Slow Food Travel im Lesachtal: Ursprünglichkeit im naturbelassensten Tal der Alpen

Ausbrechen aus dem Arbeitsalltag? Genug vom Menü aus der Tiefkühltruhe? Wenn du genau das brauchst, dann ist Slow Food Travel vielleicht das Richtige für dich. Denn die Idee dahinter ist es, den Reisenden die Ursprünglichkeit und Schönheit einer Region kulinarisch zu präsentieren. Ganz ohne Hektik. Dabei lernst du nicht nur einzigartige Produkte wie das Lesachtaler Brot oder den Gailtaler Speck kennen, sondern auch die Hersteller. So viel Herz und Leidenschaft – das schmeckt man!

„Wir produzieren nur das, was wir schon immer gemacht haben. Dabei ist es uns ganz wichtig, uns auf unsere Wurzeln und Traditionen zu besinnen. Es geht auch ohne Spritzmittel, Kunstdünger und große Fabriken.“ Das ist das Credo der Hersteller, die wir an diesem Wochenende besuchen werden. Das kann nur gut werden!

Lesachtaler Mühlenweg und Mühlenmuseum

Kaum ist man im Lesachtal angekommen, weiß man, dass hier die Uhren anders ticken. Rundherum steile grüne Hänge, Berge, Wälder, wunderschöne und urige Häuser. „Hier genießt man den Segen der Langsamkeit im naturbelassensten Tal der Alpen“, meint Brigitte Lugger. Als ehemalige Lehrerin kam sie vor vielen Jahren in das Tal, verliebte sich in die Landschaft und ihren Mann. Und blieb. Heute begrüßt sie uns beim Bauernladen im Dirndl, umringt von ihren Enkeltöchtern zur Führung durch den Mühlenweg im Wallfahrtsort Maria Luggau. Den Bauernladen solltest du dir übrigens nicht entgehen lassen. Es gibt hier von der Kleidung über Tees bis zum Sirup alles, denn der Laden wird von 60 verschiedenen Produzenten aus der Region beliefert.

Lesachtal_Bauernladen_vorne

Aber nun zu den Mühlen! Wir werfen einen Blick in eine, wo Brigittes Ehemann Leopold gerade Mehl aus Lesachtaler Getreide mahlt. „Kommt’s rein und schaut euch an wie die Mühle funktioniert!“ Gemeinsam mit seinen Enkeltöchtern erklärt er uns daraufhin, wie die Mühle funktioniert und der Schrot vom feinen Mehl getrennt wird. Währenddessen teilen uns die Mädchen leckere Mühlen-Kekse aus. Mmmh, das erste Lesachtaler Schmankerl für uns!

Lesachtal_Leopold

Weiter geht es mit der Führung, inklusive Schnaps und Mühlenkino, wo die Geschichte der Mühlen mit alten Videoaufnahmen erzählt wird. So erfahren wir auch, dass die Mühlen Seilzüge betrieben haben, die unter anderm Dünger auf die hochgelegten Hänge transportiert haben, denn für Pferde waren die Wege schlicht zu steil.

Muehlen5_Lesachtal

Brigitte Lugger ist stolz, dass es das Lesachtal geschafft hat, seine Ursprünglichkeit so zu bewahren. Dabei spielte sie selbst eine große Rolle: mit ihrer Unterstützung wurden nicht nur viele Häuser restauriert, sondern auch die fünf alten Mühlen gerettet, die das Bild des Ortes prägen. „Die Mühlen sollten nie ein stilles Museum werden, sondern etwas Lebendiges bleiben“, meint sie.

Die Häuser im Ort sind klassisch weiß gehalten, haben ein oberes Stockwerk aus dunklem Holz und kunstvolle Bemalungen um Türen und Fenster. Diese sogenannte Lüftlmalerei verleiht jedem Haus eine besondere Note. Die Bemalungen sind alle individuell – mit einer Gemeinsamkeit: dem Bild des heiligen Florian, dem Schutzpatron. Besonders sind auch die Keimfarben, die verwendet wurden. Sie bestehen aus zermahlenen Steinen und sind somit besonders kräftig und bleichen nicht aus.

Eine besondere Rolle kommt der Wallfahrtskirche Maria Luggau zu, die natürlich bei unserem Besuch auch nicht fehlen darf. Einen „Traum einer jeden Kunsthistorikerin“ nennt unsere Blogger-Kollegin Lucia die Kirche sogar.

