6 Klischees über unsere Schweizer Nachbarn

Wo man auch hinfährt, Klischees sind omnipräsent. Egal ob es das benachbarte Land oder das nächste Kaff ist – irgendetwas gibt es immer schon über „alle“ Nachbarn im allgemeinen zu sagen. Und irgendwo wird da ja auch ein Funken Wahrheit drinstecken, vielleicht nicht auf jeden einzelnen zutreffend – aber sagen wir mal: auffällige Häufigkeiten. Vielleicht sind Österreicher ja auch im allgemeinen sehr klischeeliebend, denn es scheint kaum Menschen hier zu geben, die nicht Meinungen über die anderen haben, sei es auch nur über die nervigen, lauten Nachbarn von nebenan, und wenn nicht über die – dann auf jeden Fall über die Deutschen. Aber was denkt man sich als Österreicher über die Schweizer? Und steckt dahinter womöglich doch mehr als überzogene Geschichten?

Wenn man hier Leute fragt, die noch nicht in der Schweiz waren, „was wisst ihr denn über die Schweiz?“ kommt:

  • „Die sprechen kein Deutsch.“
  • „Schweizer Schokolade!!!“ – mit eventuellem Nachsatz (aber weitaus weniger Begeisterung): „Käse“/“Taschenmesser“/“Banken“
  • „Was auch immer du tust – nimm kein Taxi!“

Weitere liebenswerte Klischees laut welt.de: „Schweizer sind pünktlich“, „Schweizer sind langsam“, „Schweizer haben einen Sauberkeitsfimmel“.
Gut. Dieses Halbwissen im Gepäck geht es auf – 3 Monate Praktikum in einem kleinen Spital in Zürich.

Schild mitten in Zürich

Schild mitten in Zürich

„Schweizer sprechen kein Deutsch.“

Was sich am Ankunftstag bereits eindeutig bewahrheitet hat: Die sprechen echt kein Deutsch. Und auch der kurze Blick ins „Chuchichäschtli“(Wörterbuch Deutsch-Schwiizerdütsch) hat definitiv nicht genügend zum Verständnis in freier Wildbahn beigetragen. Wobei – sie können nach Schriftsprache sprechen. Und zwar so gut, dass man ihnen den Schweizer nicht anmerkt. Wichtig für Nichtschweizer: Ja nicht glauben, dass man an JEDES Wort ein „-i/-li“ hängen kann! Funktioniert oft, aber eben NICHT immer.

„Schweizer Schoggiiiii!!!“

Was mich besonders freut: Schoggi hier, die ist wirklich herrlich. Auch nach Abschluss der 3 Monate, in denen sich unser Tisch im Aufenthaltsraum des Krankenhauses ständig unter der gewaltigen Schoggi-last biegt. Und am besten sind wirklich die Schweizer Sorten. Meine Favoriten: Lindt, Läderach, Sprüngli-Luxemburgerli.

„Was auch immer du tust – nimm kein Taxi!“

Der gewaltige Nachteil bringt mich zur Warnung im nächsten Punkt: Unbedingt den Leuten glauben, die euch sagen, dass die Schweiz sündhaft teuer ist! Und wenn ihr den Leuten nicht glaubt, dann googeln. Wenn das auch noch keinen Effekt zeigt, dann am besten ein Taxi in Zürich nehmen, das funktioniert garantiert. Das geht sogar soweit, dass mir jeder Schweizer den ich darauf angesprochen habe, geraten hat nur ja kein Taxi zu nehmen. Und auch nicht beim Bahnhof einkaufen zu gehen – wer bezahlt auch gerne umgerechnet über 5€ für 300g Chips…

300g Chips am Bahnhof

300g Chips am Bahnhof

„Schweizer sind pünktlich“

Was sich zumindest auch an meiner Praktikumsstelle eindeutig bestätigt hat: Schweizer sind pünktlich. Wenn der Arbeitstag um 8 startet und der Rapport (=Teambesprechung) um 5 vor 8 startet, dann sind spätestens 10 vor 8 alle anwesend. Ebenso bei der Mittagspause: exakt 55 Minuten lang, 12:55 erneuter Rapport und es kommt einfach nie jemand zu spät! Sinnlos, dieses System in Südamerika anzuwenden (wo wir wieder bei ganz anderen Klischees wären).

Zytglogge in Bern

Zytglogge in Bern

„Schweizer sind langsam“

Das Lustige daran: Dieses Klischee habe ich hauptsächlich von den Schweizern selbst gehört. Hauptsächlich von den Zürchern über die Berner – die umgekehrt die Zürcher für arrogant halten.

