfang ist es verdammt schwierig, aber versuche es trotzdem jedes Mal, wenn du eine Welle bekommst, kurz nachdem du von ihr einen Push spürst. Selbst wenn du das Gefühl hast, du fällst gleich ins Wasser. Und auch wenn sich das Gefühl in 99% bestätigt – irgendwann hast du den Dreh raus!

Auch wenn die kleinen Surfbretter viel schicker aussehen als die großen Softboards, sind die längeren Bretter für Anfänger besser geeignet. Erstens musst du nicht völlig perfekt darauf aufstehen und zweitens hast du weniger zu paddeln. Solche Boards sind leider etwas unpraktisch zu tragen, vor allem wenn Wind geht und du so kurze Arme hast wie ich. Tipp: Zu zweit zwei Boards jeweils auf einer Seite am Ende unter den Arm zu nehmen erleichtert die Sache ungemein!

Und wann ist die beste Zeit um auf Fuerteventura zu surfen? Die Antwort ist eindeutig September/Oktober. Wind und Wellen sollen zu dieser Zeit einfach perfekt sein.

Fazit

Klar, hauptsächlich waren wir zum Surfen hier und sind froh, dass wir zumindest täglich kleine Erfolgserlebnisse hatten. Außerdem empfanden wir die Stimmung unglaublich toll. Damit meine ich zum einen die Stimmung unter den Surfern am Strand – kein Konkurrenzdruck, man freut sich und applaudiert wenn der andere eine Welle reitet und genießt gemeinsam die Zeit im und unter Wasser.

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Andererseits war die Stimmung im Surfhaus der Wahnsinn – du hast ständig motivierte Leute um dich, um am Abend zum Beispiel in die Banana Bar auszugehen, ein BBQ zu organisieren, die Yogagruppe im Surfhaus zu besuchen, oder einfach nur zum Abhängen. Genial!

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Deshalb ist es auch kein Problem, alleine anzureisen. Wir haben uns als Pärchen zuerst für ein Doppelzimmer in einem Appartment entschieden und sind erst später ins Surfhaus ins Mehrbettzimmer gezogen. Wir würden im Nachhinein bei einer Woche Surfkurs gleich ins Surfhaus ziehen, vor allem eben aufgrund der positiven Stimmung und der Leute.

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Vielen Dank an Planet Surf Camps für die Einladung zum Surfkurs inklusive Unterkunft im Surfhaus. Meine Meinung bleibt jedoch wie immer meine eigene!

Corinna Donnerer

Corinna Donnerer

Cori, 25, und hauptberuflich als Physiotherapeutin selbstständig. Schon während der Schulzeit und des Studiums habe ich viele Gelegenheiten zum Reisen genutzt und war so als Austauschschülerin und Aupairmädchen in Chile. Praktika habe ich in Deutschland und der Schweiz gemacht. Gemeinsam mit Flo ging es nach meiner Ausbildung auf Weltreise und seitdem hat mich das Reisefieber fest im Griff.
Corinna Donnerer

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