Wie es der Zufall so will, kommen wir auf dem Weg noch bei einem Haus vorbei, in dem gerade ein neues altes Mühlenrad hergestellt wird. Alt deshalb, weil genau die Technik wie bei den alten Mühlenrädern eingesetzt wird, inklusive Holzschrauben. Zwei Monate meint Brigitte Lugger, dauert die Fertigstellung. Ich würde wohl zwei Monate alleine an einer Holzschraube sitzen!

Nun, was passiert mit dem guten Lesachtaler Mehl? Das, und wie es zu einem ganz besonderen immateriellen Weltkulturerbe kommt, erfahren wir bei der Lanner Oma.

Brotbacken mit der Lanner Oma Rosa

Gemeinsam mit ihrem Sohn Nikolaus treffen wir im Alpenhotel zum Wanderniki die Lanner Oma Rosa. „Die Oma hat schon alles für euch vorbereitet“, meint Nikolaus. Also ab in die Backstube! Mmmh, wie es da jetzt schon duftet! Dabei ist noch gar nichts ausgebacken, sondern erst mal nur der Sauerteig in der Knetmaschine.

Ins Lesachtaler Brot kommt nämlich keine Germ. Das dauert zwar länger, aber dafür schmeckt es umso besser. Kann bei dem Duft ja auch nicht anders sein! Der Wert der Lesachtaler Brotherstellung, wird mittlerweile sogar von der UNESCO anerkannt, die die Auszeichnung zum immateriellen Weltkulturerbe vergeben hat.

Was alles in welchem Verhältnis in den Teig kommt, welche Körner verwendet werden – das alles zeigt uns die Lanner Oma, wobei sie nebenher noch jede Menge Geschichten und Anekdoten auf Lager hat. Schließlich formen wir unter fachkundiger Anleitung unser eigenes Brot.

Nun warten wir erst einmal auf das frische Brot, mit einer ausgezeichneten Lesachtaler Morende, einer Jause. Eingelegter Kürbis, Speck und Käse aus der Region warten auf uns. Als dann das Brot ausgebacken wird und knusprig warm dazu kommt, ist die Jause perfekt. Da fängt Nikolaus an zu musizieren, mit der Ziehharmonika und schließlich mit der Trompete.

Zeit, sich die Beine zu vertreten und die Aussicht zu genießen. Schade nur, dass die Zeit doch nicht reicht, dieses Wanderparadies genauer zu erkunden. Aber unser nächstes Ziel wartet bereits, und zwar im benachbarten Gailtal! Mehr dazu im nächsten Beitrag.

Übernachtet haben wir übrigens im Hansbauerhof, einem Vier-Sterne Hotel mitten in der Natur, das vor allem für Familien gut geeignet ist. Gerade im Sommer ist hier sehr viel los, denn du kannst hier in der Nähe schwimmen, wandern, klettern, raften usw. Außerdem ausgezeichnet frühstücken und bei Bedarf in einem der Apartmentzimmer mit Platz für bis zu sechs Leuten auch selbst kochen.

Hansbauerhof

Weitere Slow Food Genüsse, die wir kennenlernen dürfen sind der Gailtaler Landmais, Gailtaler Speck, veganes Schlaraffenlandfrühstück und ein Edelgreissler. Davon mehr im nächsten Beitrag!

Diese Reise fand im Rahmen des 4. Österreichischen Reiseblogger-Treffens statt. Gemeinsam mit unseren Blogger-Kollegen, Lucia von „Kremserin on the go“, Melanie und Jürgen von Lifetravellerz, Elena alias Creativelena, Christina von City Sea Country, Reisebloggerin Gudrun, Franz alias Reisedoktor, Angelika und Andreas von Wiederunterwegs.com, Travelwriticus Andreas und Anita auf Reisen erkundeten wir die Region um das Lesachtal und Gailtal.

Wir bedanken uns für die Einladung zu dieser Bloggerreise bei NLW Tourismus und der Kärnten Werbung.

Corinna Donnerer

Corinna Donnerer

Cori, 25, und hauptberuflich als Physiotherapeutin selbstständig. Schon während der Schulzeit und des Studiums habe ich viele Gelegenheiten zum Reisen genutzt und war so als Austauschschülerin und Aupairmädchen in Chile. Praktika habe ich in Deutschland und der Schweiz gemacht. Gemeinsam mit Flo ging es nach meiner Ausbildung auf Weltreise und seitdem hat mich das Reisefieber fest im Griff.
Corinna Donnerer

3 Kommentare zu “Slow Food Travel im Lesachtal: Ursprünglichkeit im naturbelassensten Tal der Alpen

    1. Corinna Donnerer Autor des Beitrags

      Das hat zuhause nicht mal den nächsten Tag überlebt, so gut war es! Einfach so mit Butter und Kräutern, einfach herrlich 🙂

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