Paris im Herbst

Eigentlich sollte der Titel dieses Beitrags „Paris: Die Liebenden und die Toten“ heißen und bereits Anfang November online gehen. Doch dann kam alles ganz anders und der Beitrag blieb zunächst liegen: Die Terroranschläge vom 13. November warfen ein ganz anderes, schreckliches Licht auf „unser“ Paris, das wir Ende Oktober zum ersten Mal als Paar bereisten…

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Hast du jemals den Eiffelturm von unten gesehen? Ich stand unter ihm und es war wunderschön. Es war nur 5 Grad, der Himmel blau wie ein Meer. Du fragtest, wie gern ich lebe, und ich sagte sehr. (aus dem Song „Paris im Herbst“ von Thees Uhlmann)

Diese Reise war mein Weihnachtsgeschenk 2014 an Cori und lange haben wir die Buchung vor uns hergeschoben, bis wir uns auf das verlängerte Wochenende rund um den österreichischen Nationalfeiertag einigen konnten. Es war eine Reise in ein mir bereits bekanntes, fast schon vertrautes Paris. In die Stadt des Lichts und der Liebe. Und dennoch kriege ich die Bilder von den Terroranschlägen, nur drei Wochen nach unserem Besuch, nicht aus dem Kopf, während ich diesen Beitrag nun (um-)schreibe.

Trotzdem oder gerade deshalb habe ich das Bedürfnis, ihn nun endlich fertigzustellen und zu veröffentlichen.

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Die Liebenden …

… sind in der Tat in Paris allgegenwärtig: Egal ob beim Herbstspaziergang entlang der Seine, auf der berühmten (Einkaufs-)Prachtstraße Champs-Élysées, auf den Stiegen vor der Basilika Sacré-Cœur de Montmartre oder natürlich unter dem Eiffelturm – überall verliebte Pärchen, die sich in den Armen liegen! Das muss man erstmal wollen. Oder ausblenden.

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Obwohl ich bereits mehrmals Paris besuchte, war ich bislang noch nie oben auf dem Eiffelturm. Allein die Vorstellung war mir einfach zu kitschig und touri-haft. Und dann noch die langen Warteschlangen, oh Gott!

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Aber, wie es halt so ist, wollte ich Cori eine Freude machen, nachdem wir am ersten Tag schon spätabends unter dem 324 Meter hohen Turm standen und relativierte meine gerade erwähnte Einstellung mit einem typischen „Schauen wir mal … wie’s morgen hier aussieht!“ 😉

Natürlich waren wir dann am späten Nachmittag doch oben und ja, die Wartezeit war mit knapp 1,5 Stunden nicht gerade kurz. Aber ich muss gestehen: Es hat sich gelohnt! Der Ausblick ist einfach fantastisch, sogar schon von der mittleren Etage. In Summe haben wir dann fast 3 Stunden da oben verbracht, einfach weil wir uns an Paris nicht satt sehen konnten und den Sonnenuntergang abwarten wollten. Dann gingen nicht nur unten in der Stadt überall die Lichter an, sondern natürlich auch am Turm selbst. Zu jeder vollen Stunde noch dazu mit funkelndem Blitzlicht 😀 (das man ja leider nicht fotografieren bzw. veröffentlichen darf)

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Tipp: Ausweis mitnehmen, wenn du jünger als 25 bist! Dann sparst du nämlich 2,50 Euro auf den Normalpreis von 17 Euro für den Lift bis zur obersten Etage. Oder noch besser: Du buchst dein Ticket gleich bis zum Vortag online im voraus. Somit kannst du dich bei einer eigenen (meist etwas kürzeren) Schlange anstellen. Der Nachteil: Im Internet werden nur Tickets für den Lift verkauft, nicht jedoch für die Stiegen, über die man ebenfalls auf den Turm hinauf kommt.

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Mein Lieblingsviertel in Paris ist definitiv Montmatre, das auf einem gleichnamigen Hügel über der Stadt liegt. Das 18. Arrondissement gilt als Künstlerviertel und zog bereits einen Renoir, Van Gogh und später auch Picasso an, die hier lebten und werkten.

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Nachwievor findet man neben den obligatorischen Souvenirshops noch viele authentische Kunsthandwerksläden, Maler in den Gassen und sonstige (Über-)Lebenskünstler, wie zum Beispiel diesen talentierten Ballakrobaten aus Guinea, der halbstündlich seine Show vor dem Publikum der Basilika abzieht – und ihr fast ebendiese stiehlt! 😉

Meiner Meinung nach bekommst du hier heroben die besten Crêpes der Stadt, egal über süß oder salzig! Oh, und halte unbedingt Ausschau nach einer weiteren Form der „Straßenkunst“: Graffiti und Street Artists leisten hier ebenfalls einen Beitrag zu einem ganz besonderen Straßenbild, zum Teil hoch oben auf den Häuserwänden.