„Schweizer haben einen Sauberkeitsfimmel“

Was mir persönlich nicht so ins Auge gesprungen ist, ist dieser Sauberkeitsfimmel. Vielleicht eher in Form von perfekter Ordnung und Organisation, die Auswärtigen etwas irreal erscheint;)

3 Monate, 12 Schlüssel - ein Schlüssel für jedes Kastl

3 Monate, 12 Schlüssel – ein Schlüssel für jedes Kastl

Ich denke jeder erlebt Klischees etwas anders, schließlich hat es auch damit zu tun mit welchen Leuten man sich umgibt und in welches Umfeld man kommt. Ich zum Beispiel habe wenig über Schweizer Banken gehört, und schon garnichts über Käse. Dafür habe ich den Eindruck bekommen, die Schweizer sind sehr höflich und korrekt, aber etwas distanziert bei Fremden. Mir haben wildfremde Leute aufs Allerfreundlichste bis ins kleinste Detail Wegbeschreibungen erklärt, aber ich wurde auch sehr sehr deutlich belehrt, als ich mit dem Fahrrad unwissend in die Fußgängerzone kam. Freunde habe ich hauptsächlich über Eigeninitiative kennengelernt – nach der ersten Hürde des Ansprechens waren das unglaublich offene und unternehmungslustige Leute, die für jeden Spaß zu haben sind.

Alles in allem kann man wohl einfach nur wieder betonen, dass Klischees unmöglich auf jeden Einzelnen zutreffen können, aber doch aus irgendeinem Grund entstanden sein müssen und eben deshalb doch zu einem Stück der Wahrheit entsprechen.

Welche Klischees über andere Lände sind dir bislang untergekommen? Welche haben sich dabei bewahrheitet?

Corinna Donnerer

Corinna Donnerer

Cori, 25, und hauptberuflich als Physiotherapeutin selbstständig. Schon während der Schulzeit und des Studiums habe ich viele Gelegenheiten zum Reisen genutzt und war so als Austauschschülerin und Aupairmädchen in Chile. Praktika habe ich in Deutschland und der Schweiz gemacht. Gemeinsam mit Flo ging es nach meiner Ausbildung auf Weltreise und seitdem hat mich das Reisefieber fest im Griff.
Corinna Donnerer

5 Kommentare zu “6 Klischees über unsere Schweizer Nachbarn

    1. Cori Autor des Beitrags

      Hahaha, ja, allerdings! Wollte ich trotz Vorwarnung nicht so recht glauben, aber es hat sich eindeutig bewahrheitet. Laut einem Preisvergleich von NEWS etwa bekommen Österreicher für 100€ in der Schweiz Waren und Dienstleistungen im Wert von 75€ – also schon ein krasser Unterschied!

  1. Karin

    Ein wunderbarer Beitrag. Als Schweizerin nehme ich gerne Stellung zu diesen Klischees:

    “Schweizer sprechen kein Deutsch.”

    Natürlich sprechen wir Deutsch. Schweizerdeutsch. Schwizertütsch. Züritütsch. Bärndüütsch. Baseldytsch. Sogar Hochdeutsch, damit uns die Ausländer verstehen 😉
    A propos deutsch: Als ich vor zehn Jahren in Wien lebte, wunderte ich mich im Supermarkt über Paradeiser und Marillen.

    “Schweizer Schoggiiiii!!!”

    … ist geil.

    “Was auch immer du tust – nimm kein Taxi!”

    Rischtisch. Gilt aber nur für Ausländern. Wir Schweizer können uns das leisten. An hohen Feiertag. Sonst fahren wir Fahrrad (genannt Velo), Tram oder Bus.
    Übrigens: Die Chips sind am Bahnhof nicht teurer. Alles ist immer und überall teuer in der Schweiz.

    “Schweizer sind pünktlich”

    Jawoll. Ausser wir wollen beweisen, dass auch wir total locker drauf sind.

    “Schweizer sind langsam”

    Im Vergleich zu wem? Alles ist relativ.

    “Schweizer haben einen Sauberkeitsfimmel”

    Ja. Leider haben die meisten keinen Putzfimmel.

  2. Cori Autor des Beitrags

    Find ich super, dass du als Schweizerin dazu schreibst!

    Zum Deutsch – was auch immer das für eine Sprache ist, wir Österreicher haben oft auch ganz eigene Interpretationen davon;) Eigentlich find ich Dialekte super. Für mich war es allerdings echt schon hart, mich ans Züritütsch zu gewöhnen. Tja, und dann kam ich nach Bern und hab erst wieder die Hälfte nicht verstanden! Und das waren ja erst 2 schweizer Städte;)

    Vor Taxis haben mich übrigens auch die Schweizer gewarnt! Und jep – alles is teuer, verdammt teuer – zumindest für uns. Und die Chips am Bahnhof-Migrolino haben mich noch deutlich mehr schockiert, als die im Supermarkt!

    Hahaha, also dass die Schweizer langsam sind, hab ich persönlich nicht mitbekommen. Wie gesagt, das Klischee hab ich nur von Zürchern gehört. Über die Berner. Ob das stimmt, kann ich nicht sagen, denn sollten die tatsächlich langsam geredet haben, war es immer noch zu schnell für mich 😛

    Wie lange warst du denn in Wien? Mich würd interessieren, wie du die Österreicher erlebt hast!

    Also liebe Grüße in die Schwiiz!

    1. hhfd

      Das Klischee der langsam sprechenden Berner kommt, so glaube ich, wegen der Art des Dialekts. Der Zürcher Dialekt klingt härter und wirkt dadurch schneller.

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