… im Reich der Toten

Die Toten, an die ich beim ursprünglichen Titel des Beitrags dachte, waren nicht die Opfer der Anschläge. Es waren diejenige, deren körperliche Überreste seit Jahrhunderten in den Katakomben von Paris liegen. Einem Ort, an dem es mich zwar nicht gruselte, aber dennoch auf seine eigene Art beklommen machte: Er gilt als größtes Gebeinhaus der Welt, mit den Knochen von über 6 Millionen Menschen, die hierher gebracht wurden, als überall sonst in der Stadt der Platz ausging. Das Tunnelsystem liegt rund 30 Meter unter der Erde und ist über 300 Kilometer lang, zwei davon können offiziell besucht werden. Wirklich „zur (letzten) Ruhe“ kamen die Toten hier aber trotzdem nicht, da die weitverzweigten Stollen während der französischen Revolution und später im Zweiten Weltkrieg als Unterschlupf von Rebellen und Soldaten genutzt wurden.

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Auf den Fotos zeige ich dir hier übrigens nur den Teil der Katakomben, der früher als Steinbruch genutzt wurde und daher vermutlich relativ „unspektakulär“ aussieht. Mit meinen 1,93 Meter musste ich zwar stellenweise den Kopf einziehen, aber immerhin nicht permanent gebückt durchlaufen. Aus Respekt vor den Toten habe ich auf Fotos von den Gebeinen verzichtet. Die befinden sich erst hinter einer Türschwelle, über der auf französisch geschrieben steht „Stopp! Hier ist das Reich des Todes“. So viel sei verraten: Es ist sehr interessant, wie die Gebeine sortiert und geschlichtet wurden (zumindest im zugänglichen Bereich).

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Kurios: Obwohl ich zuvor noch nie von diesem Ort gehört habe, betrug die Wartezeit vor dem schmalen Eingang in den Untergrund mit über 2 Stunden deutlich mehr, als für die genau entgegengesetzte Richtung unter dem Eiffelturm! Aus Sicherheitsgrünen dürfen sich maximal 200 Personen gleichzeitig in den Katakomben aufhalten, eine halbe Stunde steht man daher mindestens immer an. Ein „Geheimtipp“ scheinen die Katakomben also so oder so nicht mehr zu sein.

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Den Eingang in die Katakomben findest du direkt vor der Metro-Station Denfert-Rochereau. Einfach nach der Schlange ausschau halten, die sich im Kreis rund um einen kleinen Park anstellt.

Fazit

Paris fasziniert. Für mich ist sie die Stadt der Kontraste, insbesondere im Herbst. Meiner Meinung nach die ideale Reisezeit. Und dennoch: Leben und Tod, Höhen und Tiefen, Liebe und Angst, alles liegt hier so nahe bei einander, auch in den Köpfen der Menschen nach dem 13. November. Ob ich trotz der Terrorgefahr wieder nach Paris kommen würde? Jederzeit. Je suis Paris!

Florian Figl

Florian Figl

Flo, 28, leidenschaftlicher Outdoor-Fan und Wahl-Steirer. Früher kamen für mich nur Städtereisen in Frage, doch mittlerweile ist das anders. Auf unserer Weltreise habe ich vielfältige Naturlandschaften entdeckt und liebe es seitdem, mich in neue Abenteuer abseits des Großstadtdschungels zu stürzen. In den Bergen fühle ich mich dabei genauso zu Hause wie auf dem Wasser, egal ob beim Klettern, Mountainbiken, Surfen oder Canyoning.
Florian Figl

3 Kommentare zu “Paris im Herbst

  1. Mary-Jay

    toller Artikel und absolut richtig ihn endlich zu veröffentlichen. Von den Katakomben hab ich bisher noch nicht gehört gehabt, danke für den Tipp! Vlt wirds ja was mit WM-Tickets, dann muss ich dort unbedingt auch hin. LIEBE GRÜSSE in die Steiermark

    1. Flo

      Danke! Ja, das wär natürlich fein. Hab mich eh auch um je 4 Tickets beworben, nur schon fast wieder vergessen. Hoffentlich wirds was, dann nehm ich euch natürlich mit 😉

      Lieben Gruß nach NÖ,
      Flo

  2. Pingback: Meine Lieblingsfundstücke im Januar 2016 - soschy on tour

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